Eningen Schlaflos zurück ins Basislager

Von Evelyn Rupprecht 06.10.2018

Lagerfeuer-Romantik sieht anders aus – zumindest auf den ersten Blick. 30 Dixi-Klos, 20 Kunststoff-Duschkabinen, ein riesiges Festzelt, ein perfekt durchorganisierter Großparkplatz und der Lkw einer Kanalreinigungsfirma stehen auf der Eninger Weide dicht an dicht. Gleich daneben allerdings weht ein Hauch von Abenteuer über das Naherholungsgebiet. Pfadfinder mit voll gepackten Rucksäcken pilgern über die Wiese, der Duft von Gegrilltem liegt in der leicht vernebelten Luft. Während die einen ihre Zelte noch aufbauen, liegen die anderen schon im Gras, ruhen sich aus – und bereiten sich körperlich und mental auf den Wettkampf vor. Denn die knapp 1300 Pfadfinder, die seit Freitag hoch über Eningen campieren sind nicht – oder zumindest nicht nur – zum Spaß hier. Fast alle von ihnen nehmen am Ironscout 2018 teil. Und die, die nicht selbst auf die Strecke gehen, um zu gewinnen, haben als Helfer alle Hände voll zu tun.

Christin Beck vom Stamm Eningen der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg ist die Ruhe selbst. Die Sprecherin des achtköpfigen Organisationsteams könnte kaum gelassener sein – was angesichts der Mammut-Aufgabe „Ironscout“, die sie und ihre Mitstreiter zu stemmen haben, schon erstaunlich ist. 130 Läufergruppen mit vier bis acht Personen treffen nach und nach ein. Sie kommen aus fast allen Bundesländern. „Manche haben eine Anreise von acht Stunden“, weiß Christin Beck.

Unter anderem aus Hamburg, Dortmund, Hannover und Leipzig stammen die Pfadfinder, die sich einiges vorgenommen haben für dieses  Wochenende. Innerhalb von 22 Stunden müssen sie so viele der 15 bemannten und elf unbemannten Stationen ansteuern wie möglich und dort teils auch noch schwierige Aufgaben lösen. Zwischen Degerschlacht, Pfullingen, Hülben und Kohlstetten werden sie von den Stations-Teams erwartet. Fürs Schlafen bleibt da kaum Zeit, maximal ein kurzes Päuschen können sich die Mannschaften gönnen, wenn sie tatsächlich am Ende unter den Erstplatzierten landen wollen.

Warum die Pfadfinder sich den Stress antun? „Manche wollen einfach nur dabei sein, andere unbedingt gewinnen“, sagt Christin Beck. „Es geht hier um Grenzerfahrungen, aber auch darum, in der Natur unterwegs zu sein. Vielen ist das Gemeinschaftsgefühl wichtig. Das alles hier ist eben einmalig“, meint sie mit Blick auf das Basislager, in dem die Eninger Pfadfinder nicht nur ein Essens- und ein Festzelt, sondern auch jede Menge Schlafzelte aufgestellt haben, weil nicht alle Teilnehmer mit einem eigenen Dach über dem Kopf anreisen.

Seit zwei Jahren wissen die Eninger, dass sie den Ironscout 2018 ausrichten dürfen, den sie über die Start-Gebühren, aber auch über Sponsoren finanzieren. Seit eineinhalb Jahren laufen die Vorbereitungen. „Schließlich mussten wir im Vorfeld jede Menge Genehmigungen einholen“, erklärt die Sprecherin des Organisations-Teams, das auf jede Menge Unterstützung vom gesamten Stamm Eningen bauen kann. Selbst die Eltern arbeiten mit. Die Mütter zum Beispiel kochen, sie machen Maultaschen und Kässpätzle für die Helfer, die an diesem Wochenende im Dauereinsatz sind – sei’s im Anmeldebereich, sei’s bei der Vergabe der Teilnehmer-Bändchen oder als Parkplatz-Einweiser.

Von Freitag- bis Samstagnachmittag freilich sind die Iron­scout-Teilnehmer draußen auf der Strecke. Dann dürfte es ruhig werden im Basislager – bis alle zurück sind und die Siegerehrung ansteht. Danach bewirtet im Festzelt ein Caterer, eine Band spielt und die Party geht ab. Vorausgesetzt die Pfadfinder, die 22 Stunden lang ohne Schlaf ihren Iron­scout absolviert haben, sind dann nicht zu erschöpft, um noch zu feiern.

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