In einem Punkt waren sich am Donnerstagabend alle Anwesenden einig: Die „Plattform Lebenswert“, die am 24. Januar 2015 als Projekt an der Kreuzkirche gestartet war, hat sich zu einem unglaublichen Erfolg entwickelt. „Sie leben hier Nachbarschaft und haben sich zu einem Vorbild für andere Quartiere entwickelt“, lobte Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck am Donnerstagabend bei einem Festakt nach der Gründung der Stiftung „Lebenswerte Nachbarschaft“.

35 Projekte laufen

Aber: Damit die Arbeit der „Plattform Lebenswert“ auch in Zukunft auf festem Grund stehen könne, „braucht es verlässliche Strukturen – ohne Geld ist das nicht möglich“, so Keck. Obwohl die insgesamt mittlerweile 35 Projekte unter dem einen Dach von „Lebenswert“, die allesamt ehrenamtlich entstanden sind und ehrenamtlich geführt werden, braucht es zur Koordination und Unterstützung der einzelnen Kreise eine hauptamtliche Kraft.

Mimi Böckmann ist diese Koordinatorin – für die laut Keck die Stadt 38 000 Euro zur Finanzierung ihrer Stelle für 2019 und 2020 zugeschossen hat. Die Projekte, die im Lauf der vergangenen vier Jahre in dem Stadtgebiet an den Start gingen, lauten etwa Abendsingen, sieben Wochen weniger Plastik, Häkeln, Männerstammtisch, Politischer Stammtisch „Da Franca“ oder auch Radeln, Tanzen, Brücke nach Uganda, Zwergencafé und Jobpaten.

Kooperation mit Spranger-Schule

Letzteres ist ein Projekt in Kooperation mit der Spranger-Schule. „Wir profitieren seit Jahren von ‚Lebenswert‘ und den ‚Jobpaten‘“, betonte Schulleiterin Gaby Kupfer. Ebenfalls lobende Worte fand Thomas Prinz als Leiter von „Ariba“, dem Jugendhaus im Ringelbachgebiet: „Lebenswert – das ist Gemeinschaft und wir sind mittendrin.“ Auch das Jugendhaus mit seinem internationalen Publikum sei auf Solidarität angewiesen, „deshalb kooperieren wir“.

194000 Euro sind schon gesammelt

Um die „Plattform Lebenswert“ langfristig zu sichern, brauche es nach den Worten der stellvertretenden Stiftungsvorsitzenden Margot Körber-Weik eine finanzielle Basis und eine solide Struktur. Am Donnerstagabend hatte deshalb eine Gründerversammlung die Stiftung mit dem Namen „Lebenswerte Nachbarschaft“ aus der Taufe gehoben. Insgesamt 94 Stifter fanden sich bis bislang, die den unglaublichen Betrag von 194 000 Euro einbrachten. „Hinzu kommen 11 000 Euro an Spenden“, hatte Kreuzkirchenpfarrer Stephan Sigloch beim Festakt im Kirchensaal verkündet. Die erforderliche Summe von 200 000 Euro sei somit erreicht. Das Ziel dieser Stiftung laute: „Ein Mehr an Beziehungswohlstand im Gebiet Ringelbach, Georgenberg und Lerchenbuckel zu schaffen“, wie Kreuzkirchengemeinderatsvorsitzender Dr. Utz Wagner ausführte. Zum Vorsitzenden der Stiftung wurde während der Gründungsversammlung Dr. Markus Nawroth gewählt – er war am Donnerstagabend allerdings verhindert. Seine ebenfalls frisch gewählte Stellvertreterin Margot Körber-Weik begrüßte die Gäste in der Kreuzkirche.

Lechler-Stiftung gibt 45000 Euro

Am Stiftungskapital beteiligt hatte sich auch die Lechler-Stiftung mit einem Betrag von 45 000 Euro, wie deren Vorstandsvorsitzender beim Festakt in der Kreuzkirche ausführte. „Die Lechler-Stiftung hat den Betrag gern gegeben“, so Heinz Gerstlauer. Und zwar, „weil die ‚Plattform Lebenswert‘ den Stadtteil lebenswerter macht“. Grundsätzlich gelte es, heutzutage Stadtquartiere und Menschen zu stärken, denn: „Nachbarschaft ist nicht mehr selbstverständlich.“

Um das Lebensumfeld dennoch attraktiv, solidarisch und positiv zu gestalten, „braucht es eine gute Infrastruktur in den Stadtquartieren“. Und zwar auch solch eine, die nicht allein das Finanzielle betreffe. Offenheit der Bewohner sei dafür notwendig, die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, so Gerstlauer. Wie das gemeint sei? „Fragen Sie sich mal, was das typische deutsche Essen ist.“ Nein, nicht Maultaschen, Klöße oder Grünkohl, sondern – Spaghetti. „Die mögen alle und sie sind eine Bereicherung.“

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Projekte gibt es mittlerweile auf der „Plattform Lebenswert“, die allesamt ehrenamtlich gestemmt werden. Nur die Koordinatorin macht dies hauptamtlich.