Reutlingen Namen des alten Stadtpatrons gewählt

Den neuen "Kirchenstadtplan" der Reutlinger Katholiken beäugen (von links): Gabriele Derlig, Franz Weiss, Pfarrer Matthias Dangel und Wolfgang Diwoky.
Den neuen "Kirchenstadtplan" der Reutlinger Katholiken beäugen (von links): Gabriele Derlig, Franz Weiss, Pfarrer Matthias Dangel und Wolfgang Diwoky. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 25.02.2015
Aus zwei plus zwei mach' eins: Vier katholische Gotteshäuser in der Seelsorgeeinheit Reutlingen-Südwest sind jetzt die St.- Lukas-Gemeinde. Diese Fusion war kein Dekret, sondern Wunsch der Reutlinger selbst.

Wenn das in der Politik nur auch so wäre: Eine mögliche Neuorganisation wird schon geraume Zeit vor einem - übrigens einhelligen - Beschluss in der Praxis eingeübt. Und dann erst für gut und sinnvoll befunden. Der in diesem Fall zuständige Bischof der Diözese Rottenburg/Stuttgart stimmte gerne zu.

Die bisherigen katholischen Pfarreien Bruder Klaus und Heilig Geist - samt deren Filialgemeinden St. Johannes und St. Michael - wurden zum Jahresbeginn offiziell aufgelöst und finden sich nun als gemeinsame St.-Lukas-Gemeinde wieder. Pfarrer Matthias Dangel ist darüber ebenso froh wie die anderen Beteiligten. "Bei schlanker Verwaltung viel Menschlichkeit und Nähe zu ermöglichen", heißt es im Gemeindebrief. Die Zahl der Mitglieder des nun neuen Kirchengemeinderats reduzierte sich von 30 auf 22.

Gefeiert wird am Samstag, 28. Februar, ab 17 Uhr in der Hochschul-Aula - auf "neutralem Gebiet" also, wie Dangel schmunzelnd erläutert. "Damit signalisiert die Gemeinde, dass Kirche sich nicht um sich selber drehen soll, sondern nach dem Vorbild Jesu Christi für die Menschen da ist." Gleichwohl, so merkt der Geistliche an, "befindet sich das Gebäude im Hohbuch ja auf dem 'Bruderhügel'". Kein schlechter Austragungsort für eine religiöse Gründungsfeier.

Basisdemokratie bei den Katholiken? Die Kirchengemeinderäte hatten bereits seit 2011 fast nurmehr gemeinsame Sitzungen gehalten, erläutert Franz Weiss, der bislang zweite Vorsitzende des Heilig-Geist-Kirchengemeinderats an der Alteburgstraße. Wolfgang Diwoky, Vize der - nun einstigen - Bruder- Klaus-Gemeinde (Betzingen) sagt zu dem Projekt der Neugliederung insgesamt: "Hier wurde nichts 'von oben' diktiert, sondern es kam aus unserer Mitte heraus."

Mit der größte Vorteil dieser Straffung sei die Konzentration der Verwaltungsarbeit an nun einem Ort, sodass Matthias Dangel mehr Zeit für seine eigentliche Aufgabe hat: die Seelsorge. 11 000 katholische Christen in Reutlingen sind unter dem Dach der St.-Lukas-Gemeinde vereinigt, wobei die Namen der vier Kirchen bleiben: Heilig Geist (Stadt), Bruder Klaus (Betzingen), St. Michael (Gönningen) und St. Johannes (Ohmenhausen).

Diözesanrätin Gabriele Derlig ist davon überzeugt, dass es eine solche gestraffte Organisationsform "bis in 15 Jahren" wohl in der gesamten Diözese geben werde. Vom Rossberg im Süden bis zur Römerschanze im Norden der Stadt: Anstelle der bisherigen Kirchengemeinderäte soll es nun an jedem der vier Orte "Gemeindeausschüsse" geben. Ein Gremium, so Wolfgang Diwoky, in dem man "ohne gewählt zu sein", mitreden und mit entscheiden kann.

Und wie kam es zur Namensgebung? Über 50 Teilnehmer diskutierten darüber. Beinahe wäre es Mutter Teresa geworden. Doch am Ende einer Predigtreihe erhielt der Evangelist Lukas den Zuschlag, ein Votum der Kirchgänger, also auch nicht etwa "von oben" verordnet. "Lukas ist ja nun auch der Mutige, der das Grenzenlose propagiert", so Dangel. "Und er ist ein Mann der Ökumene." Was viele Leute nicht mehr wüssten: Lukas ist auch der alte Stadtpatron Reutlingens.