. "Ich hab vor drei Stunden das erste mal Schach gespielt, bekannte die neunjährige Sarah. "Und ich spiele schon seit acht Jahren", ließ der erst zwölfjährige Simon wissen. Mit einem durchaus breiten Leistungsspektrum hatte es Peter Nußbaum also zu tun, als er unlängst in der Uhlandschule an 13 Tischen Simultanschach spielte.

Das war Teil des Kinderferienprogramms. Und damit es ordentlich lehrreich werden würde, hatten Reinhold Schröder, der Vorsitzender der Schachfreunde Lichtenstein ist, und Spielleiter Alexander Rüger auch gleich eine Demonstrations-Tafel mitgebracht. An dieser können die Schachfiguren befestigt werden, um eine ganz bestimmte Problemstellung - samt deren Lösung aufzuzeigen. Und diesmal waren fast ebenso viele Mädchen dabei wie Jungs. Nußbaum hatte es vor einem Jahr schon mit dem Schachnachwuchs der Gemeinde zu tun, damals war nur ein Mädchen mit von der Partie.

Nun war Peter Nußbaum erneut im "Wettkampf" gefragt. Der Lichtensteiner Bürgermeister trat gleich nach seinem Amtsantritt 2011 den hiesigen Schachfreunden bei. "Und so es mir die Zeit erlaubt, spiele ich an den Wochenenden auch mit." In der Kreisklasse ist das, die jedoch geografisch recht weit gefasst ist. "Immerhin fahren wir zu Auswärtsspielen bis nach Herrenberg", erläutert Reinhold Schröder, dessen Verein 35 Mitglieder zählt.

Nußbaum selbst blickt auf eine recht untypische Schach-Karriere zurück. "Erst über einen französischen Austausch-Schüler fand ich Interesse am Spiel, da war ich aber schon 16 Jahre alt." Das Interesse der meisten Kinder wird heute spätestens mit Beginn der Schulzeit geweckt, wenn nicht zuvor schon die Eltern einen kleinen Schubs geben und zeigen, wie reizvoll es sein kann, sich einem so interessanten Denksport zuzuwenden - der eben praktisch keinen Zufall kennt, alles hängt vom Köpfchen und von einer guten Strategie ab.

Der Schultes geriet übrigens im Studium in eine Schach-AG, die ihn so begeisterte, dass er hartnäckig und mit viel Ausdauer an seinem Können arbeitete. Damals gab es noch keine dieser - zwar durchaus effektiven, aber eben doch - unpersönlichen Schachcomputer, mit denen sich ab den 90er Jahren viele Einzelkämpfer maßen. "Und dann war ich auf einmal bei den Deutschen Amateurmeisterschaften dabei", sagt Nußbaum, der für Göppingen einst in der Landesliga spielte.

Neben einer guten Portion Intelligenz bedarf es des strategischen Vorausdenkens, des Ahnens, was der Gegenüber so vor hat. Und zu vermitteln, dass dies eine Menge Freude bereiten kann, war Sinn und Zweck dieses überaus lehrreichen und lustigen Schachnachmittags.

Wobei es der "Profi" Nußbaum so leicht dann auch nicht hatte. Als geübter Simultanspieler hatte er die Sache zwar zumeist im Griff, aber es war nicht einfach, die schwarzen Bauern und Damen an 13 verschiedenen Tischen im Auge behalten. So sprang er von Brett zu Brett.

Die Kids jedenfalls hatten dabei natürlich sehr viel mehr Zeit zum Überlegen. Und das werden womöglich manche von ihnen auch tun, wenn es darum geht, vielleicht den Schachfreunden Lichtenstein beizutreten. Die schafften unlängst übrigens in der Liga eine echte Sensation. Eher im Mittelfeld der Tabelle angesiedelt, waren sie das einzige Team, das den jetzigen Aufsteiger Dettingen bezwang.