Reutlingen Probesitzen und ausprobieren

Reutlingen / Von Kathrin Kammerer 21.10.2018

Besonders die Kinderaugen strahlten an diesem 19. Sicherheitstag: In der gesamten Innenstadt hatten die Reutlinger Hilfsorganisationen Autos, Geräte und andere Stationen aufgestellt, um ihre Arbeit zu präsentieren. Die Kinder und ihre Eltern konnten sich aus erster Hand informieren, sie konnten ausprobieren und fragen.

Der Hit: Probesitzen im Einsatzfahrzeug. Beim Technischen Hilfswerk (THW) am Albtorplatz strahlt der vierjährige Leevyn-Fynn vom Fahrersitz. Sein großer Bruder Marco ist schon beim THW – und er setzt dem Sprössling gleich noch einen Einsatzhelm auf. Für die Jugendgruppe ist Leevyn-Fynn noch zu jung, in die darf man erst mit zehn Jahren eintreten. Trotzdem sei das Feuer schon ein bisschen entfacht, sagt die Mutter und lacht: Seinen letzten Geburtstag feierte der Kleine beim THW.

Nebenan transportieren Kinder Holzklötze mit einem sogenannten Mehrzweckzug. Normalerweise nutzt man diesen, um beispielsweise ein Fahrzeug aus einem Graben zu ziehen. „Unsere Jugendgruppe hat momentan rund 20 Mitglieder“, sagt der THW-Ortsbeauftragte Christoph Graf. Der 25-Jährige kam vor vielen Jahren durch das Kinderferienprogramm zum Hilfswerk, erzählt er.

Auch neben der Marienkirche, bei der Kinderfeuerwehr, stehen die kleinen Besucher des Sicherheitstages Schlange, um einmal im großen Einsatzfahrzeug Platz nehmen zu können. Tanay, (zwei) und sein großer Bruder Boran (sechs), sind mit ihrem Vater aus Eningen gekommen. „Die beiden lieben alles, was ein Blaulicht hat“, sagt dieser. Daheim hätten sie schon jede Menge Feuerwehrautos im Miniaturformat.

Seit der Gründung der Kinderfeuerwehr im Mai 2012 laufe die Jugendarbeit wieder blendend, sagt Ralf Henes. In die Kinderfeuerwehr können Kinder zwischen sechs und elf Jahren eintreten. Henes ist der Leiter der sieben Kinderfeuerwehrgruppen in Reutlingen. Er erzählt, dass momentan rund 130 Kinder dieses Angebot wahrnehmen. „Rund 80 Prozent treten dann auch in die Jugendfeuerwehr über.“ Bei den Kindern sei eine riesige Begeisterung für die Feuerwehr und ihre Aufgaben vorhanden – deshalb sei es auch so wichtig, schon Angebote fürs Grundschulalter zu haben.

Auf dem Marktplatz ist Reutlingen ist Gesamtkommandant Harald Hermann an diesem Sonntag ein gefragter Ansprechpartner. „Die Besucher haben viel Interesse an der Feuerwehr“, sagt er. „Die Kinderangebote werden viel nachgefragt, viele wollen auch generell wissen, wie eine Ausbildung bei uns aussieht, welche Pflichten man hat.“ 420 Kräfte hat die Reutlinger Gesamtwehr momentan, rund 120 Jugendliche engagieren sich zudem in der Jugendfeuerwehr. Hermann sieht Reutlingens Wehr in puncto Nachwuchsarbeit sehr gut aufgestellt, „im oberen Drittel“ im Vergleich zu anderen Städten.

Bei prächtigem Herbstwetter mit Sonnenschein zieht ein kleiner Wasserfall die kleinen Besucher beinahe magisch an. Dieser plätscherte aus einem Schiebebott, das normalerweise bei Hochwasser im Einsatz ist. „Wir konnten ja schlecht den ganzen Marktplatz unter Wasser setzen, nur um das Boot zu präsentieren“, erklärt Hermann. „Also haben wir es halt umfunktioniert.“

Auf dem Marktplatz hatte das Deutsche Rote Kreuz mehrere Stände aufgebaut. Erste-Hilfe-Ausbilder Hans Leibfritz zeigt den Besuchern, wie man Personen wiederbelebt. „Die meisten Besucher wissen schon noch, dass man drücken muss“, sagt er. „Aber nicht wie oft oder wo genau.“ Dass man den Kopf der leblosen Person dabei auch überstrecken muss – „dass weiß kaum einer noch auf Anhieb“, so Leibfritz. Dabei sei gerade das essentiell: „Sonst kommt die Luft gar nicht durch die Luftröhre.“ 30 mal drücken, dann zwei mal beatmen: Das wiederholt Leibfritz an diesem Sonntag oft.

Nebenan gibt es einen heftigen Auffahrunfall. Selbstverständlich keinen echten: Unter den Augen vieler Zuschauer zeigen drei Feuerwehrmänner, wie man einen eingeklemmten Fahrer aus einem Unfallauto befreien kann. „Die neuen Autos sind meist sehr robust gebaut“, sagt Christoph Haas, der Abteilungsleiter der Innenstadt-Feuerwehr. „Bei Geschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometer können die Personen nach einem Auffahrunfall oft noch aussteigen.“ Bei höheren Geschwindigkeiten werde die robuste Bauweise dann zum Problem: „Das erschwert es uns leider, das Auto aufzuschneiden“, so Haas.

Auch die Polizei und das Ordnungsamt, die Kreisverkehrswacht und die Johanniter waren mit Ständen und Infomaterial vor Ort. Außerdem hatten viele Geschäfte geöffnet. Rund 35 000 Besucher bevölkerten die Innenstadt, schätzen die Veranstalter von den Organisationen, von RTaktiv und vom Stadtmarketing.

200

Helfer der verschiedenen Organisationen waren beim 19. Sicherheitstag in der Reutlinger Innenstadt im Einsatz. Sie erzählten von ihrer Arbeit und beantworteten allerlei Fragen.

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