Reutlingen/Tübingen Nur noch mit grüner Plakette

Staatssekretärin Dr. Gisela Splett während der Vorstellung der Fortschreibung des Luftreinhalteplans.
Staatssekretärin Dr. Gisela Splett während der Vorstellung der Fortschreibung des Luftreinhalteplans.
JAN ZAWADIL 26.03.2012
Feinstaub und Stickstoffdioxid belasten noch immer die Luft. Nachdem die Grenzwerte in der Lederstraße auch 2011 überschritten wurden, musste der Luftreinhalteplan fortgeschrieben werden.

Die Vorgaben sind eindeutig: Für Stickstoffdioxid liegt der Grenzwert bei 40 Mikrogramm im Jahresmittel, und die Feinstaubbelastung darf an maximal 35 Tagen überschritten werden.

Wegen des immer stärker werdenden Straßenverkehrs wurden die EU-Vorgaben in der Lederstraße 2011 deutlich gerissen, auch wenn der Jahresmittelwert beim Feinstaub mit 37 Mikrogramm ganze drei Mikrogramm unter dem Grenzwert liegt. Trotzdem lag vor allem die Feinstaubbelastung an insgesamt 67 Tagen über der Höchstmarke, und auch der Stickstoffdioxidwert überstieg mit 84 Mikrogramm im Jahresmittel die Zulässigkeit um mehr als das Doppelte.

Nachdem eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen die Überschreitung eingegangen ist, war das Regierungspräsidium Tübingen zur zweiten Fortschreibung des Luftreinhalteplans für Reutlingen gezwungen und überarbeitete in diesem Zug auch die Vorgaben für Tübingen. Während der Vorstellung der Ergänzung am Freitagnachmittag wurde jedoch deutlich, dass es vor allem die Autofahrer trifft. Denn ab dem 1. Januar 2013 tritt auch in Reutlingen die dritte Stufe des Fahrverbots in Kraft. Fahrzeuge mit gelber Plakette dürfen dann nicht mehr in Umweltzonen einfahren. Darüber hinaus sollen weitere Fahrzeuge aus dem Stadtgebiet verbannt werden, was durch eine Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, wie in der Oststadt, auf die Gebiete Steinenberg und Ringelbach erreicht werden soll, wie der Leiter des Amts für Straßen, Umwelt und Verkehr, Arno Valin, erklärte.

Sollten diese Maßnahmen nicht greifen, sind weitere Möglichkeiten bereits beleuchtet worden. So könnte es beispielsweise zu einem Durchfahrtsverbot für Lastwagen kommen - das allerdings nur, wenn eine sinnvolle Alternativstrecke vorhanden ist. Während das mittelfristig der Scheibengipfeltunnel sein wird, könnten zudem die Umweltzonen vergrößert und auf Bundesstraßen ausgeweitet werden. Zudem könnte die Nachrüstung von Linienbussen mit umweltschonenderer Technik beschleunigt werden.

"Es ist eine Daueraufgabe", meinte dementsprechend Regierungspräsident Hermann Strampfer. Wobei die Luftreinhalteplanung ein wichtiges Vorhaben sei, man sich angesichts der Klage aber auf einer Konfliktebene befinde.

Staatssekretärin Dr. Gisela Splett vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur verglich das Ganze dennoch vielmehr mit einer Radtour, bei der nun mit der Fortschreibung eine Zwischenstation erreicht sei und gleich weitere Aufträge warten würden. Nachdem die Feinstaubbelastung einen fallenden Trend aufweise, liege das Problem nun bei den Stickstoffdioxidwerten. Würden die doch stagnieren. Hauptverursacher sei hier der Straßenverkehr. Wobei mit den bisherigen Schadstoffklassen für Fahrzeuge nicht die erhoffte Minderung erreicht worden sei. Die Hoffnung liege laut Splett deshalb auf der Euro-6-Norm. Diese werde für Lastwagen zwar ab 2013 bindend, für Autos gelte sie jedoch erst ab 2015.