"Der Kalender hier macht täglich - Jahr für Jahr den Tag erträglich." Und er ist längst ein Kult-Produkt. Veredelt hat im Laufe der Jahre die "Rabenkalender" Helmut Bachschuster. Der ist vielen Menschen in der Region eher bekannt als ein Teil des humorvoll kellnernden Duos "Knoba Sörwiss". Bachschuster und Matthias Knodel haben es mit ihrem Slapstick und einzigartigen Schabernack sogar bis an die für Empfänge festlich geschmückten Esstische deutscher Botschaften im Ausland geschafft.

Der Schalk sitzt Bachschuster im Nacken - und seit vielen Jahren betreibt er seine Kunst professionell. So hauptberuflich sogar, dass sich der ehemalige Lehrer hatte entbeamten lassen. Auf kleinen Holzpodesten in zwei Vitrinen des Treppenhauses im Landratsamt Reutlingen sind nun - und das mindestens bis Ostern - die von Helmut Bachschuster veredelten Produkte des bei Haffmans & Tolkemitt in Berlin verlegten Kalenderwerks zu sehen. Der Konzeptkünstler, der in Pfullingen sein Unternehmen "Kulturprodakschn" betreibt, schaffte es bereits, in einer Halle seines Ateliers sämtliche 356 Blätter eines Rabenkalender-Jahrgangs zu hängen - an Wäscheleinen.

Das Publikum hatte es beim Betrachten dann mit doppelter Lesearbeit zu tun. Denn natürlich sind auch die Vorderseiten vorzüglich bedruckt, mit Karikaturen, Bildern und mit pfiffigen Sprüchen. "Hinterteil bemalt" nennt Bachschuster die Schau der Kalenderblätter der Monate Januar bis März 2010.

"Da wäre es doch schade, diese Kalender einfach wegzuwerfen, haben sie doch alle auch eine Rückseite", sagt sich Bachschuster, und machte sich 2006 an die Arbeit. Zu finden sind, wie im Original, gereimte Texte - oder auch in Prosa, "lange, kurze, weise, kluge, heitere, witzige, freche oder sarkastische Texte", so fasste dieser Tage Dr. Irmtraud Betz-Wischnath ihre Eindrücke zusammen. Der Kreisarchivarin ist es zu verdanken, dass nun in einem Amt, in dem es doch zumeist um sehr ernste Verwaltungsdinge geht, eine große Portion lustvollen wie auch sarkastisch-ironischen Humors Einzug halten durfte.

Wie überhaupt es seit jeher dem Landkreis ein Anliegen ist, Kunst und Kultur auf vielfältige Weise zu fördern - vor allem auch die zeitgenössische. Und so kaufte die Behörde die Bachschustersche Version des kompletten Rabenkalender-Jahrgangs 2010 an. Verwahrt wird er in einer feinen, hübsch geschnitzten Holzkassette.

"Insgesamt sind es sogar 368 Einzelbilder", erläuterte der Künstler bei der Präsentation der Schau. Schließlich gibt es ja auch ein Deckblatt und eine Impressums-Seite. Doch wie präsentiert man Kalenderblätter? In seiner Werkstatt für Buch- und Papierrestaurierung in Böhringen kam Matthias Raum nicht nur auf die Idee, dafür kleine Holzpodeste zu schnitzen. Auch Raums Anschlagsschienen en miniature sorgen nun für Lesegenuss ohne Verrenkungen oder womöglich "abstürzende" Blätter.

Die Betrachter finden so neben dem Hauptblatt Bachschusters Reflex auf häufig tagesaktuelle Ereignisse - oder eigene Erlebnisse. Politische und gesellschaftliche Themen werden vom Künstler ebenso verarbeitet. "So entsteht regelmäßig ein farbiges Kaleidoskop, eine ganz individuelle Rückansicht des Jahres", so Betz-Wischnath.