Berlin, Düsseldorf und Stuttgart haben bereits Pop-up-Radwege eingeführt, und für Reutlingen  lag ein Antrag der Linken Liste vor, in der Achalmstadt ebenfalls die Schaffung provisorischer Radwege zu prüfen.

Philipp Riethmüller, Leiter der im vergangenen Jahr eingerichteten Task-Force Radverkehr, steht der Schaffung von Pop-up-Radwegen allerdings kritisch gegenüber, wie er am Donnerstag im Bau-, Verkehr- und Umweltausschuss deutlich machte.

Prioritäten anders setzen

Die Einrichtung von Pop-up-Radwegen benötige Zeit- und Personalkapazitäten, die für die Umsetzung anderer, wichtigerer Projekte fehlen würden. Um die Sicherheit der Radler zu gewährleisten, sei eine gute Planung notwendig, sagte der Task Force-Leiter und verweist auf Gefahren, die beim Abbiegen entstehen könnten. So sei in Berlin jetzt der erste Mensch tödlich verunglückt. Die Position der Stadt sei klar: „Wir brauchen eine dauerhafte Radinfrastruktur. Wir haben diese Art von Symbolpolitik in Reutlingen nicht nötig“, betonte Riethmüller. Das Motto der Stadt laute: „Task Force statt Pop-up“.

Deutliche Verbesserungen

Eine mutige Aussage befand Edeltraut Stiedl, die Riethmüller und seinem Team eine gute Arbeit attestierte. Seit es die Task Force gebe, bewege und verbessere sich in Reutlingen viel für die Radfahrer, unterstrich die SPD-Stadträtin. „Sie sind auf dem richtigen Weg.“

Radler und Autofahrer trennen

Dagegen machte sich Holger Bergmann für eine Trennung von Rad- und Autoverkehr stark und regte an, möglicherweise für den Autodurchgangsverkehr zu sperren. Sobald es dort deutlich weniger Autofahrer gebe, nehme der Radverkehr zu, zeigte sich der Grünen-Stadtrat überzeugt.
Aus Sicht der FDP-Stadträtin Regine Vohrer sei ein solide erarbeitetes Konzept besser, als jetzt kurzfristig nach neuen Ideen zu greifen. „Lassen sie sich nicht von jeder neuen Idee blenden“, appellierte sie an alle Beteiligten.
Auch Prof. Jürgen Straub lobte die Arbeit der Task Force. Wie Riethmüller lehnte der WiR-Stadt die Einrichtung von Pop-up-Radwegen auf Hauptstraßen als zu gefährlich ab. Es gebe im Stadtgebiet bereits genügend gefährliche Stellen für Radler: „Wir brauchen keine weiteren“, sagte Straub, der sich weiterhin für den von seiner Fraktion beantragten provisorischen Radweg in der Planie aussprach.

Genauigkeit vor Schnelligkeit

Das sei gar nicht so einfach, sagte Riethmüller und verwies auf die Querungen mit der Kaiser- und Bismarckstraße, die täglich von 5000 bis 6000 Fahrzeugen passiert würden. „Hier geht Genauigkeit vor Schnelligkeit“, befand auch Baubürgermeisterin Ulrike Hotz.

Stadtradeln startet am kommenden Samstag


Im Gegensatz zum Landkreis startet Reutlingen die Aktion Stadtradeln bereits am kommenden Samstag, 27. Juni. Drei Wochen lang, bis Freitag, 17. Juli, können alle, die in der Stadt leben, arbeiten, einem Verein angehören oder eine (Hoch-)Schule besuchen, bei der Kampagne mitmachen und möglichst viele Radkilometer sammeln.

Da es in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie keine große Auftaktveranstaltung geben kann, haben die Verantwortlichen im Rathaus einen kleinen Film gedreht, der einen Wettbewerb in Quizform zwischen jeweils drei Mitgliedern der Stadtverwaltung und des Gemeinderats zeigt.

Weitere Informationen zu Modalitäten, Regeln, Anmeldung und Preisen gibt es  unter https://www.reutlingen.de/Stadtradeln. rab