Degerschlacht. M Schlachthaus als Zankapfel

Die künftige Saunafachkraft Olga Strawonitz (Andrea Seifert) stellt sich schon mal mental auf ihren neuen Job ein und verblüfft durch die Art und Weise Schreinermeister Bernd und seinen Lehrling. Foto: Jan Zawadil
Die künftige Saunafachkraft Olga Strawonitz (Andrea Seifert) stellt sich schon mal mental auf ihren neuen Job ein und verblüfft durch die Art und Weise Schreinermeister Bernd und seinen Lehrling. Foto: Jan Zawadil
Degerschlacht. M / JAN ZAWADIL 26.03.2012
Ein leerstehendes Schlachthaus, die Pläne für eine Sauna und die Einrichtung eines Vesperstübles sind der Stoff aus dem die Theaterträume der Eulazwicker waren. Das Publikum war durchweg amüsiert.

ehr Attraktivität wünscht sich wohl jeder kleine Ort. Doch wenn, wie im diesjährigen Theaterstück der Eulazwicker "Die Spezialitätensauna", ein altes Schlachthaus zum Zankapfel verschiedener Interessen wird, dann geht es auf der Bühne schon mal rund. So geschehen am Wochenende. Denn die Theatergruppe des Gesangvereins Eintracht hatte sich an die Komödie in drei Akten von Joachim Herm gewagt und letztlich gewonnen. Schließlich waren die drei Vorstellungen nicht nur bestens besucht, den Theaterliebhabern wurde auch ein schrulliges Stück präsentiert, das durchweg amüsierte.

Dabei drehte sich alles um ein altes, aufgelassenes Schlachthaus. In dem sollte nämlich nach dem Willen des Ortschaftsrats eine Sauna eingerichtet und damit mehr Schwung ins sonst so beschauliche Dorfleben gebracht werden. Ganz andere Pläne verfolgte hingegen der Metzgermeister Josef Fleischhauer, gespielt von Hans Rebmann, der im alten Gemäuer ein neues Geschäft samt Vesperstüble einrichten wollte. Doch weil beide Parteien trotz fehlender Genehmigung schon kräftig planten und umbauten, konnte das nur zu Verstrickungen führen.

Eine erste Besichtigung der Baustelle und damit der künftigen Sauna durch den Ortschaftsrat zeigte jedoch, wie verdruckt mancher dem Projekt gegenüberstand und wie wenig Ahnung vom Saunieren bis dato vorherrschte. So wunderte sich beispielsweise Schreinermeister Bernd, alias Thomas Schäfer, weshalb man in einer Sauna einen Ofen benötigt und ob die Fußbodenheizung nicht ausreichend sei. Außerdem würde der Ofen doch kaputtgehen und das Holz nicht brennen, wenn man über die Hitzequelle auch noch Wasser gießen würde.

Zu allerlei Klamauk kam es dann aber auch angesichts der Umkleiden. Denn für eine Geschlechtertrennung war kein Platz, stand doch nur ein kleines Räumle für Damen und Herren zur Verfügung. Damit nicht genug wurde eine Altersbegrenzung ironisch angedacht. Denn ab 40 Jahren dürfe manche Bürgerin nicht mehr in die Sauna - "wegen der Ästhetik". Ähnlich ging es deshalb weiter. Die Darsteller glänzten in ihren Rollen. So war es beispielsweise Ortsvorsteherin Gerlinde (Uschi Mühlinghaus), die als Gemeindeoberhaupt uneingeschränkte Autorität genoss und vom einzigen Mann des Rates, Georg, gespielt von Roland Wachendorfer, halb ehrfurchtsvoll, halb witzelnd mit "Euer Hoheit" angesprochen wurde.

Doch auch Schreinermeister Bernd, der auf Rätin Katrin (Ute Fleiner) flog, aber nicht wusste wie ers anpacken sollte, brachte den Charme des etwas verklemmten Dörflers auf den Punkt - genau wie dessen Lehrling Stefan (Matthias Bader), der es faustdick hinter den Ohren hatte und anstatt der Lieferservice-Pizzen lieber die Frauen des Ortes vernaschte.

Das Ende vom Lied war dann aber ein salomonisches Urteil der Ortsvorsteherin: Im alten Schlachthaus wurden nämlich sowohl Sauna als auch Metzgerei untergebracht, und auch die Katrin und der Bernd hatten sich am Ende noch bekommen.

Für Regisseurin Helga Niehoff war es bereits das 18. Stück, das sie mit den Eulazwickern einstudiert und nun aufgeführt hatte. Die Vorauswahl sei allerdings auch dieses Mal aus gut 20 Mehraktern erfolgt. Wobei eben "Die Spezialitätensauna" das Rennen für sich entschieden habe. Was laut Niehoff beim Publikum in diesem Jahr besonders gut angekommen sei, sei jedoch die erstmals geteilte Bühne gewesen. Denn: "Da hat sich auf beiden Seiten etwas getan."

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