Zwischen Reutlingen und Schramberg liegen gerade mal 97 Kilometer und eine gute Stunde Autofahrt – wenn’s um die Fasnet geht, dann trennen die beiden Städte allerdings Welten. Während der Fasching an der Achalm eher behäbig vor sich hin kriecht, feiern sie in dem Schwarzwald-Ort von Donnerstag bis Dienstag durch, zelebrieren ihre „Bach na Fahrt“ und halten ihr Brauchtum hoch. Mittendrin in diesen Tagen: Ines Spitznagel, Pastoralreferentin und Hochschulseelsorgerin aus Reutlingen, die in Schramberg geboren und aufgewachsen ist und die hier schon als kleines Mädchen im „Narrenkleidle“ unterwegs war.  Spitznagel mischt allerdings nicht nur bei der Fasnet in ihrer Heimatgemeinde kräftig mit, sie hat einen Teil ihrer Traditionen auch ins Echaztal importiert.

Missstände in Politik, Gesellschaft und Kirche

Jahrelang hat Ines Spitznagel in St. Wolfgang, der katholischen Kirche in Pfullingen, Narrenmessen gehalten, die von Mal zu Mal eine größere Fangemeinde fanden. Jetzt, da sie den Arbeitsplatz gewechselt hat, bescherte sie den Betzingern eine Predigt in Reimen. Am Sonntag war für sie Premiere in der Bruder-Klaus-Kirche, in der die örtlichen Krautskräga schon des öfteren Narrenmessen gefeiert haben. Und dabei hat die 37-Jährige zwar einmal mehr viel Humor bewiesen, sie hat aber auch das getan, was ihrer Meinung nach zu einer echten Büttenrede gehört: Den Mächtigen den Spiegel vorhalten und auf Missstände hinweisen in der Gesellschaft, in der Politik und natürlich auch in der Kirche. Weshalb die Betzinger Ortsseelsorgerin auch die Rolle der Frau in der katholischen Kirche thematisiert hat. Vor allem aber war es der Pastoralreferentin wichtig, vor Hass, Gewalt, Rassismus und Rechtsradikalismus zu warnen. Ein Thema, das eh schon vielen Menschen seit langem unter den Nägeln brennt, das seit dem Anschlag von Hanau aber auf traurige Weise noch aktueller geworden ist.

Den Gewaltkreislauf unterbrechen

„Im Evangelium geht es darum, wie es Frieden werden kann. Gleichzeitig ist uns dieses ‚Wie Du mir, so ich Dir’ so nahe. Aber der Gewaltkreislauf wird so nie unterbrochen werden können“, sagt Spitznagel. „Hass vergiftet unsere Welt. Und wer Hass schürt, der hat dafür auch die Verantwortung. Viele Leute haben das Gefühl, dass sich der Rechtsradikalismus wie ein Geschwür ausbreitet. Dazu musste ich einfach etwas sagen in der Messe“. Deshalb, so Spitznagel, habe sie in ihrer Narrenpredigt auch einen ganzen Abschnitt lang über die AfD gesprochen (siehe Infokasten in diesem Artikel). Wichtig sei es doch, zu wissen, wann man die Stimme erheben müsse gegen gesellschaftliche und politische Missstände. Und so hat sie in ihrer gereimten Predigt, an der sie zwei Tage lang – mit kleineren Pausen – geschrieben hat, ein ernstes Thema aufgegriffen. „Denn die Fasnet und Büttenreden, das ist nicht nur Klamauk“.

Spitznagels Predigt wurde zur einer Mischung aus Kritik und Humor, nachdenklich Stimmendem und heiter daher Kommendem, das sie übrigens in ihrem Schramberger Narrenkleidle vorgetragen hat – ein bemaltes Weißhäs mit großem Geschell. Allein die Holzmaske mit den beiden Hörnern und den beiden Fuchsschwänzen hatte die Katholikin nicht aufgezogen. „Damit eine Predigt zu halten, das geht gar nicht“, berichtet sie schmunzelnd.

So anspruchsvoll die Messe war, so richtig stressig wurde es für Spitznagel erst danach. „Ich musste ja pünktlich zum Brezelsegen in Schramberg sein“, berichtet sie. Eine Stunde 15 blieben ihr für die 97 Kilometer – „weshalb ich mein Narrenkleidle im Auto gleich angelassen habe“.

In der Fasnet sozialisiert

In Schramberg angekommen, gingen die tollen Tage für die 37-Jährige dann erst richtig los. Von Kindesbeinen an in der Fasnet sozialisiert – ihre Eltern hatten früher einen Friseurladen, in dem an Fasching auch Kostüme verliehen wurden – gibt es für die Pastoralreferentin seit Sonntag kein Halten mehr. Bis zum heutigen Dienstag sind in Schramberg die Geschäfte und die Schulen geschlossen, weil alle gemeinsam feiern.

Im Widerspruch zu ihrem Beruf stehe ihr Engagement für die Fasnet indes nicht, sagt sie. Die Fasnet habe auch viel mit der Kirche und dem Glauben zu tun hat. Die Speisung der Armen, das Weiterreichen des Essens an Bedürftige, ist Bestandteil dieser Tradition. „So wie alle Dinge, die in der Bibel stehen, etwas mit dem Alltag zu tun haben. Was Jesus sagt, das müssen wir mit unserem Leben in Verbindung bringen“, glaubt die Betzingerin, die genau deshalb auch in die kirchliche Seelsorge gegangen ist.

Eine Seelsorgerin mit zwei halben Stellen


Aufgewachsen ist Ines Spitznagel in Schramberg, wo sie nicht nur Fasnets-mäßig sozialisiert wurde, sondern auch schon als Mädchen in der katholischen Jugendarbeit unterwegs war. „Weil mich viele Menschen in meinem Umfeld bestärkt haben, Theologie zu studieren, habe ich das dann tatsächlich gemacht“, erzählt sie. Studiert hat sie in Tübingen und Rom. In den vergangenen Jahren war sie in Pfullingen als Pastoralreferentin tätig, bevor sie im September die Stelle gewechselt hat. Mittlerweile betreut sie für die St.-Lukas-Gemeinde Betzingen mit einer 50-Prozent-Stelle. Ebenfallls zu 50 Prozent ist Spitznagel Seelsorgerin an der Hochschule, wo sie zusammen mit ihrem evangelischen Kollegen Studenten berät und Info-Veranstaltungen organisiert. lyn


Frauen, die will man in unserer Kirche nicht. Zumindest nicht in Amt und Würden, drum hält man fest an Weihehürden! Scheinbar aus Angst, dass unsere Kirche untergeht, wenn zu viel weiblicher Geist durch unsere Reihen weht.

Wer des Hebräischen ist mächtig, der weiß, dass solches Denken ist verdächtig, denn ruach, so ist das Wort für den Heiligen Geist, im Hebräischen sich als Weiblich erweist!

Eine Predigt über die AfD und die Rolle der Frau in der katholischen Kirche


Die Forderung Jesu nach Frieden ist aktueller denn je, ich nenn’s beim Namen: auch wegen der AfD.  Bei Hass und Hetze, mit Verlaub, da hört die Meinungsfreiheit auf. Wo Beleidigung und nationalistisches Denken tritt in Erscheinung, da geht es um Straftaten und nicht um eine Meinung!

In Thüringen haben wir gesehen, was passiert, wenn man ein Spiel spielt ungeniert, den einen auf die Bühne lockt, damit der andere in der Falle hockt, das Einzige, was man dadurch erreichte, ist, dass es die Demokratie aufweichte, und Unfrieden säte im ganzen Land, man zündelte und nahm in Kauf den Brand. Bei aller differenzierten Diagnose, warum es in Thüringen ging in die Hose,

sag ich, und das vor allem als Christ,

solche Spiele, die akzeptiere ich nicht!

Wer Hass streut, der trägt Verantwortung dafür, dass Hass sich ausbreitet wie ein Geschwür, und wächst und wächst, bis es dann passiert, dass man darüber die Kontrolle verliert! So war es schon im Pentateuch, deshalb spricht Jesus: Ich aber sage euch! Bei euch, da soll es anders sein, der Fremde soll dein Bruder sein, denn fremd, das warst du einst im eigenen Land, drum reich dem Anderen stets deine Hand. Selbst dann, wenn es dir zum Nachteil wäre, als Christ bist du verpflichtet einer anderen Sphäre, nämlich Gott, und der ist der Richter allein, Maß dir nicht an, dein eigener Gott zu sein! Und deshalb, trotz aller Fasenacht, ist heute auch Solidarität mit Hanau angebracht!

Unser Gebet für die Opfer sei unsere Reaktion, ungeachtet der Kultur oder der Religion. Fremdenhass ist wirklich Gift, egal, in welchem Gewand er auf uns trifft! Wenn jeder von uns dem Hass standhält, bin ich froh, darauf ein kräftiges Narri, Narro!

Frauen, die will man in unserer Kirche nicht. Zumindest nicht in Amt und Würden, drum hält man fest an Weihehürden! Scheinbar aus Angst, dass unsere Kirche untergeht, wenn zu viel weiblicher Geist durch unsere Reihen weht. Wer des Hebräischen ist mächtig, der weiß, dass solches Denken ist verdächtig, denn ruach, so ist das Wort für den Heiligen Geist, im Hebräischen sich als Weiblich erweist!