Philharmonie Nur nicht aus Liebe weinen

Im 8. Kaleidoskopkonzert standen Klassiker der UFA-Filme auf dem Programm.
Im 8. Kaleidoskopkonzert standen Klassiker der UFA-Filme auf dem Programm. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / Jürgen Spieß 30.06.2018

 Es gibt immer wieder Abende, an die man sich noch lange erinnert: Beim 8. Kaleidoskop-Konzert der Württembergischen Philharmonie in der Stadthalle zogen sich zur Freude der rund 1000 Besucher alte UFA-Melodien und Filmmusik ab 1917 wie ein roter Faden durchs Programm. Unter dem Titel „Ein Lied geht um die Welt“ sangen und schwelgten die Sängerinnen Lisa Tjalve und Karin Págmar sowie der humorvoll moderierende Tenor Heiko Reissig.

Die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Machtergreifung in einem Kaleidoskop-Konzert mit einem großen Orchester und drei Solosängern auf die Bühne zu bringen – Funktioniert das? Es funktioniert – und in der mit viel Humor, alten Gassenhauern und Charme  vollgepackten Collage der Württembergischen Philharmonie unter der Leitung von Heinz Walter Florin ganz hervorragend. Denn was beim letzten Kaleidoskop-Konzert der Saison von der Bühne schallt, scheint den Nerv eines ganzen Konzertsaals zu treffen. Kein Wunder,  Moderator und Tenor Heiko Reissig ist ein wahrer Meister der niveauvollen Unterhaltung. In dem zweistündigen Programm zelebriert er die Wiedervereinigung von Filmmusik, Schlager und Klassik, indem er mit Unterstützung des Orchesters und der beiden Sängerinnen Lisa Tjalve und Karin Págmar die Unterschiede einfach ignoriert.

Alte Schlager und Filmmusik-Nummern wie „Zauberlied der Nacht“ von Franz Grothe, Nico Dostals „Heut’ Abend lad ich mir die Liebe ein“, „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ , „Nur nicht aus Liebe weinen“, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ oder „Ein Freund ein guter Freund“ lassen die 20er- und 30er Jahre wieder aufleben und erinnern an eine Zeit, als noch nicht viel Unterschied zwischen Schlager, Operette, Tanzmusik und gehobener Unterhaltungsmusik gemacht wurde. Dabei beruft sich das Programm ausschließlich auf die alten Nostalgienummern der 1917 gegründeten Universum-Film AG (UFA), die für Filmklassiker wie „Die Feuerzangenbowle“, „Die Drei von der Tankstelle“, „Es war eine rauschende Ballnacht“ oder „Der Kongreß tanzt“ komponiert wurden.

Es ist ein flockig-unterhaltsames und gleichzeitig dralles Bild, das die Württembergische Philharmonie unter der Leitung des aus Bonn stammenden Pianisten und Dirigenten Heinz Walter Florin abgibt. Die Intensität der bekannten Lieder und Melodien wird erst durch das Orchester ermöglicht, deren Mitglieder konzentriert und sparsam arbeiten und gleichzeitig nie den Zusammenklang verlieren. Ungemein schmissig, dann wieder sinnlich-verspielt sind die Instrumental-Einlagen, am anderen Ende des Spektrums steht dieser spezielle Charme, den die drei Gesangssolisten mit ihren Stimmen ausstrahlen: Während sich die dänische Solistin Lisa Tjalve mit feuerrotem Kleid und glockenheller Operetten-Stimme auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle begibt, zieht die schwedische Schauspielerin und Kammersängerin Karin Págmar das Publikum mit ihrer tiefen Zarah-Leander-Stimme sofort auf ihre Seite.

Unterhaltend und amüsant sind auch die humorvollen Anekdoten des Berliner Tenorsängers Heiko Reissig, der Geschichten und Witze über die Hauptstadt der Liebe, über seinen von Karl Lagerfeld entworfenen Frack oder einer Begegnung mit Marika Rökk im Morgenmantel zum Besten gibt. Ohne Umwege wird das Publikum in eine Atmosphäre längst vergangener Zeiten versetzt, sowohl optisch als auch akustisch stilecht bis ins kleinste Detail. Und dazu vereint das Orchester klassisches Konzertieren mit feinem Spielwitz und viel Verve.  

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