Die Stadt Reutlingen, räumt Stadtrat Thomas Ziegler ein, habe zwar eine Wohnbauoffensive, aber das sei lediglich ein "allgemeines Konzept", den Linken hingegen gehe es um "preiswerten Wohnraum". Deshalb solle die Stadt ein Konzept für den sozialen Wohnungsbau beschließen und dabei, ergänzt Stadträtin Jessica Tatti, die GWG als "politisches Handlungsinstrument" einsetzen. Schließlich komme der GWG als Tochterunternehmen der Stadt eine gesellschaftliche Aufgabe zu, für deren Erfüllung die Verpflichtung durch die Stadt erforderlich sei. Es solle, so Tatti, geprüft werden, welche innenstadtnahen Flächen dafür geeignet sind, denn es bestehe in dieser Hinsicht "dringender Bedarf".

In einem zweiten Antrag geht es um die Sicherung von bezahlbarem Wohnraum und um rechtliche Rahmenbedingungen. Achim Müller vom entsprechenden Arbeitskreis der Linken will hier "schnell Effekte erzielen". Der soziale Wohnungsbau müsse aus dem "Koma reanimiert" werden. Grundgedanke sei, dass man dieses Thema nicht dem freien Markt überlassen dürfe, sondern, dass der Staat hier regulierend tätig werden müsse.

Müller sieht das Ganze als "Prüfungsaufträge". Er möchte Instrumente, die gegen die Verknappung von preiswertem Wohnraum sowie den Anstieg von Mieten eingesetzt werden können. Außerdem spricht er sich für ein Zweckentfremdungsverbot aus, will eine Erhaltungssatzung nach dem Baugesetzbuch für die Oststadt und die Tübinger Vorstadt, ein Regelwerk über sozialverträgliche Bodennutzung und einen qualifizierten Mietspiegel, der rechtlich für die Mieter von größerer Bedeutung sei, als der in Reutlingen bislang geltende einfache Mietspiegel. Da jedes Jahr mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, als neue Sozialwohnungen entstehen, möchte Müller Auskunft haben, wie viele das denn eigentlich sind.

Weil das Problem Sozialwohnungen und der zunehmende Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge ineinander greifen, wünscht sich in diesem Zusammenhang Müllers Arbeitskreis-Kollegin Anita Arndt eine engere Kooperation von Stadt und Landkreis, um diesen Bedarf zu befriedigen, ansonsten, so Jessica Tatti, verkomme das Wort von der "Willkommenskultur" zur Hülse.

Da die Stadt beabsichtigt, das erste und zweite Obergeschoss der ehemaligen Ypernkaserne für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen herzurichten, wollen die Linken wissen, welche Planungen, insbesondere bei den Gebäuden Ringelbachstraße 183 und 195, es seitens der Stadt gebe. Fakt sei, so Tatti, dass das Yperngelände "leer und verwahrlost" sei, ein Zustand, den man nicht hinnehmen könne. "Das ist ja eine Gespensterstadt."

Schließlich möchte Kreisrätin Petra Braun-Seitz nach dem Motto "Öffentliche Sitzung statt Klausurtagung" in der Flüchtlingsfrage mehr Transparenz, weil noch zu viele Informationsdefizite vorherrschten. Das Thema soll im Fachausschuss und im Kreistag behandelt werden, um ungeklärte Fragen zu beleuchten, zum Beispiel müssten auch die Bedingungen am Standort Carl-Zeiss-Straße hinterfragt werden.