Reutlingen / NORBERT LEISTER Am Mittwoch war im franz K. ein beeindruckender Film mit beeindruckenden Menschen zu sehen, für die Diskriminierung an der Tagesordnung ist.

"Man sollte andere Menschen so behandeln, wie man selbst behandelt werden will." Das war wohl einer der Kernsätze des Streifens " dass alle Menschen gleich sind" von Harald Sickinger. Der Tübinger Sozialpädagoge und "Master of Community Development" ließ in dem knapp einstündigen Werk Menschen zu Wort kommen, die oftmals aufgrund eines einzigen Aspektes immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt sind - weil sie nicht der Norm entsprechen. Geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen äußerten sich ebenso wie Frauen mit Kopftuch, ein schwuler Mann, ein Jugendlicher mit ausländischem Namen und eine rundliche Frau. "Es ist nicht leicht, mit dem Thema der Diskriminierung an die Öffentlichkeit zu gehen", lobte Andreas Foitzik die Akteure des Films und dankte ihnen für ihre Offenheit. Aber: Wenn sich Menschen öffentlich dazu äußern, dass sie diskriminiert werden, dann besteht auch eine Chance, dass sich dadurch etwas ändern kann.

"Wir wollen eine Beratungsstruktur aufbauen", sagte etwa Lutz Adam vom Stadtjugendring vor der Filmaufführung. Ziel des Runden Tisches "Antidiskriminierung" ist also, ein Büro einzurichten, an das Menschen sich wenden können, die sich erniedrigt fühlen. Wie solche Diskriminierungen aussehen können, verdeutlichte der Film: "Wir haben immer noch mit den Nachwehen des Dritten Reiches zu kämpfen", sagte etwa ein körperbehinderter Mann. Immer mal wieder kriege er in Bezug auf seine körperlichen Einschränkungen zu hören: "Beim Adolf war doch nicht alles schlecht."

Diskriminiert werden aber auch junge Menschen, die eine Ausbildungsstelle suchen: Allein der fremdländisch klingende Name, das Kopftuch, eine andere Hautfarbe würden oft schon ausreichen, um als Bewerber abgewiesen zu werden. Oder wenn ein schwules Paar Händchen haltend durch Reutlingen laufe, "dann wurde denen schon eine Wasserflasche hinterher geworfen", sagte ein homosexueller Mann in dem Film. Eine beleibte Frau traut sich kaum aus dem Haus, weil sie die beleidigenden, abschätzigen Blicke der anderen Menschen nicht aushält. Und geistig beeinträchtigte Personen wollen nicht abwertend "behindert" genannt werden: "Wir sind doch alle Menschen."

Der Film von Harald Sickinger wollte aber nicht nur Defizite wie mangelnde Barrierefreiheit und zu kurze Ampelphasen für gehbeeinträchtigte Menschen anprangern, sondern auch Perspektiven aufzeigen. "Es ist doch egal, wo man herkommt oder wie man aussieht", sagte ein Jugendlicher. Respekt gegenüber allen Menschen sei wichtig. Respekt und Wertschätzung. Wenn alle Menschen das so sehen würden, dann gäbe es keine Diskriminierung mehr, waren sich die "Schauspieler" einig.

Ob es jemals so weit kommt? Immerhin bewegt sich in Reutlingen was, Auslöser für den Runden Tisch "Antidiskriminierung" war im Übrigen ein Reutlinger Jugendlicher, der wegen seiner Hautfarbe nicht in eine Disco eingelassen wurde. David G. hatte geklagt, sich Unterstützung bei einem Antidiskriminierungsbüro aus Berlin geholt. "Es kann doch nicht sein, dass wir in Reutlingen so was nicht leisten können", sagte Foitzik am Mittwochabend im franz K. als einer der Hauptinitiatoren des hiesigen Runden Tisches. Zahlreiche Einrichtungen beteiligen sich daran, Ridaf genauso wie Baff, Bruderhaus-Diakonie, Stadtjugendring, Ferda und viele mehr.