So hatte man Alexander Reuter und Michael Gaedt, die beiden Regisseure des aktuellen Musicals „Anatevka“, noch nicht auf der Bühne erlebt. Beide tanzten, sangen und rissen alle mit. Die Benefizgala am Freitagabend zugunsten des neuen Mehrzweckgebäudes des Naturtheaters Reutlingen (NTR) war ein voller Erfolg. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

Neubau ist dreigeschossig

Wie NTR-Vorsitzender Rainer Kurze Moderatorin Friedel Kehrer-Schreiber mitteilte, müsse die baufällige und viel zu kleine Holzbaracke aus den 1940er Jahren, in unter anderem der Aufenthalts- und Probenraum, Schneiderei, Kostümfundus, Maske und Garderobe untergebracht sind, dringend ersetzt werden. Der Neubau ist dreigeschossig geplant, hat eine Nutzfläche von rund 950 Quadratmetern und kostet rund 8 Millionen Euro. Kurze dankte der Stadt für den Planungskostenzuschuss von bis zu 400 000 Euro sowie den Künstlern, die auf ihre Gage verzichteten. „Um unser Vorhaben umzusetzen, setzen wir auf Publikum und Sponsoren.

Draht zum Publikum gefunden

Mit der Stadtkapelle Reutlingen und Hits wie „The Lion sleeps tonight“ oder „What a feeling“ startete das Programm vor dem Theater. „Älle hend sich verkopfet, damits en scheener Obend geiht“, versprach Kehrer-Schreiber, die selbst auch als Sängerin auftrat. Für Lachsalven sorgte „Frl. Wommy Wonder“ (Michael Panzer), die zu ihrem 35-jährigen Bühnenjubiläum ein Gläschen Sekt mit „Lord Farquaad“ (Holger Schlosser) genoss. „Immer positiv denken“ lautete der Rat des Dame, obwohl sie in einem Alter sei, in dem man „happy“ und „birthday“ trenne und sich vor dem Kleiderschrank nicht mehr frage: „Was zieh ich an?“, sondern „Wo passe ich noch rein?“

Sofort den Draht zum Publikum gefunden hatte auch „Topas“ (Thomas Fröschle), seit 25 Jahren als Magier auf der Bühne, der mit seinen Fingerspielchen zum Nachmachen die ersten Lacher erntete. Bewunderung erntete auch sein Spiel mit einem Kartendeck, mit dem er dicht am Mikrofon die Klangeffekte für „We will rock you“ oder die Arie „Der Vogelfänger“ erzeugte.

Auch „Roxanne“ (Petra Fröschle, die Fiedlerin auf dem Dach in „Anatevka“) setzte auf Illusion mit Humor. Sie nutzte ihre langen Haare, die sie immer neu anordnete und sich so zur Freude des Publikums in eine Ägypterin, eine Tempeltänzerin oder in Donald Trump verwandelte.

Magier Nils Bennett erklärte sich sogar bereit, seinen Trick, wie sich ein schwarzes Tuch in ein Ei verwandelt, zu verraten. Gerade, als alles offensichtlich schien, kam aber noch eine weitere Facette hinzu, die sich niemand mehr erklären konnte. Dasselbe geschah mit geometrischen Figuren in einem Rahmen. Obwohl Bennett immer mehr Figuren hinzunahm, fanden dennoch alle Platz.

Ein Feuerwerk zündeten die Ensembles aus „Kiss me Kate“, „Shrek“ oder „Anatevka“, die über die Bühne wirbelten und das Premierenfieber, die Mühsal beim Wandern oder den Traum vom Reichtum besangen. Im Nerz, mit Hütchen und Schirm präsentierten sich die „Wilmersdorfer Witwen“ in ihren Liedern als „Diademe und die Sahne im Kaffee“.

Publikum gekonnt miteinbezogen

Alexander Reuter ist seit 2004 der musikalische Leiter des NTR, stand am Freitag aber selbst dort das erste Mal auf der Bühne. Zusammen mit Corinna Reuter und anderen Sängerinnen entpuppte er sich mit „Dust in the wind“ und „Halleluja“ als großartiger Musiker. Auch Michael Gaedt („Kleine Tierschau“) gab alles. Er sang auf einem Segway über die Bühne schwebend, steppte und bezog das Publikum gekonnt mit ein. Dieses schuf mit aneinander geriebenen Handflächen den Hintergrundsound, klatschte und warf – vorher ausgeteilte – Unterhosen auf die Bühne.

Vollends ekstatisch wurden beide Regisseure zusammen, als sie mit Piano, Gitarre und einem feuersprühenden Saxofon Rock’n’Roll zelebrierten. Zum Schluss vereinten sich alle Akteure zum „Weißen Rössl am Wolfgangsee“. Mit ihrem Cover Rock begleiteten „The Bloody Chickenheads“ die After-Show-Party.

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Rainer Kurze: ein voller Erfolg


„Wir sind zufrieden“, sagte gestern Rainer Kurze, auch wenn sich der Erste Vorsitzende des Naturtheaters ein etwas besseres Wetter gewünscht hätte. 478 Besucher wurden bei der ersten Benefizgala gezählt, am Ende stand ein Erlös von 13 377,20 Euro. Für Kurze steht fest, dass es auch im kommenden Jahr  wieder eine Benefizgala geben wird.