„Ich habe vormittags bei  ‚Leader‘ in Münsingen angerufen – und schon am Nachmittag bekam ich Besuch von Frau Markwardt.“ So beschreibt Gastwirt Jochen Etter seinen ersten Schritt, um EU-Fördermittel für die dringende Modernisierung seines Betriebs beim Schloss Lichtenstein zu bekommen.

Recht unbürokratisch und in enger Zusammenarbeit mit Elisabeth Markwardt, der Regionalmanagerin von „Leader – Mittlere Alb“, ging es voran. Und eigentlich wären die Bauarbeiter bereits vor Ort, doch auch hier verlangsamt Corona das mit EU-Mitteln unterstützte Vorhaben am Fuße des Märchenschlosses oberhalb von Honau.

EU übernimmt Drittel der Kosten

Wenn die Europäische Union kleinere Projekte zwischen Malta und Finnland finanziell unterstützt, wollen die Abgeordneten gerne erfahren, wie das Geld vor Ort umgesetzt wird. Deshalb besuchte der EU-Parlamentarier Norbert Lins die Schloss-Schenke. Wegen des riesigen Touristen-Andrangs, vor allem auch in Richtung stilles Örtchen, muss die Gaststätte dringend umgebaut werden. Das wird rund 300 000 Euro kosten, Brüssel beteiligt sich mit 100 000 Euro.

Der 42-jährige CDU-Politiker Norbert Lins, ein gebürtiger Oberschwabe, wurde 2014 ins Europa-Parlament gewählt, wo er dem konservativ-bürgerlichen Bündnis der Europäischen Volkspartei (EVP) angehört. Sein Beritt ist die gesamte Raumschaft des Regierungsbezirks Tübingen.  Zusammen mit dem CDU-Kreisvorsitzenden Manuel Hailfinger war er am Freitag auf Tour. Die „Schlossschenke Lichtenstein“, so ihr angestammter Name, hat es mit einem großen Touristenaufkommen zu tun, mit Besuchern aus ganz Europa, Asien und Amerika. Hinzu kommen zahlreiche Wanderer. Die stehen nicht selten in Schlangen vor den kostenfrei nutzbaren sanitären Anlagen. Das „kostenfrei“ soll bleiben, die Einrichtung jedoch wird vergrößert, modernisiert – und barrierefrei.

Entwicklung aktiv mitgestalten

Unterstützt werden die Gastgeber, die Wirte Jochen und sein Sohn Thomas Etter, auch weiterhin von Elisabeth Markwardt. Das Programm Leader ermöglicht es regionalen Akteuren, die Entwicklung ihrer Region aktiv mitzugestalten. Für die Umsetzung des Programms hatten Vereine, Verbände, Kommunen und Institutionen den Verein „Leader-Aktionsgruppe Mittlere Alb“ gegründet. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 18 solcher Bündnisse.
Die Initiative kümmert sich vor allem um die Stärkung und Weiterentwicklung ländlicher Räume. Da traf es sich natürlich gut, dass der Besuch aus Brüssel, Norbert Lins, dort seit 2019 auch Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung ist.
Mit von der Partie war bei der Stippvisite Dr. Uwe Schloßer von der IHK, der den EU-Politiker zuvor über das Thermografie-Projekt in Sonnenbühl informierte. Später ging’s zum Umweltbildungszentrum Listhof in Reutlingen, das seit jüngstem eine offizielle Infostelle des Geoparks Schwäbische Alb ist.
Beim Umbau der Gastwirt-
schaft bei Schloss Lichtenstein gibt es nun auch einen weiteren Anbau, „und so können wir auch unsere Fotovoltaik-Anlage vergrößern“, erläuterte Jochen Etter. Mehr Lagerflächen und eine neue Spülküche müssen her, ein neuer Aufenthaltsraum für das Personal – samt Duschen – ist nun auch drin.

Kurze Wege von Hof bis Gabel

Thomas Etter, der vor fünf Jahren in die Geschäftsführung einstieg, fand mit dem EU-Parlamentarier Norbert Lins einen weiteren Verbündeten in Sachen Regionalität bei der Fleischbeschaffung und  Verarbeitung. Kurze Wege sollen es zwischen Bauernhof und der Gabel sein, mit der das Steak letztlich verzehrt wird; „Farm to Fork“ heißt demnach diese Strategie der EU-Kommission.

So begrüßte Norbert Lins, dessen Vater übrigens Fleischkontrolleur war, die Anstrengungen von Thomas Etter, mit  Viehproduzenten ganz in der Nähe des Märchenschlosses ins Geschäft zu kommen. Und mit Fleisch kennt sich auch der 27-jährige Etter bestens aus: Mit 19 Jahren war er seinerzeit nicht nur der jüngste Metzgermeister Deutschlands, sondern auch der mit dem bundesweit besten Zeugnis.