Reutlingen Respekt verbindet

Das Projekt-Team: (vorne von links) Madina Mohamed (Eoto), Beke Weis (franz.K, Projektkoordinatorin), Cordelia Honigberger (Theaterpädagogin) - (hinten) Marjam Kashefipour (Fachdienst Jugend) und Andreas Roth (franz.K). Foto: Kathrin Kipp
Das Projekt-Team: (vorne von links) Madina Mohamed (Eoto), Beke Weis (franz.K, Projektkoordinatorin), Cordelia Honigberger (Theaterpädagogin) - (hinten) Marjam Kashefipour (Fachdienst Jugend) und Andreas Roth (franz.K). Foto: Kathrin Kipp
Reutlingen / KATHRIN KIPP 25.10.2013
Sozial und kulturell benachteiligte Jugendliche haben kaum Gelegenheit, sich über ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung auszutauschen. Daher begann nun im franz.K ein Kunst-Projekt mit Tanz, Theater und Film.

Das Projekt heißt "T.A.L.K. Reutlingen - Theater und Aktion im Landkreis Reutlingen" und richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, die aufgrund ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft vielleicht nicht so intensiv an Kultur, Kunst und Bildung teilhaben. Ziel des Projekts sei, so heißt es, Jugendlichen, "denen nicht alle Türen offen stehen, eine Stimme zu geben, um über ihre alltäglichen Erfahrungen und Probleme zu sprechen, sie künstlerisch auszudrücken und sie öffentlich zu präsentieren".

Seit Herbst werden deshalb vier verschiedene Workshops angeboten. Bis zu 50 Jugendliche können mitmachen, sie wurden an Schulen und Jugendhäusern angesprochen. Ende September fand im franz.K ein "Schnuppertag" statt, an dem sich die Interessierten die Workshops anschauen können.

Angeboten wird Theater, HipHop-Tanz, HipHop-Rap und Film, dabei findet der Theater- und der Rap-Workshop jeweils wöchentlich statt (donnerstags von 14 bis 16 Uhr im franz.K), Tanz und Film gibts jeweils als Kompakt-Veranstaltung in den Ferien.

Erfahrene Coaches leiten die Aktionen, unterstützt werden sie dabei von verschiedenen Mentoren. Bis zum Frühjahr wird dann getanzt, gerappt, gefilmt und Theater gespielt. Am 10. Mai nächsten Jahres soll dann eine gemeinsame Aufführung stattfinden, als Collage aus allen vier Genres.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen mehreren Institutionen: Das franz.K sorgt als soziokulturelles Zentrum für den Veranstaltungsort, der schon rein konzeptionell für alle offen ist, ohne zu selektieren, wie Andreas Roth betont.

Mit dabei ist außerdem der Verein Eoto ("Each One Teach One - Jeder kann von jedem lernen"), der sich laut Madina Mohamed um die interkulturelle Vermittlung von Musik, Medien und Literatur kümmert.

In einem Workshop für schwarze Jugendliche Anfang 2013 in Reutlingen habe man festgestellt, dass es hier generell wenig Angebote für weniger privilegierte Jugendliche gibt, bei denen sie sich über ihre Ausgrenzungserfahrungen austauschen können. Eoto beteiligt sich auch wegen des "Disco-Vorfalls" am Projekt: Ein schwarzer Jugendlicher wurde in "der größten Disco Reutlingens" wegen seiner Hautfarbe nicht reingelassen. Er hat geklagt und 2011 in zweiter Instanz Recht bekommen. In diesem Zusammenhang steht auch die aktuelle Diskussion um ein "Anti-Diskriminierungsbüro" in Reutlingen.

Außerdem der "Aufbau von professionellen Antidiskriminierungsstrukturen", wie Marjam Kashefipour vom Fachdienst für Jugend, Migration und Bildung der Bruderhaus-Diakonie erklärt, der sich ebenfalls am Projekt beteiligt. Aus ihrer täglichen Arbeit weiß sie, wie wichtig es ist, benachteiligten Jugendlichen einen Raum zu geben, wo ihnen zugehört wird, "wo sie Anerkennung finden, in dem, was sie sind und was sie machen". Und wo ihnen auch was zugetraut wird.

Deshalb können die Kids in den verschiedenen Workshops "ohne Überforderung und Druck" kreativ sein, dabei lernen, ihre "vielschichtigen Zugehörigkeiten und ihre religiöse Vielfalt zu schätzen" sowie die "Bedeutung gegenseitigen Respekts und Verständnisses". Ganz nach dem Projekt-Motto: respect connects - Respekt verbindet.

Theaterpädagogin Cordelia Honigberger beispielweise leitet den Theaterworkshop. Sie weiß: Wenn man sich eigene Alltagserfahrungen auf einer Bühne gegenseitig vorführt, kann ein enormes Bewusstsein für die jeweiligen sozialen Interaktionen geschaffen werden. Aber das sind nur die pädagogischen Nebenwirkungen. Denn die Workshops und der finale Auftritt sollen den SchülerInnen vor allem viel Spaß machen. Und wenn sie am Ende ein klein wenig mehr Selbstvertrauen gewinnen, ist schon viel erreicht.

Das Projekt wurde bisher einmalig mit 22 000 Euro aus den Bundesmitteln der Initiative "Kultur macht stark" gefördert, die über den Bundesverband soziokultureller Zentren verteilt werden. Andreas Roth und Beke Weis vom franz.K reichen derzeit einen Folgeantrag ein, damit das Projekt auch noch nächstes Jahr fortgeführt werden und nachhaltig wirken kann.

Motto "respect connects"
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