In Zügen und an Bahnhöfen beschleicht so manchen Reisenden und Pendler ein ungutes Gefühl. Immer wieder kommt es zu Aggressionen, wie den Polizeimeldungen zu entnehmen ist. Und zu Gewalt. Die Polizei gibt dennoch Entwarnung. „Die Kriminalität ist gesunken, Bahn und Bahnhöfe sind sicher“, sagt Kriminalhauptkommissar Hubertus Schmid vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen. Das größte Problem sei Taschendiebstahl, weshalb man im Zug nicht einschlafen sollte. Zusammen mit seinen Kollegen Polizeikommissar Markus Müller, Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik sowie Kriminaloberkommissarin Anne Catherine Hausch-Häcker von der Prävention war er am Donnerstag in Regionalzügen zwischen Reutlingen und Stuttgart unterwegs, bepackt mit Flyern und Informationsbroschüren zum Thema Sicherheit und Zivilcourage. Reisende wurden angesprochen und aufgeklärt.

Motto „Tu was“

Einmal im Jahr findet der Aktionstag unter dem Motto „Tu was“ statt, inzwischen bereits zum sechsten Mal. „Es geht uns darum, das Sicherheitsgefühl zu stärken“, sagt Paul Mejzlik. Denn das sei unter der Bevölkerung schlecht. Zu Unrecht, wie die Beamten betonen.

Und dennoch: Wer in eine Konfliktsituation gerät, kann sich an gewisse Regeln halten, die Polizei rufen oder dem Opfer helfen. „Wir wollen keine Helden, sondern Leute, die die Polizei rufen“, beschreibt Markus Müller das Anliegen der Präventionsarbeit. Jeder könne etwas tun, aber keiner müsse sich in Gefahr bringen.

Den ersten Schritt

„Die Bereitschaft zu helfen ist schon da. Aber es dauert oft eine gewisse Zeit, bis einer den ersten Schritt macht“, haben die Beamten festgestellt. Ihr Rat: Andere Bahnfahrer um Hilfe bitten, sich nicht provozieren lassen, den Aggressor nicht auch noch beschimpfen. Und: Sich bereits im Vorfeld möglichst in ein Zugabteil setzen, in dem schon andere Leute sitzen. Mit ihrer Präventionskampagne arbeiten sich die Beamten durch die Reihen der Züge hindurch. Die Resonanz ist positiv. Und anscheinend treffen die Beamten an diesem Tag ausschließlich auf Fahrgäste, die sich sicher fühlen und im Notfall auch helfen würden. Jetzt sind sie auf jeden Fall um einige Tipps reicher, wie sie Letzteres richtig anpacken.

Bei den Gesprächen mit den Reisenden ging es aber nicht nur um die Situation in den Zügen. Vor allem ältere Personen sind nicht selten Opfer von falschen Polizisten, die die Senioren um ihr Erspartes bringen. Und wenn sie schon mal in Sachen Prävention unterwegs sind, informierten die Beamten auch hierüber.

Schwankende Neigezüge

Auf viele offene Ohren trafen die Beamten bei ihren Pendelfahrten am Donnerstag. Die ihnen übrigens einiges abverlangten. Denn die Neigetechnikzüge, die die Kurven schneller durchfahren sind nicht ohne und schwanken mitunter wie eine Fähre auf dem Ärmelkanal.

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Zahlen geben Grund zur Sorge


Die Sorge mancher Bahnreisender und das abnehmende Sicherheitsgefühl sind nicht ganz unbegründet. Denn im Mai diesen jahres hatte eine Landtagsanfrage der Grünen an das Stuttgarter Verkehrsministerium ergeben, dass 2018 die Aggressionsdelikte in Bus und Bahn in Baden-Württemberg um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben. 5683 Personen seien im öffentlichen Nahverkehr Opfer von Aggressionsdelikten geworden, so die Auskunft des Verkehrsministeriums an die Grünen-Fraktion.