Ob Walter Möck es noch schafft, in den kommenden Monaten alle gewerblichen Räumlichkeiten im neuen Dienstleistungs- und Einkaufszentrum DEZ an den Mann und an die Frau zu bringen? Der Projektmanager von Activ-Group aus Schemmerhofen bei Biberach berichtet auf Anfrage von rund 400 Quadratmetern, die, bei Bedarf noch individuell zugeschnitten, vermietet werden könnten. Attraktive Schaufensterflächen warten auf Interessenten.

Die Ladengeschäfte sind im Erdgeschoss, dazu kommt eine Notarin im Bürobereich, sowie eine Arztpraxis. 18 barrierefreie, also auch seniorengerechte Eigentumswohnungen, befinden sich auch im DEZ.

Finanzdienstleister stehen ebenfalls auf der Liste möglicher Mieter. Die Grünflächen hat die Stadt bereits fertiggestellt. Die neue Tiefgarage kann  von der Hauptstraße Große Heerstraße her angefahren werden. Sie verbindet die Parkhäuser unter dem Passy-Platz mit der Wickenhof-Tiefgarage (Norma-Markt). Bereits eingezogen ist die AOK, die seit heute, Montag, auf rund 260 Quadratmetern Geschäftsfläche ihre Versicherten empfängt.

Der Hörgräte-Akustiker Fiebing zieht von der Klosterstraße ins DEZ um. Hauptmieter dort ist der dm-Drogeriemarkt auf 650 Quadratmetern. Er öffnet am Montag, 22. August, seine Türen. Das ist auch der Tag, an dem das DEZ offiziell seiner Bestimmung übergeben wird. Pfullingens Bürgermeister Michael Schrenk will dann beim Drogeriemarkt-Magnaten eine Stunde an der Kasse sitzen – und dort weiter Geld für die Geschädigten des Hochwassers vom 24. Juni sammeln.

Ihre Kräfte sammeln auch die Pfullinger Geschäftsleute, die ihre Läden in der Umgebung haben. Für Ilona Harnisch von Foto Burgemeister, keinen Steinwurf vom DEZ entfernt, könnte es schwierig werden. Die Frau vom hiesigen Gewerbe- und Handelsverein  (GHV) begrüßt zwar die Belebung der Innenstadt durch das DEZ.

Wie bereits am Marktplatz die Post mit Zeitschriften, Tabak und Toto-Lotto für mehr Frequenz  gesorgt habe. Dort steht übrigens ein Manager-Wechsel an. Aber das Reformhaus wird künftig wohl auch Schwierigkeiten wegen des Angebots von Bio-Waren des dm-Markts haben.

„Grundsätzlich unterstützen wir das DEZ ja, und wir hoffen, dass das eine gute Nachbarschaft wird“, sagt Harnisch – allerdings mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Sie weiß, dass dm  eine große Fotoabteilung hat – und für die Abzüge von Bildern deutlich weniger Geld verlangt als Harnisch, denn  „dm ist eben ein ganz Großer“. Noch konnte sie ihre Hochwasserschäden im Geschäft nicht ganz beseitigen.

Sehr viel mehr beschäftigt den GHV insgesamt jedoch die Leerstands-Situation in der City. Viele Geschäfte haben im Laufe der Jahre aufgegeben, zwei weitere „Kandidaten“, die dichtmachen könnten, hat Harnisch auch auf dem Monitor.

Den Tipp von den Wirtschaftsförderern der Stadt, die Geschäfte fortan über Mittag offen zu lassen haben Harnisch und ihre Kollegen schon verstanden. Allein: „Das wäre natürlich sehr personalintensiv“, weiß Harnisch. Ende November 2014 wurde die Misere auf den Punkt gebracht. Bei einem Treffen über Möglichkeiten, den Standort Pfullingen aufzupeppen, erfuhren die rund 35 Einzelhändler zwar, dass in den Rankings Pfullingen in Sachen Wohlstand, Infrastruktur und Kaufkraft stets vorne mit dabei sei.

Doch es fließt eben auch jede Menge Kaufkraft ab. Zum Beispiel ganz traditionell nach Reutlingen, aber auch nach Stuttgart. Und beim Textilen, wem wollte man diese Alternative absprechen, geht es oft ins  20 Minuten entfernte Metzingen.

Der Investor activ-group ist bei den DEZ-Gesamtkosten mit bis zu neun Millionen Euro dabei. Der Einsatz der Stadt sind rund 1,5 Millionen Euro, jedoch bekommt sie 380 000 Euro Zuschüsse vom Land.