Reutlingen Schnäppchenjäger drängen sich auf Bücherflohmarkt

Großer Ansturm herrschte beim Bücherflohmarkt der Stadtbibliothek am Samstag. Foto: Jan Zawadil
Großer Ansturm herrschte beim Bücherflohmarkt der Stadtbibliothek am Samstag. Foto: Jan Zawadil
JAN ZAWADIL 13.08.2012
Der Bestand der Stadtbibliothek umfasst 320 000 Medien. Ständig wird da zugekauft und ergänzt. Die aussortierten Exemplare landen hingegen auf dem Bücherflohmarkt - so wie am Samstag.

Auf den Bücherflohmärkten der Stadtbibliothek lassen sich zweifelsohne jede Menge Schnäppchen machen. Doch wer zu spät kommt, hat möglicherweise das Nachsehen. Schließlich sind Bücherwürmer eine aufgeweckte Spezies. Am Samstag war dementsprechend schon um kurz nach 10 Uhr kaum mehr ein Durchkommen an den Verkaufstischen möglich. Schließlich wollten sich viele noch mit Reiselektüre, Sach-, Hörbüchern oder schlicht Unterhaltsamem versorgen.

Drei bis vier Mal im Jahr gibt es hauseigene Flohmärkte. "Die Leute wollen sich jetzt noch mit Lesestoff für den Strand eindecken", erklärt Bibliotheksleiterin Christa Gmelch den nach wie vor ungebrochenen Zuspruch. Wobei da oftmals ganz gezielt gesucht und nicht auf gut Glück gestöbert würde.

Material für die Flohmärkte gibt es dabei aber immer wieder genügend. Denn jährlich werden, wie Gmelch erzählt, zwischen 24 000 und 30 000 Medien aussortiert. Die Kriterien, um auf dem Bücherflohmarkt zu landen, sind für die Werke unerbittlich.

Schließlich erfasst eine Statistik, welche Bücher wann und wie oft ausgeliehen werden. Und manch eines schafft es da eben nicht mehr aus den Regalen und muss aktuelleren Druckprodukten Platz machen. Trotzdem steht nicht alles, was nicht mehr gefragt ist, gleich zum Verkauf. Handelt es sich beispielsweise um ältere Bestseller, würden diese, so Gmelch weiter, ins Magazin umgelagert, Dort stehen rund 48 000 Werke, die aber nach wie ausgeliehen werden können.

Trotz der E-Books sieht die Stadtbibliotheksleiterin die Zukunft des Buches sowie der Bücherflohmärkte nicht in Gefahr. Denn für sie gilt: "Das Buch ist ein Kulturgut." Und das gedruckte Werk werde es auch in Zukunft immer geben, ist sich Gmelch sicher. Auch wenn die E-Books im Bestand der Bibliothek ebenfalls zugenommen hätten und es derzeit rund 8900 abrufbare Angeboten gibt.

Und was passiert mit den Büchern, Magazinen oder Comics, die nicht unmittelbar den Weg aus der Bibliothek via Flohmarkt in einen neuen Haushalt schaffen? "Die bekommen zunächst drei bis vier Chancen", erzählt die Leiterin der Reutlinger Stadtbibliothek weiter. Sollte sich dann immer noch kein Leser für dieses Medium entschieden haben, landet es aber nicht im Altpapier, sondern im Sondermüll - und das allein wegen des bibliothekseigenen Einbands aus Kunststoff-Folie.