Noch ist der Umzug nicht vollständig abgeschlossen, noch stehen einige Umzugskartons an den Wänden, noch ist der Charme einer Baustelle an manchen Stellen des IHK-Neubaus zu spüren. Nach etwas über 21 Monaten Bauzeit ziehen die IHK-Beschäftigten aus ihrem Tübinger Ausweichquartier bei der Erbe Medizintechnik wieder zurück in die Reutlinger Hindenburgstraße. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp und Detlef Werneck, Bereichsleiter Zentrale Dienste der IHK Reutlingen, luden am Donnerstag zu einem ersten Rundgang durch das neue Gebäude ein.

140 Mitarbeiter ziehen um

Bis Ende November sollen, so sieht es der Zeitplan vor, alle der rund 140 IHK-Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze in den neuen Räumen bezogen haben. Das hell und transparent gestaltete Gebäude verfügt auf vier Etagen mit Keller über 4300 Quadratmeter Nutzfläche und kann perspektivisch bis zu 180 Personen Platz bieten. Mit dazu gehören auch Seminar- und Besprechungsräume sowie eine Tiefgarage mit 46 Stellplätzen.

Viele Fenster, wenig Wände

Entstanden ist ein Funktionsbau mit vielen Fenstern und kaum Wänden im Inneren, der der modernen Arbeitsweise der IHK Rechnung trägt. Die Kammer setzt seit einigen Jahren auf laterales Führen, also mit mehr Verantwortung des Einzelnen, und sogenannte agile Methoden, um Projekte schneller, teamübergreifender und kundenfreundlicher umsetzen zu können. „Wir setzen unseren internen Reformprozess fort und arbeiten weiter daran, besser und schlagkräftiger zu werden“, betont Epp.

Neu in der Zentrale untergekommen sind die Mitarbeiter der IHK-Weiterbildung, die bisher in der IHK-Akademie im Gewerbegebiet Mark-West saßen. Dazu kommen noch die Mitarbeiter aus dem IHK-Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer, die bislang im benachbarten Haus der Wirtschaft untergebracht waren. Dort wolle  die IHK, sagt Epp, Existenzgründer im Bereich digitaler Anwendungen unterbringen.

Durch das Zusammenziehen der IHK-Mitarbeiter unter einem Dach ließen sich viele Entscheidungen schneller treffen. „Die persönliche, menschliche Begegnung ist innovationstreibend“, zeigt sich der IHK-Hauptgeschäftsführer überzeugt.

Gebäude erfüllt Niedrigenergiehaus-Standard

Die Beheizung und Kühlung des Gebäudes erfolgt über eine Betonkernaktivierung für die Grundtemperierung sowie Heiz-/Kühlsegel für die Temperatur am einzelnen Arbeitsplatz. Dazu kommen noch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sowie 20 Erdwärmesonden. Fassade und Fenster verfügen über eine verbesserte Wärmedämmung. Der Neubau erfüllt, wenn er vollständig fertiggestellt ist, den Standard eines Niedrigenergiehauses.

Zufahrt ist neu geregelt

Auch die Anwohner rund um die Hindenburgstraße können sich über Verbesserungen freuen. Ihnen wie auch der Stadt und den Kollegen von der Handwerkskammer dankt Epp dafür, dass sie die Baustelle ausgehalten haben. Die Hauptzufahrt zur neuen IHK-Zentrale erfolgt künftig über die Alteburgstraße. Die Stadt Reutlingen wird dazu voraussichtlich im Dezember eine Abbiegespur auf der Alteburgstraße einrichten. Um diese Lösung zu ermöglichen, hat die IHK der Stadt einige Quadratmeter Gelände abgetreten. Entlang der Kammer gibt es einen Stichweg, der die knapp 100 ober- und unterirdischen Parkplätze anbindet. Am Wochenende wird dieser Weg  geschlossen, um Durchfahrtsverkehr zu vermeiden.

„19,08 Millionen Euro und zwei Cent“

Die Außenanlagen werden im kommenden Frühjahr angelegt, und es werden Bäume gepflanzt. Der Zuschlag für Abriss und Neubau war nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren an Bauunternehmen Georg Reisch aus Bad Saulgau gegangen, welches das Projekt gemeinsam mit dem Architekturbüro Riehle + Assoziierte und Generalplaner Stuttgart gestemmt hatte. Die Kosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf „19,08 Millionen Euro und zwei Cent“, sagt Epp stolz. Allerdings liegt noch keine Schlussrechnung vor.

Die offizielle Eröffnung des Neubaus mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ist für Frühjahr 2020 vorgesehen.

140


Mitarbeiter werden bis Ende November den Neubau der IHK beziehen. Das Gebäude bietet Platz für weiteres Wachstum, es ist für bis zu 180 Beschäftigte ausgelegt.