In Sekundärliteratur und sogar im Stadtarchiv hatte sich Sabine Szabo über das Thema informiert und präsentierte die Geschichten spannend und lebendig. Gleich am Parkplatz auf dem Scheibengipfel wies sie auf das Keltengrab am Wasserspeicher hin und erinnerte an den Reutlinger Goldrausch in der Barockzeit.
1716 waren auf einem Acker „goldglänzende Steine“ gefunden worden, so dass man eine 136 Meter tiefe Mine anlegte, um die Goldader zu finden. „Gold entdeckte man keines, doch es trat ein Gas aus, das beim Entzünden eine bläuliche Flamme zeigte“, so die Stadtführerin. Damit habe man allerhand Späße getrieben, bis eine in Brand geratene Lampe schwere Verbrennungen bei einem Bergknappen verursachte.  Daraufhin sei die Mine geschlossen worden. „Übrigens wusste man durchaus, dass es sich beim Erz um Pyrit, Katzengold, handelte. Doch auch das hätte man, beispielsweise im Weinbau, gut gebrauchen können, wenn größere Vorkommen entdeckt worden wären.“

Achalm als Schreibunterlage

Stufenweise wanderte die Gruppe 180 Meter hoch zur Burgruine. Als der Mädlesfels in Sicht kam, erzählte Sabine Szabo die Geschichte eines Riesen der Vorzeit, der auf dem Fels saß und sich eine Frau wünschte. Mit der Achalm als Schreibunterlage verfasste er einen Brief an eine ferne Prinzessin. „Doch weil sich die Bergspitze durchs Papier drückte, fegte er sie herunter – der Scheibengipfel entstand.“ In Wirklichkeit gehe der Name aber wahrscheinlich auf die brennenden Wagenräder, „Scheiben“, zurück, die man in heidnischer Zeit zum Frühlingsfest habe den Hang hinunter rollen lassen.

Keltisches Wort für Bergfestung

Auch der Name Achalm selbst habe wohl im keltischen Wort für Bergfestung, „Achel“, seinen Ursprung. Geologisch betrachtet sei die Achalm ein „Zeugenberg“, der eigentlich zur Albhochfläche gehöre, später von dieser durch Erosion abgetrennt worden sei, aber bis heute davon zeuge, wie weit der Albtrauf gereicht habe.
Die Burg selbst sei um 1030 durch Egino aus einer in Dettingen im Ermstal ansässigen Adelsfamilie erbaut worden. „Es handelt sich wohl um die älteste Höhenburg in Süddeutschland“, so die Führerin. Eginos Bruder Rudolf übernahm später die Burg, seine Söhne gründeten unter anderem das Kloster Zwiefalten. Mit einer Fläche von rund 20 Ar, einer nachgewiesenen Vorburg, einem Palas, Zisternen, Stallungen, einem Eckturm und einem Bergfried sei Burg Achalm eine stattliche Anlage gewesen, besucht von zahlreichen Königen und Fürsten. „Doch Ende des 15. Jahrhunderts waren viele Dächer eingestürzt, nur der Vogt lebte noch hier“, erklärte Sabine Szabo. Der Dreißigjährige Krieg habe der Burg sozusagen den Rest gegeben. „Aber zwei Pudel bewachen den riesigen Achalmschatz, der nur von Menschen reinen Herzens geborgen werden kann.“ Offenbar in Ermangelung derselben befindet sich der Schatz noch immer dort.

Fantasie der Menschen angeregt

Eine goldene Kette liege rund um den Berg, angelegt durch den Keltengott Donar, dem eine Kultstätte geweiht gewesen sein soll. Später sorgten christliche Missionare dafür, dass sie durch eine Petruskapelle ersetzt wurde. Das Andachtsbild des Heiligen sei von der Kapelle nach Reutlingen gebracht worden, wo es in der Kirche St. Peter in den Weiden im Bereich des Friedhofs Unter den Linden eine neue Heimat fand.
Die Sagen zeigten, wie sehr die Achalm die Fantasie der Menschen anregte, die nach Erklärungen für Phänomene ihres Umfelds suchten.