Reutlingen Rund 25.000 Zuschauer säumen beim 32. Landesnarrentreffen die Straßen

Reutlingen / LARA DIEL 28.01.2013
Wenn Hexen durch die Lüfte schweben, Menschen einträchtig "Oooo-Bacha!" skandieren, Spätzlespäckle und Bonbons fliegen - dann ist Landesnarrentreffen. 25 000 Zuschauer kamen gestern zum Umzug.

Rund 4500 Narren in 82 Gruppen - zum 150-jährigen Vereinsjubiläum hat sich der Männerverein (MVR) nicht lumpen lassen. Und die Vereine kommen von überall her: Mit der Gesellschaft "Möbelwagen" mit Prinzenpaar, der "Zigeunerinsel" samt Baronenpaar und Hutzelmännle, mit "Schwarzen Störchen", den "Rössle" und den "Stadthexen" etwa ist alleine die Landeshauptstadt gleich fünf Mal beim 32. Landesnarrentreffen des Landesverbands Württembergischer Karnevalsvereine (LWK) vertreten.

Doch warum in die Ferne schweifen? Auch Reutlingen, seit nunmehr immerhin anderthalb Jahrhunderten Sitz eines Narrenvereins, hat in Sachen Fasnet und Karneval noch einiges zu bieten. "Wer jagts Gretle? Der Deifel", heißt der Narrenruf der Gretle-Hexa und der Galgenberg-Deifel, und was das furchterregende Auftreten anbelangt, steht die noch junge freie Narrenzunft den etablierteren Kollegen in nichts nach. Die Reutlinger "Spinna-Weiber" sind dabei, die "Dancing Shoes" unter der Leitung von "Stadtfräulein Stefanie" legen zu den Klängen der "Echazrebellen" das eine oder andere flotte Tänzchen aufs Altstadtpflaster.Klar, dass die Reutlinger Stadtteile ebenfalls personenstark vertreten sind beim Zug durchs Gartentor durch die Metzger-, die Untere Wilhelm-, die Oberamtei- und die Kanzleistraße bis zum Marktplatz. "Da ist der ganze Flecken leer", kommentiert ein Zuschauer die riesige Meute der Sickenhäuser "Wölfe", die stürmischen Applaus für ihre sechsstöckigen Pyramiden ernten. Nicht minder zahlreich stromern die Betzinger "Mühlakatza", die Hästräger der "Krautskräga", durch die Straßen.

Die noch jungen Betzinger "Echazbära" sind ebenso mit von der Partie wie die Degerschlachter "Eulen", die Narrenzunft Rommelsbach oder die kuschelig-sympathischen "Burghond" aus Reicheneck. Eines haben sie alle gemeinsam: ein Herz und einen Scherz für die Zuschauer am Straßenrand.

Während die Aichtaler "Täleshexen" manch einem ein komplett neues "Hairstyling" verpassen, denken die Esslinger "Spätzleshexa" eher ans leibliche Wohl und werfen Spätzle. Guggenmusiken wie "Spectaculus" aus der Schweiz oder die Großengstinger "Albra-Gugga" liefern die mitreißenden Rhythmen fürs Tänzchen am Straßenrand dazu. Der närrische Hochadel ist auf den Beinen: Für die Prinzenpaare in ihren offenen Cabrios, so Kommentator Wolfgang Gattiker, habe man das gute Wetter bestellt.

Zum Dank gibts Nachhilfe für den erfahrenen Umzugssprecher: "Ooooo-Bacha!", korrigiert ein "Hoamerdenger Narr" den zu kurz geratenen Schlachtruf, während die Esslinger Karnevalsfreunde ihm ihr "Halli-Galli" lieber gleich schriftlich unter die Nase halten.

"Wir sind sehr zufrieden", bilanziert Michael Frank, kommissarischer MVR-Vorsitzender, der Umzug sei abgelaufen wie geplant, die Stimmung unter Mitwirkenden und Zuschauern sei hervorragend gewesen: "Wir haben ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel