Dreh- und Angelpunkt einer Nutzung der historischen Häuserzeile an der Reutlinger Oberamteistraße ist das Eckgrundstück zur Spendhausstraße. Darüber sind sich Vorstand und Beirat des Altstadtfreundeskreises (AFK) einig. Vorsitzender Dirk Strähle wünscht sich eine rasche Weichenstellung für den Neubau, der für eine statische Stabilisierung der denkmalgeschützten Gebäude und deren Erschließung erforderlich ist.

Dass die historische Häuserzeile erhalten werden muss, steht für die Altstadtfreunde außer Frage. Prof. Roland Wolf betonte, dass diese Aufgabe ganz oben stehe. Die denkmalgerechte Sanierung würde nach den Worten des Geschichtsvereinsvorsitzenden das gesamte Stadtviertel aufwerten. Für Bauhistoriker Tilmann Marstaller stellen diese einzigartigen Gebäude dar, "was Reutlingen ausmacht". "Wir müssen die historische Chance wahrnehmen, diese Zeugnisse der Vergangenheit für Reutlingens Zukunft zu nutzen", ergänzte Stadtrat Hagen Kluck beim jüngsten Treffen des Vereins.

"Für diesen Neubau sollte man so schnell wie möglich die baurechtlichen Voraussetzungen schaffen", betonte Strähle bei der Zusammenkunft im Café Sommer. Das Eckhaus von Oberamtei- und Spendhausstraße könnte im Erdgeschoss einen Veranstaltungsraum für rund 80 Personen samt Relaisküche und sanitären Anlagen aufnehmen.

Gerade in diesem Größenbereich herrsche in Reutlingen ein echter Mangel an Tagungsmöglichkeiten. In den Gaststätten gebe es kaum noch Nebenzimmer und die in öffentlichen Gebäuden angebotenen Räume seien meistens zu groß für "normale" Veranstaltungen von Vereinen, Verbänden, Initiativen und kommunalpolitischen Gruppierungen. Auch das Heimatmuseum und die Volkshochschule, beide in unmittelbarer Nachbarschaft gelegen, könnten diesen Veranstaltungsraum regelmäßig nutzen. Hier könne also dem Bedürfnis nach einem "Bürgerhaus" idealerweise Rechnung getragen werden.

Das künftige Eckhaus müsste auch den Eingangsbereich für die Häuser Oberamteistraße 30/32 und 28 aufnehmen. Für die oberen Stockwerke schlug Stadträtin Regine Vohrer eine gewerbliche Nutzung vor, um zur Refinanzierung der Sanierungskosten beizutragen.

Die müssen dabei gar nicht ins Uferlose steigen. "Je weniger ich von einem Haus will, desto überschaubarer sind auch die Kosten", erinnerte Andreas Vogt an eine alte Bau-Weisheit. Man stimmte in der Einschätzung überein, dass eine Wohn- und Büro-Nutzung in den historischen Häusern selber wegen der Statik, der kaum zu erreichenden Wärmedämmung und der Erdbeben- und Brandschutzvorschriften kaum möglich sein werde. Die Häuser seien ein Museum für sich. Für den dringenden Erweiterungsbedarf des Heimatmuseums sei allenfalls im Erdgeschoss Platz.

Der Altstadt-Freundeskreis hält es für unabdingbar, bei allen weiteren Planungen frühzeitig die Bürgerschaft mit einzubeziehen. Dazu will der Verein nach den Worten von Bernhard Wilke auch in seinem künftigen Internet-Auftritt Gelegenheit geben.

Als nächsten Schritt steuert man nun eine Visualisierung von Grobplanungen des Eckhauses an. "Dann sieht man deutlicher, was hier alles möglich wäre", betont Dirk Strähle. Zusammen mit der denkmalgerecht sanierten historischen Häuserzeile werde hier ein neuer Anziehungspunkt entstehen, der die Oberamteistraße und die gesamte Reutlinger Altstadt attraktiver mache.