Pfullingen Nicht auf Teufel komm raus kaufen

Prof. Bernd Nolte gab in Pfullingen Tipps für Anleger. Foto: Karin Lober
Prof. Bernd Nolte gab in Pfullingen Tipps für Anleger. Foto: Karin Lober
Pfullingen / KARIN LOBER 04.10.2012
Geld anlegen, das ist in Zeiten der Euro-Schuldenkrise ein schwieriges Unterfangen. Professor Dr. Bernd Nolte hatte dazu aber einige Tipps auf Lager. Der Finanzexperte referierte in der Kreissparkasse.

Prof. Bernd Nolte ist derzeit ein viel gefragter Mann: Der Geschäftsführer der internationalen Bankenberatung 4P Consulting ist beruflich nicht nur in vielen Ländern unterwegs, sondern auch gern gesehener Experte bei Verbrauchermagazinen wie "Plusminus" oder - wie am Dienstagabend in Pfullingen - als Referent gefragt. Kein Wunder, schließlich ist das Thema Finanzen ein ziemlich wichtiges, vor allem in den Zeiten einer anhaltenden Eurokrise.

Für Nolte ist übrigens nicht der Agrarstaat Griechenland das große Problem in der Eurozone, sondern Spanien, da die Hellenen eine viel geringere wirtschaftliche Bedeutung haben als die Iberer. "Wenn die Bombe platzt, dann wegen Spanien", orakelte Nolte.

"Der Fehler wurde vor Jahren gemacht, als man die Länder aufgenommen hat", blickte Nolte zurück. Trotz aller derzeitigen Probleme ist für ihn die Rückkehr zur DM kein Thema. Vielmehr plädiert er für die Sanierung der Eurozone und weist gleich darauf hin, dass diese ihre Zeit brauche. Sie werde mindestens so lange dauern wie der Aufbau Ost, verglich der Finanzexperte, der nach eigener Aussage "immer alles aus Geldperspektive" sieht.

Derzeit herrsche Deflation, sagte Nolte, diese sei eine oft unterschätzte Gefahr. Inflation werde erst dann ein Thema, wenn der Ölpreis weiter steige und die Gewerkschaften nicht bei ihrer moderaten Tarifpolitik blieben.

Nolte ging dann vor allem auf die momentane Situation der privaten Anleger ein, die unter den niedrigen Zinsen leiden, die aus der Euro-Schuldenkrise resultieren. Was also tun? Nolte rät jedenfalls davon ab, in ausländische Währungen zu investieren oder Geld gegen Gold aus dem Automaten zu tauschen. Der Automat tauge nur für Schwarzgeld. Hier gelte: "Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen", witzelte Nolte.

Ansonsten ist er aber von Gold überzeugt: "Gold kauft man immer". Und zwar nicht aus Renditegründen, sondern um für Notfälle gerüstet zu sein. Zudem empfahl er, Aktien von Unternehmen, deren Produkte immer gebraucht werden. Aktien müsse man aber langfristig sehen. Wer Aktien für ein Jahr kaufe, könne genauso gut "den Finger in die Steckdose stecken". Und wer keine Ahnung von Aktien habe, für den "sind Fonds besser geeignet". Merke: "Was man nicht versteht, das kauft man auch nicht."

Auch das Thema Immobilien beleuchtete der Experte, der der Einladung von Stadt, Kreissparkasse und Volkshochschule gefolgt war. "Deutschland ist im Betongoldrausch", viele Objekte seien überteuert. Hier drohe ein Verlust beim späteren Wiederverkauf. "Kaufen Sie nicht auf Teufel komm raus", warnte der gebürtige Stuttgarter und riet nur dann zum Erwerb, wenn sich die Immobilie an einem wirklich guten Standort befindet und in gutem Zustand ist.

Immobilien für die Eigennutzung - also das Eigenheim - beurteilt Nolte hingegen durchweg positiv. Da man diese selbst bewohne und nicht verkaufen wolle, drohe kein Verkaufsverlust. Außerdem sei das Eigenheim auch in Hinblick auf den Ruhestand sinnvoll. Denn aus dieser Ecke droht Ungemach: Die Rentenversicherung sei für die Generation der Großeltern und Eltern prima gewesen, doch alle, die ab etwa 1960 geboren sind, könnten diese ziemlich abhaken. Ergo sei Sparen angesagt. Allerdings sei der "Mensch nicht fürs Sparen gemacht". Was aber nicht auf Schwaben zutreffe, denn die können eine durchschnittliche Sparquote von 30 Prozent vorweisen. Im Norden hingegen sei die Quote gering: "Ab Kassel geht die Sparquote erschreckend nach unten." Nolte selbst hält eine Art Sparzwang für sinnvoll - soll heißen, dass die Bürger per Gesetz künftig verpflichtet werden, fürs Alter Rücklagen zu bilden.

Am Ende seines Vortrags gab er noch einen weiteren Tipp: "Investieren Sie in Kinder". Nolte denkt hierbei beispielsweise an Fremdsprachenkurse für den Nachwuchs.

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