Ein lustiges Smartphone-Kurzvideo illustriert die Unmöglichkeit, beim Friseurbesuch die Abstandsregel zum Schutz vor einer Corona-Infektion einzuhalten: Da zielt jemand aus eineinhalb Metern mit einem Schwall Wasser auf eine zum Haarewaschen im Coiffeursessel platzierte Kundin. Und drückt danach kräftig auf die Tube, damit auch noch ein Spritzer Shampoo bei ihr ankommt. Das geht daneben, klar: Waschen–Schneiden–Legen auf Distanz ist einfach keine Option.

Hausbesuch statt Homeoffice

Doch obgleich die Corona-Verordnung des Landes inzwischen ausdrücklich auch mobile Dienstleistungen untersagt, bieten manche Friseure nun Hausbesuche an – oder schneiden illegal im Salon.

Nachgefragt bei Roberto Laraia, Obermeister der Friseurinnung Reutlingen:

Das findet Roberto Laraia, Starcoiffeur und Obermeister der Friseurinnung Reutlingen, der selbst in Reutlingen und Tübingen zwei Salons mit zwölf Angestellten betreibt, gar nicht lustig.

Herr Laraia, stimmt es, dass es auch in der Region Friseure gibt, die trotz Verbots zu Kunden kommen oder diese zur Hintertür einlassen – also quasi das Wort Homeoffice unzulässig frei auslegen?

Roberto Laraia: In der Tat. Ich bin in sogenannten Sozialen Medien, auf Homepages oder durch Anrufe von Innungsmitgliedern, die von solch Schwarzen Schafen unter den Kollegen berichten, auch schon in Reutlingen darauf gestoßen. Dabei haben wir doch um der Gesundheit aller Willen geschlossen, schon vor der verschärften Verordnung, als Friseure noch als systemrelevant galten. Hausbesuche finde ich umso verwerflicher, als in den Salons hervorragende Hygiene-Maßnahmen herrschen, welche zuhause nicht gegeben sind. Manche meinen, sie dürften analog zum Straßenverkauf in der Gastronomie im Salon beraten oder Produkte abholen lassen. Aber das ist auch nicht erlaubt.

Was dürfen sie denn überhaupt noch?

Roberto Laraia: Telefonisch Tipps geben, Farbe und Pflegeprodukte ausfahren, damit die Leute jetzt nicht vier Wochen mit einem Riesenansatz herumlaufen müssen, und Gutscheine ausstellen. Daran ist natürlich nicht viel verdient. Wir nehmen zudem Terminanfragen für nach dem 19. April entgegen. Dazu rate ich den Kunden, denn egal, wann es wieder losgeht, da sind freie Termine dann rar. Am besten Telefonnummer oder E-Mail-Adresse hinterlassen, falls die Corona-Verordnung  noch verlängert wird.

Also bis dahin am besten den Pony selber schneiden?

Roberto Laraia: Davon rate ich ab, das kann ganz schlimm aussehen.

Ich weiß. Und wer hilft dieser Tage Invaliden, die sich die Haare nicht mal selbst waschen können?

Roberto Laraia: Das dürfen momentan ausschließlich Pflegekräfte oder Menschen, die im selben Haushalt wohnen.

Was blüht Ihren Kollegen, die die Verordnung missachten?

Roberto Laraia: Wer zum ersten Mal erwischt wird, dem drohen bis zu 1500 Euro Strafe, bei Wiederholungstätern sogar bis zu 25 000 Euro. Gerade als jemand mit italienischen Wurzeln und Familie in Italien finde ich das richtig: Das Gesetz muss da jetzt knallhart durchgreifen, denn es geht nicht nur ums Geld, in meinem Fall um rund 120 000 Euro Verlust in drei Monaten, wobei ich alle Angestellten zu halten versuche, und um unlauteren Wettbewerb, sondern um Menschenleben.

Wie können Sie darauf hinwirken, dass es künftig weniger Verstöße gegen die Corona-Verordnung gibt?

Roberto Laraia: Ich würde die Kunden gern sensibilisieren, dass sie das erst gar nicht anfragen. Besonders unter den 20- bis 30-Jährigen fehlt das Verständnis dafür oft noch. Da kommt die Schönheit manchmal vor dem Gesetz. Aber: Wo keine Nachfrage, da auch kein Angebot. Und was nutzt die schönste Frisur im Sarg? Der Abstand muss halt jetzt für alle eingehalten werden! Und wir Friseure haben bereits ein hervorragendes Hygiene-Management entwickelt, um die Verbraucher nach der Krise wieder bedienen zu können.