Die Tage zählen, bis endlich der Ruhestand beginnt? Kommt für Wolfgang Löffler nicht in Frage: „Mir hat das ja immer Spaß gemacht!“ Ende September verlässt der 67-Jährige die Pressestelle der Stadt. Ruhig, besonnen und immer mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen – Löffler hat in seinen 16 Jahren als städtischer Pressesprecher und Amtsleiter immer versucht, einen guten Draht zu allen Seiten zu pflegen: Zu den Gemeinderäten („Da bin ich aber mit keinem per du“) wie auch zu den Journalisten.

Zu denen hat er schließlich auch mehr als zwei Jahrzehnte lang gehört. Zuerst als Freier Journalist für verschiedene Printmedien, dann als Radio-Journalist und Programmchef beim „Neckar Alb Radio“. Von der Redaktion in die Pressestelle: Was viele Journalisten skeptisch als nahezu unwiderruflichen „Seitenwechsel“ betrachten, war für Löffler damals kein Problem. Als die Lizenz des „Neckar Alb Radios“ 2003 an „Radio Ton“ verkauft wurde, war ihm klar: „Jetzt will ich nochmal was anderes machen!“

Thomas Reumann, damals Finanzbürgermeister der Stadt, habe ihm die städtische Pressestelle schmackhaft gemacht, erinnert er sich: „Und ich hab’ gesagt: Alles, wo ich noch atmen kann, ist gut.“ Freiräume habe er unter dem Regiment von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch stets gehabt, sagt Löffler: „Sie hat immer zugelassen, dass man seine Meinung sagt.“ Bosch trat ihren Dienst als OB 2004 fast zeitgleich mit Löffler an – und unter anderem wegen ihr verlängerte der Pressesprecher 2018 seinen Dienst auch nochmal um ein Jahr. Ganz nach dem Motto: Zusammen gekommen, zusammen gegangen. Ja, auf seine langjährige Chefin lässt Löffler nichts kommen. Mit viel Mut habe sie kurz nach ihrem Amtsantritt beispielsweise die Stadthalle erkämpft: einen Meilenstein für das Selbstbewusstsein der Stadt, wie er sagt. „Mit ihren klaren Worten hatte ich nie ein Problem.“

Dass er in Tübingen (genauer: in Bühl) wohnt, beruflich aber die Stadt Reutlingen vertritt, sei nie ein Problem gewesen, sagt Löffler und scherzt: „In Tübingen war keine Stelle mehr frei, Palmer ist ja sein eigener Pressesprecher.“ Vielmehr habe ihn seine Arbeitszeit auf dem Rathaus erst recht mit der Achalmstadt verbunden.

So sehr, dass selbst der sonst so besonnene Löffler ziemlich energisch wird, wenn beispielsweise die Stadtkreis-Debatte auf den Tisch kommt. „Was sich das Innenministerium hier geleistet hat, ist eine Frechheit“, platzt es aus ihm raus. Der Antrag der Stadt sei liegen gelassen und dann mit „einer Rotzigkeit sondersgleichen“ behandelt worden. Ja, während der jahrelang schwelenden Stadtkreis-Debatte habe er auch politisch nochmal einiges dazugelernt, resümiert der 67-Jährige.

Dass man vieles erst im und am Krisenfall lernt, erlebte er beispielsweise 2016: Als ein Syrer seine Freundin umbrachte – später als „Dönermesser-Mord“ bekannt – herrschte in der Stadt große Unsicherheit. Die Polizei gab aber erst am späten Abend eine Pressekonferenz. „Da rief sogar die Deutsche Presse Agentur bei mir an“, erinnert sich Löffler. Sein Amt war de facto nicht zuständig, irgendwelche Auskünfte zu geben: „Aber wir waren trotzdem in der Verantwortung.“ Er hatte Angst, dass die Stimmung in der Stadt kippt. Also habe er das getan, was er sowieso bei jeder Krise für richtig halte: „Das sagen, was man weiß. Nicht mehr und nicht weniger.“ Löffler sagt von sich, dass er während seiner Amtszeit nie gelogen hat.

Schnelles Handeln in Krisensituationen

Neben der Wahrheit komme es bei Krisen vor allem auf Schnelligkeit an: „Du hast eine Stunde Zeit.“ In dieser Stunde entscheide sich, ob die Bürger das Krisenmanagement als gelungen oder misslungen wahrnehmen, sagt Löffler. Ein eindrückliches Beispiel dafür sei der Hagelsturm 2013 gewesen: Sofort sei er aus dem heimischen Bühl nach Reutlingen gefahren und habe sich – mit Laptop und Handy bewaffnet – in die Einsatzzentrale der Feuerwehr gesetzt. Dann wurde geteilt, berichtet und beruhigt, was das Zeug hält. Denn viele Bürger kamen bei den Notrufnummern nicht durch – für sie war es eine Beruhigung, wenigstens über die städtischen Kanäle informiert zu werden.

Mit der Zeit zu gehen und neue Dinge auszuprobieren: Das war für ihn immer unerlässlich, sagt Löffler. Die Reutlinger Pressestelle war 2010 beispielsweise eine der ersten, die mit der Nutzung Sozialer Netzwerke begann. Von Facebook hatte er damals durch den Städtetag erfahren. Seit 2011 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Presseamtsleiter im Städtetag des Landes. 2012 wurde er schließlich aus Baden-Württemberg in den Presseausschuss des Deutschen Städtetages berufen.

Löffler weiß, dass sich nach seinem Weggang in der Pressestelle einiges ändern wird – und muss: „Man wird noch schneller auf alles antworten und reagieren müssen“, sagt er. Im Juni hatte er nochmal verlängert: Damit OB Thomas Kecks Amtszeit nicht gleich mit einer großen Rochade in der Pressestelle beginnt und damit das Amt in der Urlaubszeit geordnet an seine Nachfolgerin übergeben werden kann. Ende September ist aber endgültig Schluss. Und was macht der Rentner Wolfgang Löffler dann den ganzen Tag? Kurze Denkpause, dann ein Lachen: „Ja, das frag ich mich auch.“ Er hätte gerne mal wieder das Gefühl, dass ihm richtig langweilig ist, sagt er. Und dann, wenn’s zu langweilig wird, will er sich seinem Hobby widmen: der Fotografie.

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