Das offene Weihnachtssingen erfreut sich immer größerer Beliebtheit und ist eine Veranstaltung für die ganze Familie, von den Großeltern bis zu den Kindern. In vielen Städten der Republik ist es ein schöner Brauch geworden sich auf einem öffentlichen Platz in der Adventszeit zu treffen und zusammen einige der schönsten und bekanntesten Weihnachtslieder zu singen - solch eine Veranstaltung gibt es bis dato bei uns noch nicht.

Weihnachtsingen in Münsingen, Metzingen und Reutlingen

Die SÜDWEST PRESSE lädt in Zusammenarbeit mit Chorleiter Thomas Preiss unter der Schirmherrschaft der jeweiligen Stadtoberhäupter zum offenen Weihnachtsingen nach Münsingen, Metzingen und Reutlingen.

Musikalischer Leitung der Veranstaltungen: Thomas Preiß

Der 51-jährige Musiklehrer, Chorleiter, Komponist und Pianist Thomas Preiß leitet neben den Schulchor am Friedrich-List-Gymnasium auch den Schüler-Lehrer-Chor „Sing-Emotions“ an der Albert-Schweitzer-Schule in Stuttgart-Rohr. Seit vielen Jahren ist er pädagogischer Leiter im Auftrag des Kultusministeriums des Landes Baden-Württemberg und Dozent des Schwäbischen Chorverbandes bei der Chormentoren-Ausbildung. Im Dezember 2015 wurde Thomas Preiß für seine hervorragenden künstlerischen Leistungen zum Chordirektor BDC ernannt.

Highlight: Begrüßung der Königin Silvia von Schweden

Darüber hinaus hat er die musikalische Leitung des Gesangvereines Raidwangen und Liederkranzes Reutlingen inne. Neben seinen regelmäßigen Konzerten kann Thomas Preiß auch auf besondere musikalische Auftritte zurückblicken: Wie die Begrüßung der Königin Silvia von Schweden auf dem Stuttgarter Flughafen, Auftritt im ZDF-Fernsehgarten in Mainz oder die Eröffnung der 20. Unesco-Charity-Gala in Düsseldorf.

Herr Preiß, singen macht glücklich, stimmt das aus ihrer Erfahrung?

Thomas Preiß Singen ist eine der ureigensten Ausdrucksweisen des Menschen. Es macht nicht nur glücklich, sondern stärkt auch das körperliche Wohlbefinden und die Immunabwehr in jedem Alter. Ich erlebe nach jeder Chorprobe, dass meine Sänger trällernd, pfeifend und miteinander scherzend gemeinsam den Proberaum verlassen. Ebenso ist es in der Schule: Wird am Ende des Musikunterrichts gesungen, verlassen die Schüler aufgeweckt und summend den Musikraum mit einem Lächeln im Gesicht. Singen im Chor verbindet. Es steigert das Gefühl der Zugehörigkeit und den Zusammenhalt in der Gruppe. Die Chormitglieder haben dieselben Ziele, und jeder ist mit seiner Stimme ein wichtiger Bestandteil des Ganzen. Man vergisst den Alltag, weil man sich auf die Musik konzentriert und auf das, was man in einem Musikstück umsetzen will, wie etwa Aussprache, Melodiegestaltung, Atmung, Lautstärke. Dadurch ist man abgelenkt und lässt die Sorgen hinter sich.

Jeder Mensch kann singen oder ein Instrument lernen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung heraus bestätigen?

 Jeder Mensch kann singen lernen, genauso wie jeder Mensch ein Instrument lernen kann. Selbstverständlich spielen Talent und Begabung auch eine Rolle, aber grundsätzlich hat jeder gesunde Mensch die Möglichkeit, singen zu lernen. Der oft gehörte Satz: „Ich kann nicht singen“ ist meistens nur eine Ausrede und eine höfliche Umschreibung für: „Ich habe keine Lust zu singen“. Wir Chorleiter sind dazu da, mit Stimmbildung, Gehörbildung, Fachwissen und chorpädagogischer Erfahrung zu unterstützen und eine sangeswillige Gemeinschaft zu einem guten Ergebnis zu führen. Das macht die Arbeit mit Laienchören und Schulchören besonders interessant. Viel mehr als bei einem professionellen Chor kann man hier an grundlegenden Dingen arbeiten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Man arbeitet als Chorleiter mit einem lebenden Instrument, und es ist spannend, aus jedem „Instrument“ das Beste herauszuholen.

Wie sind Sie zur Musik gekommen, und was brachte Sie dann dazu, aus der Musik einen Beruf zu machen?

„Music was my first love, and it will be my last“. Diese Textzeile aus dem Song „Music“ von John Miles passt sehr gut zu mir und zu meinem Verhältnis zur Musik. Musik hat mir schon immer vieles gegeben. Sie ist immer da und sie ist bedingungslos. In jungen Jahren hat mich klassische Musik komplett in ihren Bann gezogen. Ich wollte alles verstehen, wollte begreifen, was die großen Komponisten durch ihre Musik ausdrücken wollten. Diese Möglichkeit bekam ich nach dem Abitur mit der Zulassung zum Musikstudium. Ich konnte nun alle meine Zeit dem Studium der Musik widmen. Erst mit dem Musikstudium erschloss ich mir auch den Bereich der Unterhaltungsmusik, den ich auch heute sehr genieße. Innerhalb meiner Ausbildung unterrichtete ich in Schulen und kam auf diese Weise immer mehr in Berührung mit jungen Menschen. Dies zeigte mir, wie toll Schule sein kann, und ich sehe auch heute noch, was wir für nette, freundliche und überaus engagierte junge Menschen auf dieser Welt haben. Besonders schön ist es, wenn man mit ehemaligen Schülern über die Musik in Verbindung bleiben kann. Immer wieder begegnet man sich auf einer Veranstaltung, oder noch schöner ist es, wenn man Projekte wie das offene Weihnachtsliedersingen zusammen durchführen und gestalten kann.

Sind Sie eher ein Liebhaber klassischer Musik oder auch offen für andere musikalische Stilarten?

Selbstverständlich bin ich offen für jede musikalische Stilart. Jede Form von Musik hat ihre Berechtigung. Ein gutes Musical kann genauso intensiv sein, wie Beethovens 9. Sinfonie, allerdings auf einer völlig anderen Ebene. Auch in der klassischen Musik gibt es Werke, die ich lieber mag und Werke, die ich überhaupt nicht mag. Mir ist jedoch wichtig, dass man sich kritisch und qualifiziert zu verschiedenen Bereichen der Musik äußern kann, auch wenn einem die Musik nicht gefällt.

Ist es Ihrer Meinung nach altersabhängig, ob man sich mit klassischer Musik beschäftigt oder nicht?

Man kann sich immer mit klassischer Musik beschäftigen, egal in welchem Alter. Leider spricht man der jüngeren Generation immer wieder ab, dass diese keinen Sinn für klassische Musik habe. Das ist definitiv nicht so. Umgekehrt spricht man der älteren Generation ein Interesse für moderne Musik ab. Auch das ist falsch. Meine Aufgabe als Pädagoge und Musiker ist es, jungen Menschen jegliche Form von Musik nahezubringen. Ich mache das in der Schule und in meinen Chören und sehe, dass viele junge Menschen modernen Musikrichtungen wie etwa Pop- oder Rockmusik sowie der klassischen Musik gegenüber interessiert und offen sind.

Wie wird man Chorleiter und was macht Spaß an der Arbeit mit Schulchören wie dem des Friedrich-List-Gymnasiums?

Als ich Student war, habe ich am schwarzen Brett der Musikhochschule eine Anzeige eines Vereines gelesen, der einen Chorleiter gesucht hat. Natürlich möchte man sich als Student ein paar Euro hinzuverdienen, und ich habe mich beworben. Ich habe sehr schnell Spaß und Freude an den Chören gefunden und mich auch über den Verein hinaus in der Chorszene engagiert. Das Friedrich-List-Gymnasium steht für eine intensive und fundierte musikalische Ausbildung. Bereits vor vielen Jahren haben wir die Klassenchöre eingeführt, sodass jeder Schüler der Klassen 5 und 6 im Chor singt.

Offenes Weihnachtssingen in Münsingen, Metzingen und Reutlingen: Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?

Die SÜDWEST PRESSE kam mit der Idee, das Musikleben an Schulen zu unterstützen, auf mich zu. Andererseits hatte ich mir schon länger überlegt, ein offenes Weihnachtsliedersingen zu veranstalten und wir überlegten gemeinsam, wie wir die beiden Ideen miteinander verbinden könnten. Das Ergebnis war, das offene Weihnachtsliedersingen in Münsingen, Metzingen und Reutlingen mit den Chören des Friedrich-List-Gymnasiums zu veranstalten.

Auf was dürfen sich die Besucher freuen und wer darf denn mitsingen?

Die Besucher dürfen sich auf bekannte Winter,- Advents- und Weihnachtslieder freuen. Natürlich darf und soll jeder Besucher des Weihnachtsmarktes spontan mitsingen und sich von der fröhlichen Stimmung anstecken lassen. So kann man sich von der häufig stressigen Vorweihnachtszeit eine kleine Auszeit nehmen und sich selbst, seiner Familie und seinen Freunden etwas Gutes tun. Der Schülerchor des Friedrich-List-Gymnasiums wird dabei unterstützen, sodass wir uns alle auf einen riesigen Chor freuen dürfen. Großartig finde ich, dass Johannes Popp und das Eninger Blechbläserensemble für eine weihnachtlich-stimmungsvolle Begleitung sorgen werden. Für das offene Weihnachtsliedersingen wird die SÜDWEST PRESSE ein Liederheft als Sonderbeilage herausgeben, in dem noch weitere bekannte weihnachtliche Weisen abgedruckt sind. Dieses Heft eignet sich hervorragend für das Singen mit der Familie, sowie für Firmen- oder Vereinsfeiern, wo man immer für eine gute Auswahl an Weihnachtsliedern dankbar ist.

Es gibt ja auch das klassische Weihnachtssingen, das zum Beispiel in Kirchen stattfindet. Wo liegt da der Unterschied zu dem Singen auf einem öffentlichen Platz?

Ich freue mich sehr, dass das Singen zurzeit wieder in ist. Mir ist es egal, wo man singt, Hauptsache, man tut es. Darum unterstütze ich jede Veranstaltung, die Menschen zum Singen zusammenbringt. Sicherlich kann man auf einem öffentlichen Platz sehr viele Menschen erreichen. Jeder darf mitsingen, aber keiner muss. Aber ich mache da keine Unterschiede, ob sich nur wenige oder mehrere hunderte Menschen treffen, die sich daran freuen, gemeinsam zu singen.

Was meinen Sie, warum ist es generell so beliebt, Weihnachtslieder zu singen?

Es ist die Stimmung, die von Weihnachten ausgeht. Die Familie rückt in den Mittelpunkt, man freut sich an Traditionen und Ritualen. Diese festlich-sinnliche Stimmung wird auch durch die Weihnachtslieder getragen. Alle Generationen finden hier gemeinsam eine Zeit der Besinnung, und alle freuen sich an den bekannten Liedern zur Advents- und Weihnachtszeit. Oftmals verbindet man mit den Weihnachtsliedern besonders schöne Kindheitserinnerungen und möchte dieses Gefühl an die nächste Generation weitergeben. Es geht nicht um musikalischen oder sängerischen Anspruch, sondern es geht um das besondere Gefühl, das nur von Weihnachten ausgehen kann – egal ob bei der Firmenfeier, bei der Vereinsfeier, in der Kirche oder zuhause im Kreise der Familie.

Es gibt Momente, die vergisst man nicht so schnell, welcher war bis dato ihr musikalischer Höhepunkt?

Für mich persönlich war es der Auftritt in der Carnegie Hall in New York im Dezember 2018. Hier sangen wir die Chorfantasie und die 9. Sinfonie von Beethoven. Mein Projektchor, bestehend aus Sängern des Reutlinger Liederkranzes, des Gesangvereins Raidwangen und des Friedrich-List-Gymnasiums, war der einzige Chor, der aus Europa dabei sein durfte. Es war ein musikalischer Ritterschlag, in diesem berühmten Konzerthaus musizieren zu dürfen. Wir hatten auch mal mit dem Schulchor des Friedrich-List-Gymnasiums einen Auftritt im ZDF Fernsehgarten, durften Königin Silvia von Schweden musikalisch begrüßen, als sie wegen einer Bambi-Verleihung nach Deutschland kam, und wir standen mit Nena gemeinsam auf der Bühne, als sie ein Konzert in Stuttgart gab.

Das sind die Termine: Alle dürfen mitmachen


Die SÜDWEST PRESSE lädt in Zusammenarbeit mit Thomas Preiß und unter der Schirmherrschaft der jeweiligen Stadtoberhäupter zum offenen Weihnachtssingen nach Münsingen, Metzingen und Reutlingen ein.

Termine fürs Weihnachtssingen sind: Münsingen: 1. Dezember, um 14 Uhr, Rathausplatz, Metzingen: 6. Dezember, um 17 Uhr, Kelternplatz, Reutlingen: 14. Dezember, um 17 Uhr, Marktplatz. Liedtexte werden verteilt. Der Eintritt ist frei.