Wissenschaft Neubau für zwei Leuchttürme

Von Jürgen Spieß 27.06.2017

Am Samstag feierte das RegioWIN-Technologiezentrum im Industriegebiet Mark West Richtfest. Das vierstöckige Gebäude, das direkt mit dem angrenzenden Bauherrn Multi Channel Systems – weitere Bauherren sind das NMI und die TF-RT – verbunden ist, bietet auf 3000 Quadratmeter Platz für den Forschungscampus „BioMedTech“ und ein Nanoanalytikzentrum: „Der lange Atem hat sich gelohnt“, freute sich Oberbürgermeisterin Barbara Bosch in ihrem Grußwort und Architekt Frank Schillinger sicherte den versammelten Partnern zu: „Wir bleiben im Kosten- und Zeitplan“.

Der Neubau kostet sieben Millionen Euro, weitere 13 Millionen werden in  die Ausstattung, in erste Projekte und Sonderbaumaßnahmen investiert. Er soll nach nur 15 Monaten Bauzeit Neubau bis Januar 2018 fertiggestellt sein. Dieses Richtfest sei ein wichtiger Etappenschritt für die Erstellung eines Gebäudes, „das es in sich hat“, begrüßte die Oberbürgermeisterin die zahlreich erschienenen Gäste. Denn dass die Städte Reutlingen und Tübingen über ihre Tochtergesellschaft Technologieförderung Reutlingen-Tübingen GmbH (TF-RT) aktive Wirtschaftsförderung im Hoch-Technologiebereich betreiben, sei landes-, wenn nicht bundesweit einzigartig. Auch sonst handelt es sich bei dem neuen Forschungszentrum um „kein alltägliches Bauvorhaben“, wie Prof. Dr. Hugo Hämmerle, der Institutsleiter des Projektpartners NMI (Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut), konstatierte.

Denn mit den beiden in dem viergeschossigen Gebäude untergebrachten Leuchtturmprojekten „Forschungscampus BioMedTech“ und „Nanoanalytikzentrum“ ist das Institut gleich bei zweien von insgesamt 21 vergebenen Projekten beteiligt und macht die Region Neckar-Alb zu einer der WIN-Regionen im Land, so Tübingens Landrat Joachim Walter. Bei dem mit 4,2 Millionen Euro durch das Land geförderten Forschungscampus BioMedTech geht es darum, die Region Neckar-Alb zu einem führenden Standort der Biomedizintechnik zu entwickeln und die beiden Branchen Medizintechnik und Biotechnologie thematisch und räumlich zusammenzuführen.

Das zweite Leuchtturmprojekt, das einem intensiven Austausch unterschiedlicher Nutzer dienende Nanoanalytikzentrum, ist eine regionale Anlaufstelle für innovative Unternehmen mit werkstoff-technischen Fragestellungen und Produktideen. Herzstück des neuen Zentrums ist ein bis in den atomaren Bereich hinein hochauflösendes Transmissionselektronenmikroskop (TEM) der neuesten Generation, das Unternehmen der Medizintechnik sowie Forschungseinrichtungen im Land für ihre Materialforschung und Werkstoff- und Produktentwicklung einsetzen können.

Die hoch auflösenden Mikroskope werden von einem zwei Meter dicken und acht Meter in die Tiefe gegrabenen Fundament umgeben, um vor Strahlen zu schützen.

Die beiden in dem neuen Gebäude untergebrachten Leuchtturmprojekte, die mit Zuschüssen der EU (sechs Millionen Euro), des Landes (2,4 Millionen Euro) und der Industrie (1,2 Millionen Euro) gefördert werden, seien ein gutes Beispiel für eine perfekte Win-Win-Situation, so der Ministerialdirektor Hubert Wicker vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg. Neben Danksagungen an alle Beteiligten und dem traditionell vom Bauherrn ausgerichteten Richtschmaus gehört zur Tradition eines Richtfestes auch der am Dachstuhl befestigte Richtbaum und als dramaturgischer Höhepunkt der obligatorische Richtspruch, der von einem Zimmermann ausgesprochen wird.

Begleitend zum Richtfest veranstaltete das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut im Rahmen der Industriewoche Baden-Württemberg einen Tag der offenen Tür und gab einen Einblick in seine Labore und Forschungsschwerpunkte. Führungen zu jeder vollen Stunde informierten in zwei Themenpfaden über neue Methoden der Diagnostik, innovative Medikamentenentwicklung, intelligente Implantate und zahlreiche andere Themen der Gesundheitsforschung.