Alt, selten, von historischem Wert, dabei aber am besten originalverpackt und „unbespielt“, also noch nie auf Schienen unterwegs gewesen: So sollten bedeutende Sammlerstücke beschaffen sein. Dann zahlen Modellbahn-Enthusiasten dafür auch ordentlich Geld. Das weiß Gerhard Trumpf. Der  Trochtelfinger hat sich am Samstag auf den Weg nach Honau gemacht, genauer: nach Unterhausen. Denn auf dessen Gemarkung liegt der Bahnhof Honau, diese auf prächtige Weise restaurierte Haltestation im oberen Echaztal.

Das Gebäude im Besitz des „Fördervereins Bahnhof Honau“ hat den Rang eines Kulturdenkmals, wurde 1892 gebaut – und ist zu Beginn eines jeden Jahres das Mekka für Freunde von Modelleisenbahnen. Dort sind die „orthodoxen“ Sammler jedoch in der Minderzahl. Denn eingebettet in wunderschöne Landschaften, die Dioramen, verkehren die Loks mit ihren Wagen im besten Wortsinne als Gebrauchsgegenstände, die ihre Besitzer und das Publikum gleichermaßen begeistern. Freilich findet sich in großen Vitrinen gleich neben dem Bollerofen auch Museales, aber selbst die dort ausgestellten Exponate sind fahrbereit.

Wieder im Programm von Märklin ist beispielsweise der „Big Boy“, die „in echt“ größte Dampflokomotive der Welt. Den Augenschmaus – nun mit  Digital-Decoder, Sound-Generator und  Hochleistungsmotor mit Glockenanker und Schwungmasse im Kessel – gibt es für rund 650 Euro. Dieses Dampfross aus den USA, acht Achsen werden angetrieben, kostet Sammler, so denn aus früher Produktion stammend und gut erhalten, aber deutlich über 1500 Euro.

In den Weiten zwischen Chicago und der Westküste bei Portland verkehrte auch der orangefarbene „Northlander“, in den 70er-Jahren als Transeuropa-Express „TEE“ in der Schweiz und in den Niederlanden. Neu, digital wie analog betrieben, gibt es den Zug schon ab 600 Euro, für die ersten Modellbauexemplare, picobello in Schuss gehalten, seien mindestens 1300 Euro fällig, weiß  Gerhard Trumpf. Das „Krokodil“, das die Schweizer SSB einst am Gotthard betrieb, kostete um 1955 als Modell um die 50 Mark, was damals viel Geld war. Der Klassiker ist heute um die 2000 Euro wert.

Das ist Eisenbahnromantik pur: Dörfer, Industrieanlagen, Tunnels, bewaldete Berge, Bahnhofsanlagen – und selbst ein Volksfest mit Maibaum und hunderten Menschen en miniature, keine zwei Zentimeter hoch, erwarten die Besucher im historischen Bahnhofsgebäude. Die analoge Schauanlage „Tannau“ ist ebenso dabei wie die Szenerie „Mittenwald“, einem Diorama, in dem die Zugmaschinen analog wie digital unterwegs sind.

Europaweit bekannt ist die Anlage der Firma Brawa, gebaut und gepflegt von Buben und Mädchen der Sonderberufsschule Mariaberg. Deren Lehrer ist Klaus Beck, der Vorsitzende des Bahnhof-Fördervereins. Die Arbeit wurde im Auftrag der Traditionsfirma Brawa gemacht und hatte bereits Gastspiele auf der Spielwarenmesse in Nürnberg sowie in Wien, Leipzig und in Köln.

Viel Liebe zum Detail ist das Nonplusultra bei den Herstellern und bei den Modellbahn-Liebhabern. Aus feinsten, bemalten Haaren sind die Schilfpflanzen in der Landschaft, und nach ihrem Guss werden die Loks und Wagen auch weiterhin von Hand poliert. Viele Teile von früher sind ebenfalls handbemalt worden, so die Kesselringe der alten, großen Dampflokomotiven. Auch gab es vor 40 Jahren noch Schablonen für die Aufschriften. „Wobei die moderne Drucktechnik von heute natürlich überlegen ist“, weiß Thomas Staiger.

Er gehört ebenfalls zum Förderverein und rät Einsteigern zur Digitaltechnik. Die „Premium-Starterpakete“ umfassen bereits zwei Loks und bis zu acht Wagen, beinhalten Soundeffekte für die Züge, einen Trafo und ein Steuergerät. Wer so einsteigen möchte in den faszinierenden Modellbau-Kosmos sollte um die 1000 Euro dafür bereithalten. „Die Spur H0 ist weiter Standard und am meisten verbreitet“, so Staiger.

Und was tun, wenn die guten Stücke einmal schwächeln? Nach rund 50 Jahren Betrieb ist das ja nun wirklich nicht außergewöhnlich. Die Besitzer solcher Lokomotiven können sich auch am kommenden Wochenende an die Spezialisten  des Fördervereins wenden. Die bieten einen Reparaturservice  an. Die „Klinik“ befindet sich am Fenster neben dem historischen Billettle-Schrank. „Operiert“ wird hauptsächlich wegen beschädigter oder abgefallener Haftreifen und verbogener Gestänge, abgenutzter Bürsten, sowie „Gefäßkrankheiten“ wie verharzten Getrieben. Die „Operationen“ gibt’s natürlich nicht auf „Krankenschein“, aber gegen eine  Spende an den Verein.

Weitere zwei Tage geöffnet


Am Samstag, 14.Januar und am Sonntag, 15. Januar, ist die Schau zwischen 11 und 17 Uhr erneut geöffnet. Dann ist auch eine alte Märklin-Anlage aus den 1950er Jahren zu sehen, auf der ein automatischer Mehrzugbetrieb läuft.