Rommelsbach Schräg und knallig inszeniert

Feierabendbeschäftigung: Die Tiere haben die Menschheit überlebt. Foto: Privat
Feierabendbeschäftigung: Die Tiere haben die Menschheit überlebt. Foto: Privat
Rommelsbach / OLIVER KLISS 02.05.2012
Nach dem Untergang der Menschheit bleiben nur noch die Tiere übrig. Wie die ihren Feierabend gestalten, konnte dieser Tage in der Mensa des Gymnasiums am Bildungszentrum Nord besichtigt werden.

An diesem inzwischen etablierten Spielort führte der Kurs "Literatur und Theater 1" unter der Leitung von Lehrerin Susanne Resmini das Theaterstück "Helges Leben" von Sibylle Berg auf. Was gibt es da zu sehen? Die Tiere haben, wie gesagt, die Menschen überlebt. Auf dem Sofa sitzen der Tapir und seine Frau, das Rehlein (Paul Fischer und Sabrina Weinmann in plüschigen Kostümen). Sie haben bei Frau Gott und Herrn Tod, gespielt von den Geschwistern Christin und Michael Stanowsky, ein bisschen abendliche Unterhaltung bestellt, genauer: "Ein ganz normales kleines Menschenleben". Eine Erinnerung an eine entschwundene Gattung gewissermaßen.

Damit kommt Helge (Denis Grafe) ins Spiel. Sein Leben wird den Tieren zu belehrender Belustigung von der blutigen Geburt bis zum Siechtum vorgeführt. Das geschieht meist ziemlich erbarmungslos. Schon die von Barbiepuppen illustrierte Zeugung der höchst ungleichen Eltern (Simon Kirschner/Simone Dürr) verheißt wenig Harmonie. Und dann werden sowohl Helge als auch die endlich doch in sein Leben tretende Tina (Lisa-Katharina Langner) permanent von ihren Ängsten (Adrian Ohr und Maximilian Brehm) begleitet und demoralisiert. In ständiger Bewegung zelebriert die Schauspieltruppe menschliche Abgründe vom unpassenden Hintergedanken im Ehebett bis zur grässlichen Mordtat. Die Aufforderung an Helge, doch mal "ein paar Frauen aufzureißen", nimmt dieser wörtlich. Schade: Maximilian Brehms wirklich entzückende Blondine hätte man gern länger angeschaut. Aber der Kurzauftritt endet in einem jähen Blutrausch des tatkräftigen Helge. Überhaupt wird fast immer irgendwo gestorben. Der Tod, ohne Menschen scheußlich unbeschäftigt, versucht sich beständig an originellen Tötungsarten. Ein niedliches Tierchen wird im Griff eines Aktenkoffers erwürgt, ein anderes mit einem völlig ungeeigneten Gartengerät dennoch mit Erfolg enthauptet.

Es wird sehr viel gesungen in dieser Inszenierung, mal schmalzig, mal schmetternd, als Solo und als Chor, oft in rhythmischer Choreografie. Mit ungeheurer Spielfreude springt, hüpft und stampft das Ensemble dabei über die Bühne. Die Premiere ging nicht ganz ohne Blessuren ab. Die vielen grausamen Wahrheiten vertragen aber auch keine sprachlichen Grenzen. Zumindest die körperliche Liebe ist verbal in all ihrer schillernden Vielfalt vertreten. Für diese "tierische Truppe" (Resmini) ist der ziemlich saftige Text eine willkommene Steilvorlage. Das Ganze ist so schräg und dabei so knallig inszeniert, dass man damit getrost aus der Schulzeit kippen kann. Und das passt ja auch, denn dies ist die Abschiedsvorstellung einer Theatergruppe, deren geradezu ekstatische Spielfreude das Zeug zur Schul-Legende haben könnte. Folgerichtig bedankte sich Schulleiterin Dr. Brigitte Kern-Veits denn auch mit der Ankündigung, die Abschlusszeugnisse nicht unterschreiben zu wollen: "Euch möchte ich dabehalten!"