Reutlingen Sanierung oder Neubau?

Der Fußgängersteg am Oskar-Kalbfell-Platz ist marode, eine Sanierung würde mehr als eine Million Euro verschlingen. Noch in diesem Monat will der Gemeinderat über ein Zukunftskonzept entscheiden.
Der Fußgängersteg am Oskar-Kalbfell-Platz ist marode, eine Sanierung würde mehr als eine Million Euro verschlingen. Noch in diesem Monat will der Gemeinderat über ein Zukunftskonzept entscheiden. © Foto: Carola Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 07.07.2018

Eigentlich könnte schon längst ein neuer Fußgängersteg am Oskar-Kalbfell-Platz die B 312 überqueren. Denn bereits vor drei Jahren fasste der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss, die Verwaltung solle doch ein Planverfahren für den Bau eines neuen Steges einleiten. Danach passierte nichts mehr. Jetzt drängt die Zeit. Denn 2020 ist der Steg nicht mehr verkehrssicher und muss abgerissen werden, wie Arno Valin, Leiter des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, jetzt dem Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend erläuterte. Ob Neubau oder Sanierung, darüber gehen die Meinungen im Ausschuss auseinander. Noch vor der Sommerpause soll jetzt der Gemeinderat darüber beraten. Und möglichst Nägel mit Köpfen machen.

Nach wie vor fahren täglich rund 52 000 Fahrzeuge über den Oskar-Kalbfell-Platz. Das sind zwar durch die im vergangenen Herbst erfolgte Öffnung des Scheibengipfeltunnels 10 000 weniger als noch vor einem Jahr. Unterm Strich ändert dies allerdings nichts daran, dass dieser Knotenpunkt hoch frequentiert ist. Das gilt auch für den Fußgängersteg, den täglich tausende Schüler und Berufstätige nutzen, um den Oskar-Kalbfell-Platz zu queren.

Derweil ist der Steg in einem absolut maroden Zustand. Das größte Problem ist die Ableitung des Regenwassers, Querträgeranschlüsse sind korrodiert, in tragende Betonriegel floss tausalzhaltiges Wasser, die Bewehrungsstäbe im Bereich der tragenden Betonsäulen sind ebenfalls korrodiert, starke Korrosion zeigen sich ebenso an den Quer- und Hauptträgern. Die Liste ließe sich fortsetzen. „Eine Generalsanierung ist durchaus möglich, aber teuer“, betonte Arno Valin. Unter 1,1 Millionen Euro gehe gar nichts, die Kosten würden wohl eher noch weiter nach oben steigen, so seine Prognose. Die Kosten für einen Neubau variieren je nach Ausführung. Drei bis dreieinhalb Millionen Euro, wenn der Steg vom Vorplatz des Nordsternhauses aus am Vorplatz Stadthalle endet. Bei einem möglichen Endpunkt im Bereich der Freifläche vor dem Tübinger Tor steigen die Kosten laut Einschätzung der Stadt auf bis zu 4,5 Millionen Euro. Bürgermeisterin Ulrike Hotz sieht trotz der Neubau-Kosten eine Sanierung kritisch. „Konstruktive Schwächen gehen auch mit einer Sanierung nicht weg.“

Rainer Löffler (CDU) mahnte, „das Ganze jetzt endlich in Gang zu bringen“. Seine Fraktion unterstütze deshalb das ursprüngliche Vorhaben, ein interfraktioneller Antrag von CDU und SPD, einen Wettbewerb für einen neuen Steg zu initiieren. Susanne Müller (Grüne) zeigte sich verwundert darüber, dass man im vergangenen Jahr noch gesagt habe, der Steg sei nicht mehr sanierbar. „Jetzt ginge es also doch.“ Die Grünen-Fraktion spreche sich deshalb für eine Sanierung aus. Grundsätzlich sei darauf zu achten, dass der Steg nicht das Tübinger Tor verstelle, mahnte Müller.

Regine Vohrer (FDP) konnte sich gar nicht mit einem Neubau anfreunden und fragte in die Runde, weshalb man fünf Millionen Euro für einen Neubau ausgeben wolle, der dann gar nicht für Radfahrer konzipiert sei.

Schon seit Jahren beschäftigen sich Gemeinderat, Fraktionen und Ausschüsse immer wieder mit dem Fußgängersteg am Oskar-Kalbfell-Platz. Zahlreiche Anträge wurden schon eingereicht, die letzten von FWV und FDP im Sommer vergangenen Jahres bezüglich der Zukunft des Steges. Jetzt soll der Gemeinderat noch im Juli die Weichen für die Zukunft stellen.

Die Beschlüsse vom vergangenen Sommer

Im vergangenen Sommer fasste der Reutlinger Gemeinderat folgenden Beschluss bezüglich des Fußgängersteges: Das Planauswahlverfahren wird zurückgestellt und die Eröffnung des Scheibengipfeltunnels abgewartet. Nach Eröffnung der Reutlinger Ortsumfahrung am 27. Oktober sollen bis ins Frühjahr 2018 Verkehrszählungen gemacht und die dabei erhobenen Zahlen im Vergleich mit den bisherigen ausgewertet werden. Punkt vier sieht vor, die im Doppelhaushalt 2017/18 eingestellten Planungsmittel von insgesamt 350 000 Euro zu erhalten.

Dieser Zurückstellung hatte auch die CDU zugestimmt, die SPD, WiR und die Linken hatten sich für eine Fortsetzung des Verfahrens ausgesprochen. Die Grünen plädierten für einen Neubau (hatten ein paar Monate zuvor aber noch einen Antrag auf Sanierung eingereicht), konnten sich dann aber dem Prinzip „Abwarten“ von CDU und FWV anschließen.

Seit 1978 gibt es einen Fußgängersteg über die Konrad-Adenauer-Straße. Früher führte ein Teil noch bis direkt vors Tübinger Tor, dieser Teil wurde 2012 abgerissen.

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