Reutlingen Palmer-Schnitt lebt weiter

© Foto: Dietmar Czapalla
Reutlingen / Dietmar Czapalla 18.02.2015
Der Obstbaum-Schnittkurs nach "Öschberg-Palmer" stand auf dem Winterprogramm des Umweltbildungszentrums Listhof. Die Leitung hatte Diplom-Biologe Theo Dittmar. Der erste Termin fiel der Kälte zum Opfer.

„Ich bin hier, damit ich meine Bäume endlich richtig schneiden kann“, sagte ein Eninger, der auf seinem Gütle am Georgenberg fünf Obstbäume sein Eigen nennt. Der Ruheständler war einer von insgesamt 22 Besuchern, die zum Umweltbildungszentrum (UBZ) Listhof gekommen waren, um „dazu zu lernen“.

Im Rahmen des UBZ-Winterprogramms waren zwei Lehrgänge im Rahmen von „Bildung für nachhaltige Baumentwicklung“ zum nunmehr 15. Mal angedacht. Der am 7. Februar geplante erste Termin mit dem Titel „Pflanz- und Erziehungsschnitt von Obstbäumen im Öschberg-Palmer-Schnitt“, war den heftigen Minusgraden zum Opfer gefallen. Am vergangenen Samstag nun startete der zweite Termin mit dem Thema „Naturnaher Obstbaumschnitt“ bei nahezu frühlingshaften Temperaturen.

Der Diplom-Biologe und Fachwart für Obst- und Gartenbau Theo Dittmar begrüßte die Obstbaumbesitzer im Seminarraum des UBZ und vermittelte den 22 Teilnehmern – darunter auch neun Frauen – zunächst Wissenswertes über Fachbücher, Sägen und Scheren, Bindematerial, Baumleitern, Wundbalsam und mehr. Auch informierte er über Hoch- und Halbstämme, Sämlingsunterlagen, Veredlungsmethoden, Pflanztiefen, Standorte, Schädlingsbefall und Bodenverbesserung. Auf den Kursteilnehmern für daheim in die Hand gedrückten Informationsblättern machte der Referent auf 13 beim Obstbaumschnitt unbedingt einzuhaltende Punkte besonders aufmerksam.

Nach 30 Minuten geballter Theorie ging es hinaus zu einer nahen Streuobstwiese im Naturschutzgebiet Listhof, wo sich Dittmar zunächst an einem drei Meter hohen, durch Hagel und Blattläuse arg geschädigten Apfel-Jungbaum zu schaffen machte. Ausführlich ging er auf die Schnittmaßnahmen ein, die notwendig sind, um einen dauerhaften Ertrag zu sichern. „Auch wenn wir nur maximal 25 Prozent abschneiden dürfen, lassen Sie uns aus diesem Krüppel wieder einen vernünftigen Baum machen.“ Indem er die Aspekte des Naturschutzes aufzeigte und erklärte, blieben auch die gänzlich unerwünschten Folgen von die Wurzeln der Obstbäume abnagenden Wühlmäuse nicht unerwähnt.