Reutlingen Planie 20 - 22: Der erste Schritt zum Dialog

Alle Gemeinderatsfraktionen sind darauf bedacht, das schlüssige Konzept der drei Bürgerinitiativen über einen breiten Nutzungsmix für die Planie 20-22 in das Verfahren einzubringen. Foto: PR
Alle Gemeinderatsfraktionen sind darauf bedacht, das schlüssige Konzept der drei Bürgerinitiativen über einen breiten Nutzungsmix für die Planie 20-22 in das Verfahren einzubringen. Foto: PR
Reutlingen / PETER U. BUSSMANN 28.06.2013
Um zum einen den Interessen der Stadt, sprich der Bürger, zum anderen aber auch denen der Investoren und künftigen Nutzer gerecht zu werden, geht man beim Heinzelmann-Areal ganz neue Wege.

Es brauchte gestern Abend eine Weile, bis auch das letzte Mitglied des Gemeinderats den neuen Weg in Sachen städtebauliches Sanierungskonzept für die Planie 20-22 so weit verstanden hatte, das es bereit war, ihn mitzugehen. Anders als üblich, wo zuerst eine Bauleitplanung in Form eines Bebauungsplans erstellt und danach ein Objekt oder Grundstück zur Vergabe ausgeschrieben wird, schlug die Verwaltung für das ehemalige Heinzelmann-Areal eine parallele Vertaktung mit dem neuartigen, dem europäischen Vergaberecht entstammenden wettbewerblichen Dialog vor. Bei diesem Verfahren werden mit den frühzeitig einbezogenen potenziellen Kaufbewerbern alle wesentlichen Aspekte für die Entwicklung des Areals wie Städtebau, Architektur, Nutzungen oder Ökologie zu einem Gesamtkonzept ausgearbeitet und am Ende deren Konzeption und Gebot in den Wettbewerb gestellt. Während des gesamten Procedere ist der Gemeinderat, wie auch beim gleichzeitig ablaufenden Bebauungsplanverfahren, Herr des Verfahrens.

Gestern nun galt es, dieses ungewöhnliche, aber zeitsparende, kreative und verlässliche Verfahren zu beschließen. Nur grundsätzlich, ohne inhaltlich ins Detail gehen zu wollen, wie OB Barbara Bosch mit den städtischen Planungsexperten Stefan Dvorak und Bernd Krause immer wieder betonte: "Wir geben nur den Startschuss für das Verfahren insgesamt."

Dem stimmten die Sprecher aller Fraktionen - mehr oder weniger voll des Lobes für den neuen Ansatz - einhellig zu. Deutlich wurde dabei auch, dass die drei Bürgerinitiativen mit ihrem - den Fraktion und der Verwaltung detailliert bereits vorgestellten Bürgerkonzept "Zeitgeist trifft Zeitzeuge" (wir berichteten) - ganze Überzeugungsarbeit geleistet hatten. Dieses Konzept, so die Räte unisono, sollte unbedingt in die weiteren Überlegungen einfließen, wenn nicht gar federführend werden.

Gabriele Janz indes wollte hier des Guten zuviel. Ihr oblag es, den Grünen-Antrag zu begründen. Gerade der bürgerschaftliche Ansatz des Initiativen-Konzepts sollte jetzt schon in die Unterlagen aufgenommen werden, forderte ihre Fraktion.

Neben dem Widerstand der Vorsitzenden zogen sich die Grünen damit den Unmut der anderen zu. Die OB bekam für ihren Geschäftsordnungsantrag, den Grünenantrag in den Ausschuss zurückzuverweisen, die erforderliche Mehrheit. Die Verwirrung klärte sich allmählich, die Grünen zogen ihren Antrag zurück und wollen ihn nun zur passenden Zeit stellen.

Bei Stimmenthaltung der vier Grünen-Räte wurde der wettbewerbliche Dialog vertaktet mit dem Bebauungsplanverfahren schließlich "einstimmig auf den Weg geschickt", wie es OB Bosch sichtlich erleichtert kommentierte.

Wie komplex dabei die Gedankengänge waren, führte RSÖ-Rat Thomas Ziegler musterhaft aus: Obwohl das Gremium damit sein "Königsrecht" der Planung aus der Hand gebe, müsse man, um den Vorschlag der Initiativen im Spiel zu halten, pragmatisch entscheiden und deshalb dem Wettbewerb zustimmen.

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