Reutlingen Riesiges Aufgebot

Reutlingen / Carola Eissler 02.08.2018

Das Thema Weltkriegsbombe respektive Blindgänger beschäftigt derzeit die ganze Stadt. Stadtsprecher Wolfgang Löffler berichtet, dass allein dieses Thema auf ihrer Facebook-Seite 58 000 Mal angeklickt wurde. „Das gab’s noch nie.“ Wie inzwischen mehrfach berichtet, wurde vor wenigen Tagen bei Bauarbeiten zum Ausbau des Fernwärmenetzes an der Ecke Karlstraße/Bismarckstraße ein großer metallener Gegenstand in der Tiefe des Erdreichs geortet. Nach Auswertungen von Luftbildern sind sich die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ziemlich sicher, dass es sich um einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, da dieses Gebiet in Reutlingen stark bombardiert war. Am kommenden Sonntag, 5. August, soll nun also das Erdreich abgetragen und der Gegenstand freigelegt werden. Ist es tatsächlich eine Bombe, beginnt eine der größten Evakuierungsaktionen seit Weltkriegsende.

Bis zu 700 Helfer und Experten von Feuerwehr, Stadt, Polizei, DRK und Technischen Betriebsdiensten werden am Sonntag im Einsatz sein. Ein hochsensibler Tag für die Hilfsdienste, schließlich müssen sie doch auch die ganz normale Versorgung in der Stadt sicherstellen. Hinzu kommt das Freibadfest im Markwasen, wo ebenfalls eine Bereitschaft für Sicherheit sorgen muss.

Die Herausforderung: Polizei, Stadt und Hilfsdienste können  nicht genau sagen, wie der Tag verlaufen wird. Das bedeutet, sie müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, wie Wolfgang Löffler erklärt. Die Absperrung des gesamten Gebietes in einem Radius von 500 Metern um den Fundort wird nicht einfach sein. Gesperrt wird auf jeden Fall die Karlstraße, die Ost-West-Trasse dagegen soll befahrbar bleiben. Die Absperrgitter werden bereits am Vorabend bereitgestellt. Allerdings müssen auch die gesamten kleinen Straßen, Zufahrten und Wege dicht gemacht werden. Schließlich darf sich niemand im Sperrgebiet aufhalten. „Wir werden dann auch entsprechende Kontrolleure positionieren.“ Ein Hubschrauber samt Wärmebildkamera der Polizei wird ständig das Gebiet überfliegen. Polizei und Feuerwehr kontrollieren die Zugänge. „Wir werden am Sonntag eine so große Polizeidichte wie noch nie in der Stadt haben.“

Kommt es zu einer Evakuierung, dann kann diese zwischen zwei und vier Stunden dauern. Abhängig ist dies zum einen davon, wie viele Menschen nicht mobil sind und deshalb von Krankentransporten abgeholt werden müssen. „Dann kommt es auch darauf an, ob viele Bewohner ohnehin an diesem Tag schon weggegangen sind, oder erst noch ihr Zuhause verlassen müssen.“ Schließlich gibt es bei solchen Evakuierungen auch immer wieder Problemfälle: Menschen, die es gar nicht einsehen wollen, weshalb sie ihre Wohnung verlassen sollen. „Nützt alles gute Zureden nichts, kann die Polizei auch Zwangsmaßnahmen ergreifen.“

In der Stadthalle wird eine Notunterkunft eingerichtet, das DRK sowie die Feuerwehr versorgen die Evakuierten auch mit Getränken. Wer im Evakuierungsgebiet wohnt, sollte sich bereits im Vorfeld einen kleinen Rucksack mit Essen und Getränken, eventuell mit benötigten Medikamenten herrichten. Denn eines steht fest: „Kommt es zu einer Bombenentschärfung, kommt niemand mehr bis zum Abschluss der Aktion in das Gebiet rein.“

Bürgertelefon: Hotline für alle Fragen

Die Stadt hat in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ein Bürgertelefon unter der Telefonnummer (08 00) 3 03 44 44 geschaltet und ist bemüht, alle Fragen zu beantworten. Dort können sich auch Personen melden, die einen Transport benötigen.

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