Reutlingen / SWP  Uhr
Beim Scheibengipfeltunnel ist Methangas ausgetreten, weshalb derzeit kein Vortrieb im Haupttunnel möglich ist, so das Regierungspräsidium.

Mit dem bergmännischen Vortrieb des Scheibengipfeltunnels wurde im Oktober 2012 begonnen. In der Zwischenzeit wurden im Haupttunnel 544 Meter und im Rettungsstollen 450 Meter der Tunnel aufgefahren. Im Haupttunnel wird zunächst nur die "Kalotte", das sind zwei Drittel der Gesamtfläche von 100 Quadratmeter ausgebrochen. Im Rettungsstollen wird der gesamte Querschnitt (20 Quadratmeter aufgefahren.

Die letzten 120 Meter des Vortriebes im Haupttunnel verliefen durch die "Achalmstörungszone". Hier sind die Schichten des Braunjura Beta zum Braunjura Alpha zueinander verschoben. In dieser geologischen Störungszone treten auch vermehrt Klüfte auf. Derzeit befindet sich der Vortrieb im Übergangsbereich der beiden Braunjura-Formationen.

Über die Problematik Methangas beim Bau des Tunnels wurde mehrfach berichtet. Vor dem Ausbrechen des Gebirges werden Erkundungsbohrungen in das Gebirge hergestellt. Dadurch soll festgestellt werden, ob in dem Bereich eventuell aus Klüften Methangas austritt. Bei den bereits aufgefahrenen Tunnelstrecken war bisher nur ein Alarm im Rettungsstollen, der zu einer etwa einstündigen Unterbrechung geführt hat, zu verzeichnen.

Seit Dienstag, 23. April, gibt es nun aus drei Erkundungsbohrungen im Haupttunnel Gasaustritte, so dass die Messgeräte direkt an der Ortsbrust Alarm gaben. Die Vortriebsarbeiten im Haupttunnel wurden daraufhin aus Sicherheitsgründen eingestellt. Der Vortrieb im Rettungsstollen läuft jedoch weiter.

Die Gaskonzentration wird seither ständig gemessen und dokumentiert. Derzeit tritt nur noch aus einer Erkundungsbohrung Gas aus, die beiden anderen sind "ausgegast". Zur Beherrschung der Gasproblematik wurde vom Regierungspräsidium bereits im vergangenen Jahr die Fachfirma DMT Bergbauservice und Wettertechnik aus Essen zur Beratung und Erstellung eines Lüftungskonzeptes beauftragt. Die Fachleute des Bergbauwesens waren vergangene Woche auch vor Ort. Aus der bisherigen Abnahme des Gaszustromes aus den Erkundungsbohrungen kann davon ausgegangen werden, dass der Zustrom in Kürze wieder ganz aufhört.

Um dies zu forcieren, sollen zunächst weitere Erkundungsbohrungen gemacht werden. Dies ist möglich, da im gesamten Tunnelbereich, ausgenommen des vorderen Bereiches, kein Gas nachweisbar ist. Zur Herstellung der Erkundungsbohrungen wird durch zusätzliche Lüftungsmaßnahmen (mobile Lüfter) auch an der Ortsbrust ständig gewährleistet, dass die zulässigen Grenzwerte der Methangaskonzentration nicht überschritten werden.

Die Sicherheit der Mineure und Arbeiter vor Ort hat oberste Priorität und ist Voraussetzung für alle weiteren Maßnahmen. Die Fortsetzung der Vortriebsarbeiten im Haupttunnel hängt von den Ergebnissen dieser zusätzlichen Erkundungsbohrungen sowie einer Gasanalyse ab. Eine kurzfristige Wiederaufnahme der Vortriebsarbeiten ist zu erwarten.