Die Baumschutzsatzung ist ein Thema, das Reutlingen seit mindestens vier Jahrzehnten immer mal wieder bewegt und das im Zusammenhang mit der Debatte um die Bebauung des Geiselhart-Grundstücks zwischen Garten- und Kaiserstraße erheblich an Brisanz gewonnen hat. In der  jüngsten Gemeinderatssitzung am 24. Oktober stand die Satzung auf der Tagesordnung. Auf Antrag der CDU wurde mit Unterstützung von FWV und FDP der Tagesordnungspunkt nochmals vertagt; er wird jetzt frühestens in der Dezemberrunde behandelt werden.

Argumente für die Satzung

Vertreter der Naturschutzverbände BUND und Nabu erläuterten in einem Pressegespräch am Montagnachmittag, warum die Achalmstadt aus ihrer Perspektive eine Baumschutzsatzung braucht. Ira Wallet, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Reutlingen, hat einige Argumente zusammengetragen, die aus Sicht der Naturschutzverbände für eine Satzung sprechen. So ließen sich bestehende Bäume über eine Satzung viel schneller als über einen Bebauungsplan schützen. Wollte man, ergänzte Nabu-Mitglied Thomas Höfer, den Baumbestand überall durch Bebauungspläne schützen, käme die Verwaltung erheblich unter Druck. Dazu komme, dass die Satzung viel flexibler gehandhabt und auch an die verschiedenen Stadtteile angepasst werden kann.

Den Kahlschlag bekämpfen

Die Naturschutzverbände forderten eine Baumschutzsatzung nicht, um die Leute zu belästigen, sondern betrachteten sie als Notwendigkeit. Insbesondere bei Eigentümerwechseln oder bei Neubauten bleibe häufig kein Baum oder Strauch mehr  stehen. Eine Beobachtung, die auch Edith Willmann (BUND) gemacht hat.

Beschränkung auf die Kernstadt

Nachverdichtung müsse sein. Aber „Hier fehlt das richtige Maß und Ziel“, stellt Thomas Höfer vom Nabu fest, der trotz der Einschränkungen in der Satzung einen „Mehrwert für die Bürger“ sieht. Der Landschaftsarchitekt hat, wie er sagt, kein Problem damit, die Satzung vorerst auf die Kernstadt zu beschränken. Schließlich sei hier die Notwendigkeit, Bäume zu erhalten, höher, ergänzt Blum. Eine Baumschutzsatzung könne nicht nur helfen, Grünbestände in der Stadt zu erhalten. Dadurch, dass vor dem Fällen eines Baumes ein Antrag gestellt werden muss und sich Fachleute aus dem zuständigen Gartenamt (in Reutlingen  wäre es das Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt) ein Bild vor Ort machen, erhoffen sich die Naturschutzverbände, dass durch die Beratung manche Bäume erhalten werden können.

Alte Bäume erhalten als vorrangiges Ziel

Zwar sei Bäume zu pflanzen, etwas Gutes, sagt Blum. Es ergebe aber keinen Sinn, sie um jeden Preis an jedem Ort zu pflanzen, schaut er mit durchaus kritischem Blick auf die Aktion der CDU-Gemeinderatsfraktion, die angekündigt hatte, 3000 Bäume auf Reutlinger Markung zu setzen. Aus seiner Sicht ist es wichtiger, alte Bäume zu erhalten. Schließlich müssten, um die Blatt­oberfläche einer 100 Jahre alten Buche zu erreichen,  2000 junge Buchen gepflanzt werden, rechnet Blum vor.

Wer gehört vor Ort zum LNV?


Dem Arbeitskreis Reutlingen des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg gehören der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland), der Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN), der Verein Reptilien-Amphibien Neckar-Alb (RANA), die Naturfreunde Reutlingen, der Ökologische Jagdverband und der Schwäbische Albverein an. rab