Reutlingen Runder Tisch feiert zehnten Geburtstag

Beim Runden Tisch referierten (von links) Ralf Ehmann, Tanja Niederfeld und Reinhold Maas.
Beim Runden Tisch referierten (von links) Ralf Ehmann, Tanja Niederfeld und Reinhold Maas. © Foto: Kathrin Kipp
Reutlingen / KATHRIN KIPP 01.07.2016
Um Kunstalltag und Kunstmarkt ging es am Mittwoch beim Runden Tisch Kultur. Der feierte in der neuen Jazzlocation Pappelgarten zehnjähriges Bestehen.

Seit zehn Jahren sei der Runde Tisch „erfolgreich“, freute sich Kulturamtschef Dr. Werner Ströbele, – und immer gut besucht von Kulturtreibenden und Institutionen aller Sparten. Bei dem Treffen gehe es darum, sich über neue Trends auszutauschen, darüber, „wo was geht und wer was macht“ und schließlich auch darum, die Kulturnacht zu organisieren.

Immer wieder trifft sich das Netzwerk unter der Moderation von Edith Koschwitz in neuen Räumlichkeiten: Dieses Mal im „Pappelgarten“, dem Naturfreundehaus Römerschanze, das Tobias Festl und Markus Strempel zu Biergarten und Jazzlocation umgestaltet haben.

Seit einer Woche ist der Biergarten geöffnet, seit Februar laufen die Jazz-Events: „Hier wecken wir niemanden mehr auf von den Nachbarn“, denn die liegen alle schon selig auf dem Friedhof Römerschanze. Für die Veranstaltungen wurde der Verein www.themu-ev.de gegründet, geplant sind nicht nur Jazz-Konzerte, sondern auch Theater, Lesungen sowie kammermusikalische Projekte in Kooperation mit der Württembergischen Philharmonie. Den Saal kann man auch privat oder für andere kulturelle Aktionen mieten.

Einen Kultur-Saal zu vermieten haben in Zukunft wahrscheinlich auch die „Moo‘Spritzer“, die rührige Sondelfinger Theatergruppe, deren erste Vorsitzende Sabine Külschbach das Konzept für den Neubau als Proberaum und Spielstätte hinter der Mörike-Schule mit 160 Sitzplätzen vorstellte, der für Kunst, Theater und Musikevents, aber auch Jahreshauptversammlungen und Weihnachtsfeiern gemietet werden kann.

Rosemarie Henes vom Baff (Bildung, Aktion, Freizeit, Feste) verkündete, dass 2017 wieder das internationale Theater-, Musik- und Workshop-Festival „Kultur vom Rande“ stattfindet – vom 24. Juni bis 2. Juli in der ganzen Stadt. Dieses Mal mit dem Schwerpunkt Singen, weshalb alle, die gerne singen, aufgefordert sind, bei der großen Schlussveranstaltung auf dem Marktplatz mitzumachen, getreu dem Konzept: „Kultur für alle, ohne Ausnahme“.

Was es bedeutet, sich hauptberuflich mit Kunst zu beschäftigen, diskutierten die beiden Künstler Ralf Ehmann und Tanja Niederfeld sowie der Galerist Reinhold Maas. Ralf Ehmann ist Bildhauer und Maler, arbeitet unter anderem mit Marmor, Stein oder Bronze, engagiert sich beim Künstlerbund Tübingen und bei der „Neuordnung der Dinge“ (Titel seiner derzeitigen Ausstellung in der Tübinger Kulturhalle).

Tanja Niederfeld hat ihr Atelier in Betzingen und engagiert sich bei den Künstler(innen)-Initiativen Gedok und VBKW. In ihren Arbeiten lässt sie sich von der Schwäbischen Alb inspirieren, wo sie ihre Eindrücke sammelt und in Holz schneidet, um auf ihren Drucken aus Reduktion und Überlagerung neue „Räume und Gefühlsräume“ entstehen zu lassen. „Künstlerin sein ist ein Fulltimejob und verlangt viel Disziplin“, Kreativität muss man sich erarbeiten, meint die Holzschneiderin.

Reinhold Maas hat sich in seinen 22 Jahren als Galerist eine „wachsende Liste“ an Künstlern, Sammlern und Kunden erarbeitet. Auch regionale Kunstschaffende gehören zu seinem Programm. In seiner Galerie in der Gartenstraße ist derzeit Christian Wulffen ausgestellt. Das Alltagsgeschäft von Reinhold Maas ist es, eine Sammlergemeinde zu entwickeln, Ausstellungen zu organisieren, Museen und andere finanzkräftige Kunden für seine Künstler zu begeistern. Kommunen und Landkreise kaufen zwar auch, Kultur ist aber eine Freiwilligkeitsleistung, bei der bekanntlich immer als erstes gespart wird.

Der Kunstmarkt sei sehr vielschichtig, so Maas: Im Prinzip habe ja „jeder etwas zuhause hängen“, sei also daran beteiligt. Galerien und Museen erfüllen am Markt eine zentrale Filterfunktion, was Qualitätsmaßstäbe anbelangt. Der Preis wird gestaltet durch Nachfrage und Ausstellungshistorie. Galerien seien aber nicht nur dazu da, um Kunst zu verkaufen, sondern auch zu vermitteln. Und wer sich mit der aktuellsten zeitgenössischen Kunst auseinandersetzen wolle, gehe am besten in eine Galerie, so Maas.

In Reutlingen wird ja immer mal wieder der Ruf laut nach mehr Engagement für „lebendige“ Kunst im öffentlichen Raum und nach einer besseren Infrastruktur für die regionalen Künstler. Die Stadt hat jetzt deshalb eine Broschüre herausgebracht (wir berichteten ausführlich), um bereits bestehende Objekte im öffentlichen Raum mehr ins Bewusstsein zu rücken.

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