Reutlingen Regional, lecker und groß

Geschäft getätigt: Am Verkaufsstand des Hayingers Franz Geiselhart. Foto: Dietmar Czapalla
Geschäft getätigt: Am Verkaufsstand des Hayingers Franz Geiselhart. Foto: Dietmar Czapalla
Reutlingen / DIETMAR CZAPALLA 02.10.2012
Der Kartoffelmarkt auf dem Kreuzeiche-Parkplatz hat am Samstag begonnen. Sieben Erzeuger von der Alb und dem Reutlinger Nordraum verkaufen ihre frische Ware der unterschiedlichsten Sorten.

Die Witterung auf der Alb ließ keinen prächtigen Herbsttag erwarten, als sich Landwirte aus Oberstetten, Hayingen, Ehestetten, Rommelsbach, Sickenhausen und Holzelfingen am frühen Morgen des vergangenen Samstags nach Reutlingen auf den Weg machten. So auch der "Kartoffel-König von der Alb", Marc Wörz.

Um 5.30 Uhr klingelte sein Wecker, bald danach tuckerte er mit seinem Traktor und einem mit Kartoffeln rappelvollen Anhänger von Oberstetten aus in Richtung Achalmstadt. Voll bepackt mit "tollen Knollen" der Sorten Selma, Alexandra, Granola, Afra, Marabel, Allians sowie der rotschaligen Laura war er wie üblich der Erste von sieben Direktvermarktern, der an der Kreuzeiche auftauchte.

"Das Wetter hat in diesem Jahr mitgespielt, immer wieder hat es etwas geregnet und im Juli sind sie losgegangen wie Raketen", bilanzierten er und sein Rommelsbacher Kollege Karlheinz Lamparter, Mitarbeiter der Firma Raiser. Die gefürchtete Krautfäule "gab es wie üblich", Kartoffelkäfer und Schnecken waren für beide "kein Problem". Den Ertrag und die Qualität ihrer unterschiedlichsten Kartoffelsorten stufen sie als "gut und in optimaler Größe", ein. Gerade richtig für einen Jettenburger, der sich von Wörz 50 Kilo der Sorte Granola in den Kofferraum wuchten ließ.

40 Kilometer Anfahrt hatten der Hayinger Franz Geiselhart und sein Schwager Peter Kohler hinter sich, als sie ihren Verkaufsstand einrichteten. "Kartoffeln ohne Herbizidbehandlung und ohne Krautabtötung" konnte man bezüglich seiner Kartoffelsorten Nicola, Selma, Annabell, Afra, Laura und der spättreibenden Granola lesen. "Immer mehr Kunden nehmen 12,5 Kilo-Säche, weniger die schweren mit 25 Kilo Inhalt", stellte er auch diesmal wieder fest.

Quasi ein "alter Hase" ist der Ehestetter Nikolaus Broß mit zwei seiner Kinder, der schon seit vielen Jahren auf dem Kartoffelmarkt vertreten ist. Von seinen insgesamt elf Sorten hatte er am ersten Verkaufstag Selma, Agria und Granola im Angebot. Der Nebenerwebslandwirt berichtete von "Kartoffelkäfer wie jedes Jahr, zunehmend mehr Schnecken und auch Drahtwürmer", die seinen Kartoffeln zugesetzt haben. "Die werden bald allen Kartoffelanbauern schwer zu schaffen machen", ist er sich sicher.

Das Sortiment der Anbieter auf dem nun begonnenen Kartoffelmarkt an der Kreuzeiche ist beeindruckend groß. Außer den genannten Sorten haben sie auch Filea, Desiree, Forelle, Concordia, Ditta, Melina, Siglinde, Princess und noch ein paar andere mehr - festkochende, vorwiegend festkochende und als mehlig eingestufte, gelb- aber auch rotschlige Qualitätskartoffeln vom Feinsten. Auf die aktuelle Marktsituation angesprochen, sagen die Anbieter übereinstimmend: "Es ist nicht mehr so wie früher. Nur die Älteren haben noch das Wort Vorrat im Hinterkopf und lagern Kartoffeln ein. Die aber sterben immer mehr weg. Die Jungen ernähren sich nur noch von der Hand in den Mund, viele davon haben aber auch keine für die Lagerung geeigneten Keller mehr."

So liefern die Anbieter die von ihrer überwiegend schon älteren Stammkundschaft gewünschten Kartoffeln gerne auch frei Haus. So wie einem recht betagten Ehepaar aus der nahen Ringelbachstraße, das jedes Jahr bei Nikolaus Broß bestellte und sich danach zu Fuß auf den Heimweg machte.

Die Dauer des Kartoffelmarkts ist witterungsabhängig. "Wenn es morgens Minusgrade hat, dann ist es vorbei", sagte Marc Wörz, "dann verkaufen wir nur noch ab Hof." Da werden sie dann in vollklimatisiertem Raum gelagert.

Darauf wollte sich das Pfullinger Ehepaar Krauter nicht verlassen. Mit je 25 Kilo Selma und Granola ("Das sind für mich die Allerbesten") im Kofferraum ihres Wagens fuhren sie von dannen.

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