Reutlingen Scheibengipfeltunnel: Die 1000-Meter-Marke ist geschafft

Reutlingen / RALPH BAUSINGER 21.08.2013
Am Wochenende haben die Mineure die 1000-Meter-Marke im Scheibengipfeltunnel geschafft. Der Durchbruch wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr erfolgen. Und auch am Südportal gehts zügig voran.

Die Mineure sind seit dem Tunnelanschlag im Oktober gut vorangekommen. Die 1000-Meter-Marke (von insgesamt 1620 Metern) wurde am Wochenende erreicht. Heute werden die Tunnelspezialisten sich 1022 Meter durch den Haupttunnel gegraben und gesprengt haben, im kleineren Rettungsstollen sind es immerhin schon 945 Meter, wie Bauleiter Tobias Heinzelmann sagt. "Wir liegen gut im Zeitplan", erklärt Heinzelmann. Und wenn auf den restlichen 600 Metern alles wie geplant läuft, werden die Mineure im Frühjahr 2014 am Südportal durchbrechen.

Inzwischen haben die Tunnelbauer die Wohnbebauung am Schönen Weg erreicht, sind bereits unter dem ersten Haus durchgefahren. Probleme habe es bisher keine gegeben, sagt Heinzelmann. Auch wenn zwischen 22 und 6 Uhr mit Rücksicht auf die Nachtruhe der Anwohner nicht mehr gesprengt darf, gibt es nach wie vor drei bis vier "Abschläge" pro Tag, bei denen jeweils eine 1,80 Meter breite Scheibe aus dem Felsgestein gesprengt wird.

Das Vorgehen ist dabei stets gleich: Zunächst bohren die Mineure mit ihrem Bohrwagen 60 bis 70 Sprenglöcher mit einer Tiefe von 1,80 Meter, die dann mit einer Sprengpatrone aus Emulsionssprengstoff gefüllt und anschließend im Millisekundenbereich gezündet werden. Pro Sprengung werden zwischen 60 und 80 Kilogramm Emulsionssprengstoff verwendet. Anschließend wird das Gestein per Radlader zum Sammelplatz vor dem Nordportal gebracht - von dort aus geht der Aushub per Lastwagen zur Eninger Deponie Renkenberg. Derzeit gebe es auch, so Heinzelmann, keine Probleme mit austretendem Methangas.

Der Hagelsturm vom 28. Juli, als Äste und Blätter die Baustelle verschmutzt hatten, konnte die Arbeiten nur kurz verzögern. So geht es nicht nur im Tunnel, sondern auch am Südportal zügig voran, wo insgesamt 240 Meter Tunnel in offener Bauweise entstehen. Die ersten sechs Gewölbeblöcke, die bis zur Behelfsbrücke reichen und eine Länge von jeweils zehn Metern haben, sind inzwischen betoniert, derzeit wird an den Portalblöcken gearbeitet, die den Tunneleingang an der Südseite bilden.

Fortschritte lassen sich auch am Betriebs- und Ventilatorengebäude erkennen, das zweite Untergeschoss ist fertiggestellt, im Moment werden die Wände des ersten Untergeschosses eingeschalt und betoniert. Die Rohbauarbeiten am 40 Meter langen, 18 Meter breiten und elf Meter hohen Gebäudes sollen, sagt Heinzelmann, noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Arbeiten auf der großen Baustelle bei der Firma Schradin sind ebenfalls vorangeschritten. Neben den Arbeiten an den Spundwänden, die bereits vor einigen Wochen abgeschlossen worden, haben die Arbeiter jetzt auch die Untergeschosse des Pumpwerks großen teils fertiggestellt. Ebenfalls verlegt sind die beiden Regenüberlaufbecken vor dem Pumpwerkgebäude. Dabei handelt es sich um zwei 15 Meter lange Stahlbetonrohre mit einem Durchmesser von zwei Meter. Derzeit laufen, wie Diplom-Ingenieur Harald Böttiger ausführt, die vorbereitenden Arbeiten für die Betonierung der Brückenwiderlager an der Westseite.

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