Folgt man den Statistiken, gibt es im Stadtgebiet zwischen 350 000 und 470 000 Ratten. Auf einen Mann oder eine Frau kommen zwischen drei und vier Tiere. Und die Nager sind fortpflanzungsfreudig, eine Rättin kann bis zu 20 Junge pro Jahr werfen, die ihrerseits nach zehn bis zwölf Wochen geschlechtsreif sind und Nachwuchs in die Welt setzen. Mitverantwortlich für die Zunahme der Raten sind die Bürger, die mit dem Wegwerfen von Lebensmitteln den Nagern einen „gedeckten Tisch“ bereiten.

Gedeckter Tisch für Nager

Ohne ein Eingreifen würde die Stadt in einer Rattenplage untergehen. Vor Ort ist die Bekämpfung der Nager zweigeteilt, erläuterte Michail Papas, Projektleiter Abwassertechnik bei der Stadtentwässerung Reutlingen (SER), bei einem Sommermedientermin am Freitag. Um die im Untergrund, in der Kanalisation lebenden Nager kümmert sich die SER, für die oberirdischen Wanderratten ist das Amt für öffentliche Ordnung zuständig. Ziel der Maßnahmen ist, die Population der Ratten so gering wie möglich zu halten. Schließlich übertragen die Tiere Krankheiten wie beispielsweise die Infektionskrankheit Leptosklerose. Zudem verursachen sie Schäden an Gebäuden und Infrastruktur.

Es gibt 18 000 Schächte

In den vergangenen Jahren hat sich die Art der Rattenbekämpfung im rund 600 Kilometer langen öffentlichen Kanalnetz verändert. Früher wurden in jedem zweiten der insgesamt 18 000 Schächte Giftköder ausgelegt. Die „Biozidverordnung“, die 2012 in Kraft trat, verbietet ein flächendeckendes Ausbringen von Giftködern – die Fachleute sprechen hier gerne von „Beköderung“. Giftköder dürfen seither erst dann eingesetzt werden, nachdem ein Rattenbefall nachgewiesen wurde. Dafür greift die Stadt auf ein Monitoring mit giftfreien Ködern zurück, wie Jakob Braun von der SER erläutert.

Giftköder dürfen nur bei Befall eingesetzt werden

Im Frühjahr und Herbst versieht ein Dienstleister rund 3600 Schächte im gesamten Stadtgebiet mit diesen giftfreien Monitoring-Ködern. Nach 14 Tagen wird kontrolliert, ob diese Köder angefressen sind. Ist dies der Fall, legt eine Fachfirma dort Giftköder aus. Diese werden ebenfalls zwei Wochen später untersucht: Wenn sie Spuren von Rattenbefall zeigen, wird gegebenenfalls ein neuer Giftköder eingesetzt. Das Verfahren wird so lange wiederholt, bis es keine Fressspuren mehr an den Ködern gibt.

Auf jede Hauptbekämpfung folgt eine Erfolgskontrolle. Dafür legt ein Sachverständiger Haferflocken in der Kanalisation aus, um festzustellen, ob es noch Ratten gibt. Um die Nager zu töten, setzt die Stadt auf den Einsatz von Rodentiziden, chemische Mittel, die nach drei bis fünf Tagen ihre Wirkung entfalten. Die Einsatzorte werden über eine App dokumentiert, die das gesamte Kanalnetz zeigt.

130 000 Euro jährlich für die Rattenbekämpfung

Die SER hat begonnen, Köderschutzboxen zu testen. Zehn dieser Boxen sind derzeit rund um den ZOB – einem Hot-Spot-Bereich – im Einsatz. Ihr Vorteil besteht darin, dass der Giftköder nicht in Kontakt mit dem Abwasser kommen und weggespült werden kann. Der Nachteil ist ihr Preis: 500 Euro kostet eine Box. Apropos Kosten: Rund 130 000 Euro pro Jahr gibt die Stadt für die Rattenbekämpfung aus, 2018 wurden eine Tonne an Giftködern eingesetzt.

Ab Montag, 26. August, werden oberirdische Giftköderboxen in der Oberen Wässere ausgelegt.

Drei Tipps, was Bürger gegen Ratten tun können


Die Stadtentwässerung Reutlingen gibt drei Tipps, was Bürger tun können, um es Ratten schwerer zu machen.

■ Wichtig ist, keine Lebensmittelreste an öffentlichen Plätzen wegzuwerfen, sondern Mülltonen und Mülleimer zu benutzen.

■ Man sollte keine Lebensmittel in gelben Säcken entsorgen. Die Stadt empfiehlt auch, die Gelben Säcke erst kurz vor der Abholung an die Straße zu stellen.

■ Lebensmittelreste sollten nicht in die Toilette geworfen werden, da dies Ratten erst anlockt. rab