Am Ende glaubte Amtsrichter Eberhard Hausch dem Beschuldigten seine Geschichte dann doch nicht so ganz. Auch wenn, das wurde im Laufe der Verhandlung deutlich, wohl ein seit Jahren schwelender Nachbarschaftsstreit der Auslöser für die ganze Angelegenheit war. Die Fakten sind unumstritten: Ein pensionierter Reutlinger Pathologe, hoch angesehen in seinem Fach, vergrub ein Kubikmeter Glas-Objektträger mit biologischem Material in seinem Garten. Beobachtet wurde er dabei von seiner Nachbarin, die postwendend die Polizei alarmierte und diese wiederum das Landratsamt einschaltete. Der Bußgeldbescheid in Höhe von 400 Euro kam prompt, gegen den der Pathologe Widerspruch einlegte. Denn, so führte er vor Gericht aus, keineswegs habe er die Objektträger entsorgt, sondern im Garten archiviert. Es handle sich um sein Patientenarchiv, das er per Gesetz auch zu Forschungszwecken aufbewahren müsse, das aber angesichts der bereits 10 000 Bücher und 50 000 Dias im Haus beim besten Willen keinen Platz mehr finde. Die Lagerung im Garten sei geradezu optimal wegen der Temperaturen und des Lichtschutzes. Und im übrigen sei auf den Objektträgern „nicht mehr biologisches Material vorhanden als in jedem Schnupftuch“, sagte der Pathologe auf Nachfrage.

Als „uneinsichtig“ bezeichnete ein Polizeibeamter im Zeugenstand den Beschuldigten. Zuerst habe dieser nämlich berichtet, es handle sich um eine Entwässerung des Gartens, weshalb er die Objektträger in den Entwässerungsgraben eingelassen habe. Dies habe er dann später revidiert und davon gesprochen, es handle sich um eine Verlagerung seines Archivs in den Garten. Eine Aussage, die wiederum den Beschuldigten auf die Palme brachte. „Völlig falsch“, entgegnete der Pathologe. Er habe den Beamten von Anfang an gesagt, dass es sich um keine Abfallentsorgung, sondern um eine Verlagerung seines Praxisarchivs handle. Und im Übrigen sei er entsetzt darüber, wie in einem Rechtsstaat mit einem unbescholtenen Bürger und angesehenen Pathologen umgegangen werde.

Amtsrichter Hausch glaubte dem Beschuldigten nicht. Er verurteilte den Pathologen zu einer Geldbuße von 1200 Euro. Schließlich hätte die fachgerechte Entsorgung rund 800 Euro gekostet, wie ein Vertreter eines medizinischen Entsorgungsunternehmens als Zeuge ausgesagt hatte. Hausch ist überzeugt, wie er in seiner Urteilsbegründung darlegte, dass der Pathologe die Archivierung nur vorgeschoben habe, als er ertappt worden sei.