Reutlingen Schönfärben und Schwarzmalen

Zur Eröffnung der Gedok-Jahresausstellung im Reutlinger Rathausfoyer waren sieben der elf vertretenen Künstlerinnen gekommen - hier ein Gruppenfoto vor Tanja Niederfelds großformatigem Gemälde "Mädchen" mit (von links) Renate Quast, Margarete List, Gabriele Roever, Tanja Niederfeld, Xenia Muscat, Uta Albek und Margret Berger.
Zur Eröffnung der Gedok-Jahresausstellung im Reutlinger Rathausfoyer waren sieben der elf vertretenen Künstlerinnen gekommen - hier ein Gruppenfoto vor Tanja Niederfelds großformatigem Gemälde "Mädchen" mit (von links) Renate Quast, Margarete List, Gabriele Roever, Tanja Niederfeld, Xenia Muscat, Uta Albek und Margret Berger. © Foto: Ulrike Franz
Reutlingen / ULRIKE FRANZ 15.10.2014
Ein schillerndes Motto: "Schönfärben & Schwarzmalen". Elf Künstlerinnen zeigen bei der Gedok-Jahresausstellung im Rathaus Arbeiten zum Thema. Multimedial, in Zeichnung, Grafik, Malerei und Fotografie.

Die Idee für den vieldeutigen Titel dieser Ausstellung der Künstlerinnenvereinigung Gedok hat etwas mit der Reutlinger Geschichte zu tun - das ja einst ein ausgeprägter Standort der Textilindustrie war. Abwechslungsreich gefärbt war zu diesen alten Zeiten auch die Echaz: Mehrmals täglich wechselte sie oft ihren Farbton.

Intensive Recherchen im Landesarchiv Baden-Württemberg, im Industriemagazin und in alten Musterbüchern gingen den künstlerischen Arbeiten voraus. Der zweite Teil dieser umfangreichen und wie fast immer, jurierten Gedok-Jahresschau, wird erst am 12. November im Spitalhof eröffnet. Jetzt, bei der Vernissage des ersten Teils, beeindruckte die Sopranistin Anne Munding mit ihrem spontanen Solo-Vortrag, denn ihre Begleitung, die Gitarristin Bettina Gajewski, war krankheitshalber ausgefallen.

Kunsthistorikerin Jutta Fischer schlug in ihrer kenntnisreichen Einführungsrede einen Bogen der Geschichte aller textilbezogenen künstlerischen Arbeiten: von den prae-kolumbianischen Kulturen Südamerikas bis zu Konzeptkünstlerinnen wie Eva Hesse, Rosemarie Trockel oder Louise Bourgeois.

Zum einen Aspekt der Ausstellung, "Schwarzmalerei", fielen Vergleiche mit Rembrandt, Goya bis Ad Reinhardt, der mit seinen "ultimative paintings" alle Farben im Schwarz sammelte und damit den Endpunkt der Malerei zu erreichen glaubte, oder Arnulf Rainer mit seinen düsteren Übermalungen.

"Schönfärben" wiederum, der andere Themenaspekt, bezieht sich auf die eher feinen, edlen Stoffe, Schwarzfärben auf die totale Reduktion. In all ihrer Bedeutungsvielfalt werden die Begriffe "Schönfärben" und "Schwarzmalen" in dieser Werkübersicht ausgelotet - und dies in den verschiedensten Medien wie Malerei, Collagen, Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie.

Warum zwei Ausstellungen? Auch in diesem Jahr machte die Jahresschau aus der Not eine Tugend und unterteilte das Unternehmen in zwei zeitlich sich überlappende Ausstellungen, in der insgesamt 26 Künstlerinnen vertreten sind.

Der mittelalterliche Spitalhofsaal, seit jeher Heimat der Gedok-Jahresausstellungen, ist für Bildende Kunst weniger geeignet. Die schwierige Beleuchtungs-Situation ermöglicht nur eine Präsentation von kleinteiligen Arbeiten wie Keramik, Schmuck oder Glas. Längst überfällig ist die Aufhebung der althergebrachten Trennung zwischen Kunsthandwerk und Kunst - eine größere Ausstellungsfläche, die alle Sparten unter einem Dach vereinigt, wäre unbedingt wünschenswert. Die Künstlerinnen-Vereinigung Gedok will bekanntlich mit ihren Ausstellungen den Austausch, die Kontakte, die Sensibilisierung für die Kultur fördern. So appellierte die Erste Vorsitzende der Reutlinger Gedok, Agnete Bauer-Ratzel, eindringlich an den Verwaltungsausschuss und die anwesenden Gemeinderäte: "Sorgt für den Ausbau der Museen, die Verbesserung der Ausstellungsmöglichkeiten!"

Dabei unterstrich die frühere Gemeinderätin auch den Stellenwert des Runden Tischs Kultur in dieser Stadt. Im Jahr 2015 wird die Reutlinger Gedok Gastgeberin für die Bundestagung der 26 deutschen Gruppen der Vereinigung sein, ein "organisatorischer Gewaltakt, eine Herausforderung und Chance zugleich", so Bauer-Ratzel.

Die Gedok-Vorsitzende dankte insbesondere dem Kunstmuseum, repräsentiert durch den stellvertretenden Museumsleiter Dr. Ralf Gottschlich, für die Unterstützung dieses Projektes. Die sehr zahlreich erschienenen Gäste machten einmal mehr das allgemeine Interesse an dieser farbenfrohen Veranstaltung deutlich.

Daten zur Gedok-Jahresausstellung: Dauer, Öffnungszeiten

"Schönfärben & Schwarzmalen" Ausstellung der Künstlerinnen-Vereinigung Gedok im Reutlinger Rathaus, Eingangshalle. Bis 9. Januar 2015. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr. Gezeigt werden Arbeiten von elf Künstlerinnen: Uta Albeck, Margret Berger, Petra Blum-Jelinek, Maria Heyer-Loos, Gisela List, Margarete List, Xenia Muscat, Tanja Niederfeld, Renate Quast, Gabriele Roever und Gabriele Sieber.

Eine zweite Gedok-Ausstellung folgt am 12. November im Spitalhof.

SWP