Reutlingen Perfekter Lückenschluss

Mit den geschenkten Gemälden von Paul Uwe Dreyer (links vorne ‚Tafel Triton’ und rechts daneben ‚Der Gruß an Mr. Chippendale’) posieren (von links) OB Barbara Bosch, Witwe Ortrud Dreyer, Kulturbürgermeister Robert Hahn, Nachlassverwalterin Anja Rumig und Dr. Holger Kube Ventura, der Leiter des Kunstmuseums Reutlingen / konkret.
Mit den geschenkten Gemälden von Paul Uwe Dreyer (links vorne ‚Tafel Triton’ und rechts daneben ‚Der Gruß an Mr. Chippendale’) posieren (von links) OB Barbara Bosch, Witwe Ortrud Dreyer, Kulturbürgermeister Robert Hahn, Nachlassverwalterin Anja Rumig und Dr. Holger Kube Ventura, der Leiter des Kunstmuseums Reutlingen / konkret. © Foto: Peter U. Bussmann
Von Peter U. Bussmann 10.07.2018

Dieses Geschenk fügt sich prächtig in unseren Bestand“, zeigte sich gestern Vormittag Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hocherfreut über die jüngste Zuwendung fürs Kunstmuseum. Die Witwe Ortrud Dreyer und ihr Sohn Benjamin haben auf Anraten der Nachlassverwalterin Anja Rumig elf wertvolle Gemälde ihres 2008 verstorbenen Mannes Paul Uwe Dreyer der Stadt geschenkt. Die teilweise großformatigen Gemälde mit einem Versicherungswert von 225 500 Euro stammen aus den Jahren 1963 bis 2006 und repräsentieren alle wichtigen malerischen Werkphasen des Künstlers.

Für Ortrud Dreyer ist die Schenkung ans Kunstmuseum „ein Projekt für die Zukunft“. Sie zeigte sich gestern überzeugt, „dass Dreyer hier bestens aufgehoben ist, dass sich Leute damit beschäftigen und er hier eingeordnet wird“.

Das  konnte Dr. Holger Kube Ventura, der Leiter des konkreten Kunstmuseums, der Schenkenden fest zusagen: „Die elf Werke füllen eine Leerstelle im Museum und passen unglaublich gut in die Sammlung.“ Zumal die von ihm mit der Nachlassverwalterin Anja Rumig getroffene Auswahl die Entwicklung des Künstlers „vom Sehen zur Abstraktion“ verdeutlicht. Rumig erläuterte die Werke von Dreyer, „der nie abbildend tätig war, sondern immer stilisiert hat“. Dennoch zeigen die ersten Bilder aus den 60ern die „Komposition des Gesehenen“, der Künstler ließ sich hier von südfranzösischer Kirchenkunst, aber auch afrikanischen Fassaden inspirieren. Im Laufe der Jahre werden die Werke immer grafischer und er schuf „unterschiedliche Binnenflächen für ein Raumerleben“. Deshalb sagt der Singener Kunstmuseumsleiter Christoph Bauer: „Eine Geschichte der reduzierten konkret-konstruktiven Malerei und auch eine Geschichte der Kunst des deutschen Südwestens lässt sich ohne Berücksichtigung des Werks von Paul Uwe Dreyer nicht schreiben.“

Alle geschenkten Werke Dreyers werden Teil einer großen Malerei-Ausstellung, die das Kunstmuseum / konkret ab März ’19 als zweiten Querschnitt zeigt.

Zur Person Paul Uwe Dreyer

Paul Uwe Dreyer (1939-2008) war ein berühmter Maler, Zeichner und Grafiker der Konkreten Kunst. Von 1987 bis 1991 sowie von 1998 bis 2004 war er Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dreyer erhielt für seine Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und die Verdienstmedaille des Landes.

Der Kunsthistoriker Alexander Tolnay äußerte sich zum Schaffen Paul Uwe Dreyers 1991:  „Man müsste die Kunst von Paul Uwe Dreyer als ‚Huldigung an den Diagonal‘ definieren. Diese bereits von Kandinsky beschriebene Gestaltungsart, in welcher Richtung und Winkelgrat über den künstlerischen Ausdruck zwischen Lyrik und Dramatik bestimmen, ist ein stets wiederkehrendes gestalterisches Element in Dreyers Werken.“

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