Im Zuge der Wohnbauflächenoffensive der Stadt Reutlingen soll auch die 5,9 Hektar große Fläche zwischen Oferdinger Straße und Bildungszentrum Nord beziehungsweise Wittumhalle in Rommelsbach bebaut werden. 250 neue Wohnungen sind konzipiert. Der Gemeinderat hat gestern Abend einem städtebaulichen Wettbewerb zugestimmt, das Umlegungsverfahren angeordnet und den Geltungsbereich geändert. Der Bezirksgemeinderat in Rommelsbach hatte in seiner jüngsten Sitzung bereits zugestimmt.

Fast ausschließlich Ackerflächen

Schon vor drei Jahren hat der Gemeinderat Reutlingen das Bebauungsplanverfahren beschlossen. Betroffen sind fast ausschließlich Ackerflächen. Artenschutzrechtliche Belange hätten keine Auswirkungen auf das Vorhaben, heißt es in einem entsprechenden Gutachten. Anders sieht es beim Lärmschutz aus. Zur Oferdinger Straße hin reicht ein normaler Schallschutz aus. Zu bedenken ist dagegen, dass in der nahen Wittumhalle regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, die auch bis nach 22 Uhr andauern. Dies soll auch nach der Bebauung der Fläche weiterhin möglich sein. Hier erwartet man von den Planern Lösungsvorschläge.

Nun geht es freilich darum, möglichst viele Ideen für ein ansprechendes Quartier zu entwickeln. Auf Wunsch des Bezirksgemeinderats Rommelsbach soll in zwei Abschnitten gebaut werden. Fünf Architekturbüros sind aufgefordert, Vorschläge zu unterbreiten. Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser sollen entstehen, das neue Quartier soll sich an Wittum I entsprechend anfügen und auch die nahe Flüchtlingsunterkunft soll integriert werden. Ein Aspekt, den Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung, besonders hervorhob. Auch wünscht er sich Synergieeffekte in Bezug auf die Parkraumnutzung zwischen Wittumhalle und neuem Wohngebiet.

25 Landwirte bewirtschaften derzeit noch die zukünftigen Wohnbauflächen. Für sie müssen Ausgleichsflächen gefunden werden. Bürgermeisterin Ulrike Hotz betonte, wenn die Entwürfe erst einmal vorliegen, gehe die Arbeit mit dem Umlegungsverfahren erst richtig los. „Das alles wird einige Jahre in Anspruch nehmen.“

Problem Lärm

Beim Gremium fand die Bebauung von „Wittum II“ Zustimmung. Georg Leitenberger (FWV) verdeutlichte, dass es sich hier um ein sehr großes Baugebiet für Rommelsbach handle. In Sachen Lärm erwarte man von den Planern eine gute Lösung, damit es nicht zum Konflikt komme. Gabriele Janz (Grüne) lobte die geplante gesellschaftliche Vielfalt und das Miteinander im neuen Quartier. Regine Vohrer (FDP) sprach von einem „ehrgeizigen Ziel“ Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen zu bringen. Sie sei allerdings skeptisch, ob sich der Lärmkonflikt zwischen Halle, Schule und Wohnbebauung so einfach lösen lasse. Elisabeth Hillebrand (CDU) sagte, sie sei guter Dinge im Hinblick auf die Bebauung. Und man halte ja auch noch ein Grundstück für einen Kindergarten im Gebiet Wittum I vor.

Ramazan Selcuk (SPD) bemerkte, dass man nicht allein durch Innenverdichtung Wohnraum schaffen könne, „ohne Außenentwicklung geht es eben nicht“. Er verwies auch auf die zahlreichen Einpendler nach Reutlingen, die hier offensichtlich einen Arbeitsplatz, aber keinen Wohnraum finden. „Hier wird Wohnraum für 500 Menschen geschaffen. Und wir brauchen dringend diese Wohnungen“, betonte er auch in Richtung von Professor Jürgen Straub (WiR). Der hatte kurz zuvor angemahnt, den Blick für die Einwohnerentwicklung in Reutlingen nicht zu verlieren. Im Gegensatz zu den Prognosen habe man nämlich Einwohner verloren und sei bei weitem nicht so gewachsen, wie es in der Konzeption der Wohnbauflächenoffensive zugrunde gelegt werde. Man müsse die Wohnbauflächenoffensive dringend an diese neue Realität anpassen, riet Straub. „Wir haben weniger Einwohner, aber immer noch Wohnungsnot. Augenscheinlich bauen wir nicht den richtigen Wohnraum.“

Eine Einlassung, der Oberbürgermeister Thomas Keck widersprach. Ja, man habe einen leichten Einwohnerrückgang, aber weiterhin enorm viele Wohnungssuchende. Dennoch müsse man natürlich den Einwohner-Trend beobachten und im Bedarfsfall entsprechend handeln.

Nicht allein der Bebauungsplan Wittum II stand zur Abstimmung. Insgesamt zehn Bebauungspläne diskutierten die Gemeinderäte und stimmten darüber ab.

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Hektar Fläche umfasst das neue Baugebiet „Wittum II“ am Ortsende von Rommelsbach in Richtung Oferdingen. Hier entstehen zukünftig 250 neue Wohnungen.