Streit über die Windkraft gibt es überall - allenthalben ist er auch weltanschaulich geprägt. Viele sind für die Energiewende. Doch wenn es konkret um Windräder vor ihrer Haustüre geht, finden sie auf einmal genügend Argumente, dagegen zu sein.

Was den Lichtensteiner Gemeinderat angeht, ist das etwas Anderes. Der hat dicke Pfunde, mit denen er wuchern kann. Es geht darum, dass die Windräder, die im Nordosten der Sonnenbühler Markung errichtet werden sollen, das Kulturdenkmal und Tourismusziel Schloss Lichtenstein geradezu "optisch umzingeln" würden. Besonders fiele dies den Lichtensteinern beim Blick vom Teilort Holzelfingen zum Schloss auf, aber auch den Bürgern in Ohnastetten und Engstingen.

Waren es zunächst sieben Windkrafträder, stehen nunmehr noch fünf zur Debatte. Diese sollen westlich und südwestlich des Schlosses, also im Nordosten der Sonnenbühler Gemarkung "Hohfleck", errichtet werden. Selbst bei einer mittleren Kapazitätsauslastung von nur 31 Prozent - es bläst auch in Sonnenbühl nicht immer der Wind - reichte dies aus, so die Firma Sowitec, um 12 500 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Die "Vestas" mit 126 Metern Rotordurchmesser auf 137 Metern Nabenhöhe über Geländeniveau liegen ausschließlich im bewaldeten Gebiet, heißt es bei der Firma Sowitec. Und werden in ihrer Gesamtheit rund 200 Meter hoch sein. Doch auch die Behörden sagen da ganz klar, dass "Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert (einer Landschaft) bewahrt werden" sollen. Hinzu kommt: Bei der Auswahl von Standorten für Windräder sind "historisch gewachsene Kulturlandschaften - auch mit ihren Kultur-, Bau- und Bodendenkmälern sowie der Sichtbarkeit der Anlage im Nah- und Fernbereich" - ein wichtiges Kriterium.

Das weiß auch der gelernte Jurist Wilfried Schneider, der für die FWV im Lichtensteiner Gemeinderat sitzt. Und der sich als Ortsvorsteher von Honau, auf dessen Gemarkung sich das Märchenschloss befindet, besonders vehement gegen das Vorhaben der Firma Sowitec ausspricht. "Bei der Standortsuche ist immer das Landschaftsbild zu betrachten", so Schneider. Viele andere Kriterien seien bei der Planung auch nicht berücksichtigt worden. Kurz: Es liege auch ein "offenkundig rechtswidriger Flächennutzungsplan vor", so Schneider.

Britta Waschl (SPD) konterte: "Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose. Die Umwelt schützen, indem man sie nutzt", ist ihr Petitum für die Anlagen. Und Arnold Sendler (Grüne) ergänzte: "Energie muss regenerativ und nachhaltig sein". Das Schloss "in seiner Wirkung bleibt doch erhalten".

Der Rat beschloss mit zwölf Ja-Stimmen - bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung - sich im Rahmen der Stellungnahme im "immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren" gegen drei von fünf geplanten Standorten für Windräder auszusprechen.