Einstimmig, bei einer Enthaltung von Susanne Müller (Grüne),  hat sich der Gemeinderat am Donnerstagabend dafür ausgesprochen, dass zukünftig der Autofahrer seine Parkgebühren per Handy  bezahlen kann. Die Stadt arbeitet hierfür mit Park-Now, einer Tochterfirma von BMW und Daimler zusammen. Die beiden Automobilhersteller kooperierten bei den Mobilitätsdienstleistungen und wollten stark in diese Bereiche investieren, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. Insofern sei eine gewisse Stabilität vorhanden, die eine Perspektive für eine längere Zusammenarbeit schafft.

Durch die Zusammenarbeit mit Park-Now verfügt die Stadt über die Möglichkeit, flächendeckend auf allen bewirtschafteten Straßenparkplätzen und in allen städtischen Parkhäusern das Handyparken einzuführen. Mit dem digitalen Parksystem können Parktickets per App, Web, SMS oder per Anruf im Servicecenter gelöst werden. Die Parkzeit wird mit einem Fingertipp am Handy gestartet und am Monatsende gibt es eine Sammelrechnung. Zunächst soll das neue System in den Tiefgaragen Rathaus, Tübinger Tor und Stadthalle sowie im Innenstadtbereich zeitnah umgesetzt werden, erläuterte Peter Wilke, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Immobilien, im Rat. Um die Schrankenanlagen in den Tiefgaragen umzurüsten, sind 37 000 Euro im laufenden Haushaltsjahr eingestellt. Darüber hinaus ist geplant, die übrigen, zentral gelegenen Parkhäuser ebenfalls an das Handyparken anzubinden. Allerdings befinden sich diese in Privatbesitz.

Derzeit arbeitet die Stadtverwaltung an einem Belohnungsmodell. Eine zentrale Rolle in diesem System kommt dem  Einzelhandel zu. Sowohl Einzelhändler als auch Gastronomen sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Kunden für einen Einkauf vor Ort zu „belohnen“. Diese könnten für einen Einkauf oder einen Restaurantbesuch Gutschriften von den Händlern und Gastronomen in Form von Punkten erhalten, die wiederum nach eigenem Belieben in der Innenstadt verwendet werden könnten, beispielsweise für ein Park- oder Busticket. Voraussetzung ist, dass beide Seiten (Kunde und Einzelhändler) am Belohnungsmodell teilnehmen.

Dieses Belohnungsmodell, dessen konkrete Ausgestaltung noch offen ist, stand im Zentrum der Diskussion. Während SPD-Stadtrat Sebastian Weigle sich für ein letztendlich Nutzer neutrales Bonussystem aussprach, forderte Linken-Stadtrat Rüdiger Weckmann ein System, das die Nutzung des Umweltverbundes belohne. Schließlich gehe es darum, die Zahl der Parkplätze sukzessive zurückzudrängen.

Nur eine Zwischenlösung?

Für Gabriele Janz können Handyparken und Belohnungssystem nur eine „Zwischenlösung“ sein.  „Unser Ziel muss sein, dass wir weniger Autos in der Altstadt haben. Wir können uns diesen Flächenverbrauch nicht leisten“, betonte die Fraktionssprecherin  der Grünen und Unabhängigen. Viele Leute könnten auf das Auto  nicht verzichten, sagte Hagen Kluck: Für den FDP-Stadtrat ist das neue System ein Schritt hin zu  modernem Parken.  Mit Zwang werde man die Autos nicht  aus der Stadt herausbekommen. „Das geht nur mit attraktiven Angeboten“, zeigte sich Klucks Fraktionskollegin Regine Vohrer überzeugt.

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Erwartungen ans neue System


Die Stadtverwaltung hat in ihrer Vorlage aufgelistet, wie Nutzer und Stadt vom neuen System profitieren können.

Vorteile für Nutzer:
■ Mehr Komfort (keine Parktickets ziehen, bargeldlose Bezahlung, Automatische Schrankenöffnung bei Tiefgarageneinfahrt…);
■ Keine Wartezeiten an den Parkautomaten;
■ Nachbuchungen bei laufenden Parkvorgängen innerhalb der Höchstparkdauer von überall möglich;
■ Minutengenaue Abrechnung möglich;
■ Informationen über freie Parkplätze, Parkhäuser (Parkplatzprognose) über das Handy abrufbar;
■ Einführung des Handyparkens kurzfristig möglich.

Vorteile für die Stadt:
■ Mittelfristig werden weniger Parkautomaten gebraucht, Parkraumüberwachung wird einfacher.
■ Möglichkeit zur Analyse von Parktrends;
■ Werbungsmöglichkeiten über die App;
■ Reduzierung des Parksuchverkehrs durch Parkprognose und Navigationsfunktion;
■ Ganzheitliche Lösung für das Handyparken am Straßenrand und den Parkhäusern sowie der Belohnungspunkte in einer App.