Reutlingen Neue Stimmen erklingen

Reutlingen / SWP 09.03.2012
Unter dem Motto "Neue Stimmen" präsentieren die Autoren eine neue Sicht und neue Themen in der deutschen Gegenwartsliteratur.

Die von Stadtbibliothek und VHS organisierte Lesereihe "Literatur im Gespräch" widmet sich diesmal deutschen Gegenwartsautoren, die in letzter Zeit Furore machten.

Angelika Klüssendorf ist am Dienstag, 13. März, 20 Uhr, zu Gast im Großen Studio der Stadtbibliothek. Starkes Mädchen, starkes Buch, ist die Essenz ihres neuen Romans "Das Mädchen". Darin erzählt sie von einer Jugendlichen aus sozial schwachen Verhältnissen, die sich nicht unterkriegen lässt. Mit einem knappen und präzisen Schreibstil, großer Lakonie und trockenem Humor versetzt Klüssendorf ihre Leser in eine Welt, die das Kind sein kaum zulässt. Sie erzählt von einer Kindheit, die geprägt ist von Armut, Alkohol und Gewalt. Dabei findet sie aufwühlende, drastische aber auch mitreißende Bilder. Kurz: ein starkes Stück Buch! Der Roman war im Herbst auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, siedelte 1985 in die Bundesrepublik über. Als gesellschaftliche Grenzgängerin zwischen Ost und West weiß sie aus eigener Erfahrung, wie sich unter dem Blick der Gesellschaft eigene Perspektiven verschieben können.

Am Donnerstag, 22. März, 20 Uhr, liest Franziska Gerstenberg im Großen Studio der Stadtbibliothek aus ihrem im Februar erschienenen Roman "Spiel mit ihr". Sie zeigt, dass reife Prosa nichts mit dem Alter zu tun hat. Für ihre beiden Erzählbände "Wie viel Vögel" (2004) und "Solche Geschenke" (2007) erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hermann-Hesse-Förderpreis. Die Arbeit an ihrem ersten Roman wurde unter anderem mit einem Stipendium der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart unterstützt.

Die 1979 in Dresden geborene Schriftstellerin studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und lebt heute in Berlin. Der Roman ist ein sinnlicher Text über erotische und abgründige Geheimnisse. Ein Rechtsanwalt sucht sich seine weibliche Gesellschaft im Internet aus, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Die Rollenspiele nehmen immer bizarrere Formen an, bis die Tochter seiner Partnerin dem vermeintlichen Spiel eine völlig neue Wendung gibt.

Nicht nur für Männer ist der Roman "Fahrtenbuch" von Niklas Maak. Am Mittwoch, 28. März, 20 Uhr, stellt ihn der Schriftsteller ebenfalls im Großen Studio vor. Kein Buch für Autofreaks, sondern eines, das den Zeitgeist der letzten 40 Jahre hautnah einfängt. Niklas Maak erzählt die Geschichten von zehn Fahrerinnen und Fahrern eines Mercedes 350 SL, Baujahr 1971, und zugleich die Geschichte von vier Jahrzehnten Bundesrepublik Deutschland. Dabei geht es nicht um Motoren und PS, sondern um Lebensschicksale und Zeitumstände. Von einem Arzt in der Wirtschaftswunderzeit der 70er Jahre bis zum Börsenmakler in der Finanzkrise spannt er einen weiten Bogen voller spannender, sehnsuchtsvoller, satirischer, humorvoller und skurriler Geschichten.

Der 1972 in Hamburg geborene Niklas Maak studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Architektur in Hamburg und Paris. Er kennt sich aus mit Zeitgeist-Szenecodes, denn seit 2001 ist er Kunst- und Architekturkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitet dort das Kunstressort.

Info Kartenvorverkauf und -reservierung: Musikbibliothek, Telefon: (07121) 303 28 47.

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