Stadtgespräch Ralph Bausinger über den Vorstoß der WiR-Fraktion Nicht nur eine Frage der Architektur

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Ralph Bausinger.jpg © Foto: Thomas Kiehl
Reutlingen / Ralph Bausinger 14.07.2018

Das Ergebnis der nichtöffentlichen Entscheidung im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss war alles andere als überraschend: Mit 12 zu 1-Stimmen lehnte der Fachausschuss am Donnerstagabend den Antrag der WiR-Fraktion ab, die Bürger über den Bau des Hotelturms mit Boardinghaus an der Stadthalle entscheiden zu lassen. Man muss kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass der Gemeinderat am kommenden Donnerstag dem WiR-Ansinnen ebenso eine klare Absage erteilen wird.

Damit ist aber nichts gewonnen, geschweige denn entschieden. Vielmehr wird der Streit um die richtige Form und Architektur des Hotels im Bürgerpark erst recht in die Öffentlichkeit getragen. Die WiR-Fraktion und der Verein haben für diesen Fall angekündigt, Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln (wir berichteten). Rund 6150 Unterschriften Reutlinger Bürger werden benötigt, um einen Bürgerentscheid zu erreichen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Bürgerentscheid-Befürworter dies auch schaffen. Damit würden irgendwann im kommenden Jahr rund 87 800 wahlberechtigte Reutlinger bestimmen dürfen, ob sie das Hotel im Bürgerpark als 50 Meter hohen Hotelturm mit Boardinghaus haben wollen. 20 Prozent von ihnen müssten zur Urne schreiten, damit der Bürgerentscheid gültig wäre.

Auch wenn die WiR-Räte dies bestreiten, bietet der Vorstoß ihnen die Möglichkeit, sich von den anderen Fraktionen abzusetzen und sich ein Alleinstellungsmerkmal für die Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 zu sichern. Und er verfügt über den Charme, dass WiR damit an seinen Gründungsgeschichte, den erfolgreichen Kampf gegen das Kultur- und Kongresszentrum, anknüpfen kann.

Somit ist zu befürchten, dass die Auseinandersetzung der kommenden Monate sich nicht nur um die Frage der richtigen Architektur drehen wird, zumal auch die AfD sich für einen Bürgerentscheid ausgesprochen hat. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass viele Reutlinger ihrem Unmut über die Arbeit der Stadtverwaltung freien Lauf lassen und den Bürgerentscheid als „Denkzettel“ nutzen.

Selbst wenn eine Mehrheit sich im kommenden Jahr für das Hotel in der jetzt geplanten Form aussprechen sollte, bleibt zu hoffen, dass nicht vorher der irritierte Investor abgesprungen sein  wird. Denn damit hätte sich das Thema „Hotel an der Stadthalle“ für die nächsten Jahrzehnte definitiv erledigt.

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