Geschützte Innenbereiche. Klare Kanten zum öffentlichen Straßenraum. Ein zentrales Gebäude mit einem Quartiersplatz. Drumherum offene Höfe und viergeschossige Häuser. Gleich daneben die Arbach-Auen mit ihren gestalteten Freiflächen und einer Brücke. So sieht, kurz umrissen, der Entwurf aus, den das Düsseldorfer Architekturbüro Thomas Schüler beim Ideen- und Realisierungswettbewerb fürs Pfullinger Arbachquartier eingereicht hat. Es ist einer von 19, über die das Preisgericht am Donnerstag zu befinden hatte. Und es ist der Entwurf, der mit 13 zu null Stimmen auf Platz eins gesetzt wurde. Auch wenn der zweite Platz, der an Bogevischs Büro aus München geht, eng dran war am Sieger-Plan – am Ende war es „eine sehr eindeutige Entscheidung“, wie der Wettbewerbsvorsitzende Prof. Hans Klumpp am Freitag bei der Präsentation der Pläne in der Uhlandturnhalle betonte. Unter das Motto „Wohnhöfe am Arbachpark“ hat der Gewinner seinen Entwurf gestellt, der letztlich wohl nicht nur für den Realisierungsteil, den die Reutlinger Schöller Firmengruppe übernimmt, prägend sein wird, sondern auch für den Bereich des Geländes, den die Stadt Pfullingen bebauen will. „Das Motto der Verfasser ist eine schlüssige kohärente und angemessene Antwort auf die zentrale Frage des Verfahrens, wie das Areal zukunftsfähig zu entwickeln ist“, heißt es in der Jury-Begründung zum ersten Preis.

Das gesamte Planungsgebiet umfasst 7,86 Hektar. Entstehen werden auf dem Gelände, das zum Großteil der Familie Schmälzle gehört, das teilweise aber auch im Besitz von anderen Privatleuten und der Stadt ist, alles in allem 400 Wohnungen, die Platz für 1000 Menschen bieten sollen. Der erste Bauabschnitt, der wohl bereits in den Jahren 2018 und 2019 realisiert werden kann, besteht aus 160 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 18 000 Quadratmetern. Für ihn zeichnet die Schöller Firmengruppe verantwortlich. Ein Investor, der es immerhin geschafft hat, den Wettbewerbs-Vorsitzenden in Erstaunen zu versetzen, weil er angesichts der eingereichten Arbeiten „nicht in erster Linie auf das Zahlenwerk geguckt hat“. Willi Schöller indes sprach am Freitag von „einem ganz neuen Stadtquartier“, das am Arbachdreieck zwischen Bundesstraße und Burgweggebiet entstehen soll.

Das Quartier besteht allerdings aus noch weiteren Komponenten. Denn der Teil, auf dem die Stadt günstigen Wohnraum anbieten möchte, befindet sich im südlich gelegenen Baufeld. 150 Wohnungen mit einer Nutzfläche von 16 500 Quadratmetern für fast 400 Menschen sind hier geplant. Diese Häuser werden allerdings nicht ganz so zeitnah entstehen wie die im Schöller-Bereich. Und auch einen Teil drei des Arbachparks wird es geben: Er befindet sich dort, wo jetzt noch Gewerbebauten stehen und ist im nord-westlichen Baufeld. 100 Wohnungen könnten es in diesem verdichteten Mischgebiet werden.

Die Bewertung der 19 Entwürfe indes war eine äußerst komplexe Aufgabe, der sich 13 Preisrichter annahmen – darunter die Professoren Hans Klumpp und Wolfang Lorch, aber auch Willi Schöller und  Bürgermeister Michael Schrenk. Mehrere Kriterien galt es bei der Auswahl der besten Entwürfe zu beachten: Denn das Quartier soll keine klassische Schlafstadt werden, sondern eine innere Identifikation bekommen, es sollen Wohnungen mit guten Aussichten, aber auch guter Belichtung in nicht allzu langen Gebäuden entstehen, es gilt den Kaltluftstrom in Richtung Reutlingen zu berücksichtigen, und es ist, so Hans Klumpp, auch wichtig, dass der Arbach zwar eine gewisse Kultivierung erfährt, „aber wir wollen ihn auch nicht für eine Landesgartenschau ummodeln.“

All das beherzigt der Siegerentwurf, der nun auch die Basis für das Bebauungsplan- und Genehmigungsverfahren wird. Froh ist Bürgermeister Michael Schrenk, dass beim Wettbewerb so großer Konsens innerhalb der Jury geherrscht hat. Nach getaner Arbeit schaut er nun voraus. „Jetzt haben wir wieder etwas zu tun“, sagt er mit Blick auf die nächsten Hürden bis zur Realisierung. „Doch der Bedarf“, ist er sich in Bezug auf den Wohnraum sicher, „ist da.“

Arbeiten sind in der Turnhalle ausgestellt


Die Pläne sämtlicher 19 Wettbewerbsteilnehmer können an folgenden Tagen in der Uhlandturnhalle angeschaut werden: Samstag, 21. Januar, 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 22. Januar, 13 bis 17 Uhr, Mittwoch, 25. Januar, 16 bis 20 Uhr und Samstag, 28. Januar, 14 bis 18 Uhr.