Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat alle Tübinger aufgerufen, sich auf Corona-Antikörper testen zu lassen. So will er repräsentative Zahlen für seine Stadt bekommen, wie er am Mittwoch sagte. Nach dem Zufallsprinzip will er zudem Einwohner anschreiben und sie darum bitten, einen Test zu machen.

1000 Teilnehmer notwendig

Etwa 1000 Teilnehmer seien für eine belastbare Aussage zur lokalen Immunität notwendig. „Je mehr mitmachen, umso besser die Datenlage für uns.“ Damit könne die Stadt bei einer möglichen zweiten Infektionswelle besser reagieren.

CeGaT hat 6776 Antikörpertests durchgeführt

Seit Mitte Mai kann man sich für 25 Euro im Tübinger Technologiepark auf Corona-Antikörper testen lassen, womit überstandene Corona-Infektionen belegt werden sollen. Das Biotechnologieunternehmen Cegat, das die Tests anbietet, hat heute erste Ergebnisse vorgestellt. Innerhalb der vergangenen 14 Tage, also von Montag, 11. Mai, bis Freitag, 22. Mai, sind im Cegat-Labor insgesamt 6776 Tests analysiert worden. Bei 596 Menschen wiesen die Forscher Antikörper nach, das sind 8,8 Prozent der Untersuchten. „Das ist einer der größten Datensätze in Deutschland“, teilt Cegat-Geschäftsführer Dirk Biskup mit, der nicht überrascht ist über die „erstaunlich hohe Quote“.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Hauptsächlich kamen die getesteten Menschen aus der Region Tübingen und Reutlingen. In Tübingen selbst ließen sich 1774 auf Antikörper gegen Sars-Cov-2 testen. Bei 184 von ihnen war der Test positiv, das entspricht 10,4 Prozent. Das Landratsamt Tübingen hingegen hat bisher 530 Infizierte in Tübingen registriert, das sind 0,6 Prozent der direkt auf das Virus Getesteten.
Cegat leitet daraus eine Dunkelziffer ab, die im Maximalfall 17 Mal so groß ist wie die aktuelle Fallzahl. Doch bei dieser Berechnung müsse darauf geachtet werden, dass sich vor allem Menschen mit Symptomen, Kontaktpersonen oder Risikogebiet-Urlauber testen ließen. Die Auswertung sei dementsprechend eine „positive Selektion“, wie Biskup erklärte: „Diese Zahlen können nicht auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet werden.“

Weitere Blutentnahmestellen in Stuttgart und Reutlingen

CeGaT will nun weitere Blutentnahmestellen in Stuttgart und Reutlingen einrichten. Biskup sagte, Experten gingen zwar davon aus, dass Menschen mit Antikörpern nicht mehr infektiös und immun gegen Sars-CoV-2 seien. Wie lang diese Immunität bestehe, sei aber unbekannt.